Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1924-02-22 · Heft 8 (22.2.1924) · page 12

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 8 (22.2.1924)
Date
1924-02-22
Page
– (sequence 12)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064071-3064079--12609-3080068
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

das sollten sich die anderen Vereinigungen denn doch nicht gefallen lassen! Der Sensations-„Abend". Vor einiger Zeit hatte der ..Abend" eine Notiz „Wie bei uns" aus Berlin gebracht, in der gemeldet wurde, der dortige Centrai-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens habe unter Vorsitz seines Obmannes, Herrn Schlesinger, zu einer Rechtsregierung beraten und beschlossen, eine solche Regierung vaterländischer Kreise zu begrüßen und gegen eine eventuell erfolgende Ausweisung der Ostjuden nichts einzuwenden. Der Vorstand des Centrai- Vereines hat sofort an den „Abend" eine Berichtigung ergehen lassen, die bis heute nicht erschienen ist. Es hat den Anschein, daß dieses Spätnachmitiags-Blatt nur unter Berufung auf den Berichtigungsparagraphen österreichische Sensationen widerruft und solche auch von auswärts kommende unberücksichtigt läßt. Ein Beleg zu unserem Artikel „Entgleisungen", Die kurze Haartracht und die Jüdischen Weitbeherrschimgspläne. Das Pariser Antisemitenblatt „Libre Parole" veröffentlicht einen Artikel, in dem es den Juden vorwirft, die neue Haartracht der Frauen, die sogenannte Pagenfrisur, aufgebracht zu haben- Den Judenfrauen, schreibt „Libre Parole", wird das Haar vor der Hochzeit abgeschnitten und sie tragen dann Perücken. Die Einführung der Mode der kurzen Haartracht geschieht in Uebereinstimmung mit dem stets verfolgten Ziel der Juden, die christlichen Gewohnheiten abzuschaffen, um die jüdischen Gewohnheiten in der ganzen Welt zu verbreitern — Ist es gleich Wahnsinn, hat es doch Methode. Ein Weimarer Hakenkreuzplakat. In Weimar, der Stadt Goethes und Schillers, ist dieser Tage ein antisemitisches Plakat der thüringischen Nationalsozialisten erschienen, welcehs die Genehmigung der Reichswehrgruppe 2 in Form des Stempels „Genehmigt" aufweist. Dieses Plakat trägt die Bilder Kurt Eisners, Radeks, Max Warburgs, des Verfassers der Weimarer Verfassung, Exmmisters Preuß usw. mit entsprechenden hetzerischen Bemerkungen. Im Text werden die Arbeiter in der folgenden Weise „aufgeklärt": „Eure Revolution im Jahre 1918 wurde infolge der Zugänglichkeit eurer Führer gegenüber dem Verbrechergeist der Weltbörse All-Judas zu einer Lohnbewegen gestempelt. Die Führer der roten Internationale sind besoldete Verbündete und Beschützer der goldenen Internationale . . . Die Macht der dreihundert Männer, von denen Walter Rathenau sprach und die die ganze Welt beherrschen, sitzt dem Arbeiter und dem Mittelstande im Genick . . . Wir fordern Schließung der Börsen, Verbot der Judenpresse, Verabschiedung der Juden aus den Staatstellen ... Es lebe der völkisch-nationale Staat 1 Es lebe Adolf Hitler! Nieder mit der Monarchie unter Gnaden All-Judas und des römischen Papstes!" . Gründung einer jüdischen Völkerbundliga für Oesterreich. Samstag, den 16. d. M. fand im Saale des Niederösterreichischen Gewerbevereines die Gründung einer jüdischen Völkerbundliga für Oesterreich statt Die Konstituierung ergab nach der Eröffnungsrede Sr. Ehrwürden Herrn Oberrabbiner Dr. H. P. C h a j e s und einer längeren Rede des Generalsekretärs der jüdischen Delegation beim Friedenskongresse, Dr. Leo M o t z k i n, die Wahl des ersteren zum Präsidenten und des Direktors der Wiener Universitätsbibliothek i. P. Dr. S. Franfurter zum Vizepräsidenten der Liga. Dem Vorstande gehören weiters hervorragende Vertreter der Wiener Judenschaft sämtlicher Parteischattierungen und -richtungen an. Die Liga wird schon in den nächsten Tagen ihre Tätigkeit beginnen. ©n jüdischer Kongreß in Ungarn. In Kreisen der ungarischen Regierung wird jetzt der Plan erwogen, einen Kongreß der Juden Ungarns einzuberufen, in welchem Orthodoxe und Neologen zusammen verhandeln sollten. Die ungarische Regierung strebt eine Revision der Beschlüsse des jüdischen Kongresses vom Jahre 1867 und 1868 an und wünscht die Schaffung einheitlicher jüdischer Gemeinden. In Kreisen der Neologen steht man diesen Regierungsbestrebungen ablehnend gegenüber, indem eine Einmischung in die inneren jüdischen Angelegenheiten nicht» gewünscht wird. Aus orthodoxen Kreisen liegt bis jetzt noch keine Aeußerung vor. Borbet Abonnenten fQr „Die Wahrheit"! Theater, Kunst u. Literatur Verein der Freunde des großen Leopoldstädter Tempels. Mittwoch, den 6. d. M., fand im Theatersaale des Cafe Reichshof ein sehr gelungener gemütlicher Abend statt. Brav wie immer war Herr Arthur Franzetti mit seinem vorzüglichen geschmackvollen Programm. Herr Franz Engel vom Raimundtheater löste mit seinen humoristischen Vorträgen stürmischen Beifall aus. Herr Bela Weiss verstand es, sowohl als Conferencier wie auch als Vortragender sich rasch die Gunst des Pubilkums zu gewinnen. Nach dem reichhaltigen künsteirischen Programm gelangte die zahlreich anwesende Jugend zu ihrem Tanzrechte, so daß der gut besuchte Abend, bei dem der Verein einen hübschen Reingewinn erzielte, äußerst harmonisch verlief. Das Zelt. Eine jüdische illustrierte Monatsschrift. Das vorliegende erste Heft dieser neuen literarischen Erscheinung, bereits eine vielversprechende Probe schriftstellerischer und graphischer Leistungsfähigkeit, die zu den schönsten Erwartungen und wünschenswerten Erfolgen berechtigt. Die Meister erzählender und bildender Kunst in den Reihen des Judentums haben ihr Bestes geleistet, um dem „Zelt" Freunde und Anhänger zu werben. Da auch die Ausstattung dieser Monatsschrift vollkommen auf der Höhe steht, wird sie hoffentlich ihren Weg in die Weite machen. Inzwischen ist bereits die zweite Nummer erschienen, auf die wir'ebenfalls, da sie die erste noch übertrifft, zurückkommen werden. d. Abrechnung folgt. Unter diesem Titel ließ der grimme Zeit- und Sittenschilderer deutscher Nachkriegszeit George Grosz eine Sammlung seiner schärfsten Karikaturen erscheinen. Schon das Titelbild, ein deutscher Spießer, der am Bauche liegend den Kavalleriestiefel des Herrenmenschen küßt, gibt einen Vorgeschmack dessen, was uns Grosz hier aus der Fülle seines sittlichen Zornes bietet. Die in Malik- Verlag, Berlin, erschienenen 61 Blätter sind ein flammender Protest gegen Gewalt, Unrecht, Egoismus und Heuchelei. d. Voici la loi. Ein summarisches Inhaltsverzeichnis der fünf Bücher Moses, von Rabb. A. Lipmann, Versailles, befürwortet vom Großrabb. E. W ei11 (Kolraar). Zweck dieses kleinen Büchleins ist, jenem Teil der französischen Juden, die des Hebräischen nicht kundig sind, und deren sind bedauerlich viele, mit den Sedroth des Pentateuchs vertraut zu machen. Es wäre eine Uebersetzuug des Werkchens vielleicht mit Hinsicht auf ähnliche Verhältnisse deutscher Juden begrüßenswert. G. D. Aus Conrad Haussmanns politischer Arbeit. Herausgegeben von seinen Freunden. (Frankfurter Soci6tätsdruckerei.) Eine Reihe von Aufsätzen, parlamentarischen Reden und Briefen aus der Zeit von 1907 bis 1921 die sämtlich den deutschen Patrioten im vorbismarckschen Sinne zeigen. Ein unerbittlich logischer Denker, der Fehler und Mißgriffe der Staatsmänner und Schlachtenverlierer tadelt, ohne Parteien oder Personen zu schonen. Die großen Gefahren der Nationaldeutschen für Volk und Reich erkannte Haussmann schon zu einer Zeit, da sie noch nicht die öffentliche Meinung beherrschten und ihr Machtbewußtsein an dem starken Wilhelm II. zerschellte. Erst nach dem Kriege 1914—18 kamen sie zur verhängnisvollen Geltung. Man lese in dieser Sammlung politischer Essays „Deutschlands auswärtige Politik nach Bismarck", bereits 1911 mit vorahnendem Geist geschrieben, das Schwanken und Tasten damaliger Staatsmänner als Ursache der späteren Einkreisung Deutschlands bezeichnend, als die ahnungslosen Diplomaten sich noch in Sicherheit und Rüstungsfieber befanden. Auch der Brief an General Ludendorff vom 5. August 1919 gehört zu den Dokumenten einer trostlosen Zeit des Niederganges, für den die Schildträger des Generals und dieser selbst verantwortlich gemacht wird. Am Schlüsse sinnvolle Sprüche angefügt d. Apollo-Theater. Leo Falls Operette „Der süße Kavalier" wurde vor kurzem zum 50. Male aufgeführt. Diese Operette ist weit geschmackvoller und amüsanter als andere marktgängige Produkte der Wiener Operettenindustrie. Auch die Aufführung ist ganz ausgezeichnet. Der dezente Schauspieler und famose Tänzer Harald P a u 1 s e n ist eine Klasse für sich. Charlotte W a 1 d o w, die unvergleichliche, wunderbare Parodistin, und Oskar Sabo, ein Komiker bester Sorte, sorgen für Amüsement. Emmy Sturm als „süßer" Kavalier ist reizend und die übrigen Hauptdarsteller sind sehr angenehm. Es gab starken Beifall. 0. H.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.