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Die Wahrheit · 1924-02-15 · Heft 7 (15.2.1924) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 7 (15.2.1924)
Date
1924-02-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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WAHRHEIT Deiilsc^sierreiclissciEe Wö€t?€nsöirlll fer iiStllsöte Interessen mit öeei Beiblatt; fereffenflldmngen der „Union deniscbosferreidilsdier Juden4 Redaktion und AÖininistrarion: IVEen II., Helneslriaße 13. - Fernruf 42-2-16 XL. Jahrgang Wien, 15. Februar 1924 Nummer 7 EhnScMNfrMtdCäM Gibt es noch Gesetze in Oesterreich? Der Deutschösterreichische Schutzverbatid „Antisemitenbund", dessen Wühlarbeit sich unter Führung des Nationalrates Jerzabek gegen die Juden richtet, hat in Salzburg ein „Haupt-Organ für Deutsch-Oesterreich" im „Eisernen Bes e ir\ einem „Blatte der Notwehr", „unabhängig von jeder politischen Partei" (auch vom Antisemitenbund?). Wir haben dieses schändliche Hetzblatt, das in Tön und Inhalt alles bisher Dagewesene überbietet, bereits im Spätherbst des vorigen Jahres unter die Lupe genommen. Auf den Charakter und die Vergangenheit des damaligen Herausgebers des „Eisernen Besen", Herrn Sepp Koiler, sind dabei merkwürdige Schlaglichter gefallen. Koller sammelte Ähnlich nicht nur in eigener Person für sein Hetzblatt i^$jr$t£ bei atoiseit^ sondern er versuchte es auch, jüdischen Geschäftsleuten Kunden abzutreiben, intern er vor ihren Geschäftslpkalen sich postierte. Wenn dann christliche Käufer in das Gesd?äftsjo]kal eintreten wollten, drohte er ihnen mit Veröffentlichung ihrer Namen. Bei der Inserentenanwerbung wendete Koller gleichfalls merkwürdige Praktiken an, so daß ein Salzburger arischer Kaufmann ihn ganz öffentlich einen Betrüger nannte. Ueber diesen Senn Koller, der sich zeitweise auch in Wien herumtrieb, und in Hakenkreuzlerversammlungen als Redner auftrat, schrieb #mals 4er Wiener $c|mldirektor KarJ £> a n i c 1: „Sepp Koller ist ein Streber, d e r t r p t z s e inerAnrüchigkeitauiKostenanständiger Menschen, die er verleumdet, hinaufkommen will? 3epp Koller ist und war e i n Dieb, Sepp Koller jiat statt einer zwei tfnterstützungen genommen, Sepp Koller beh fi 11 sicfi widerrechtlich die Uhr eines änderen" Pas „Alldeutsche Tagblatt" warf ihm seinerzeit eine anrüchige Vergangenheit vor und schrieb: Koller ist mit Rücksicht auf seine bekanntgewordenen Taten politisch überhaupt tot. Auf Grund dieser Feststellungen hat i|jn damals die Nationalsozialistische Partei fallen gelassen und in den Salzburger Blättern eine offizielle Erklärung veröffentlicht, daß sie mit ihm nichts mehr zu tun haben will. Da blieb auch dem Antisemitenbund nichts anderes übrig, als seinem intimsten Freunde gleichfalls den Laufpaß zu geben. Die Affäre Koller hat dem Sudelblatt einen so argen Stoß versetzt, daß es sich so bald nicht er- .hpien konnte. Peshilfr war es auch für uns erledigt, zumal ihm der Stoii immer mehr und mehr ausging, sein Inhalt bestand nur mehr im Aufwärmen alter Tratschgeschichten, die schon nicht wahr gewesen sind, als sie dem dummen Kerl von Salzburg zum erstenmal; serviert wurden. Wir fanden es in Anbetracht der Blödheit des Sudeiblattes nicht einmal nötig, mit ihm in Tauschverkehr zu treten. Nim erhalten wir aber von einem angesehenen Salzburger jüdischen Bürger folgendes Schreiben: „Ich übersende Ihnen anbei die Jetzterschienene Nummer des in Salzburg erscheinenden Blattes „Der eiserne Besen", aus welchem Sie ersehen werden, mit welch niederträchtigen Mitteln in diesem Hetzblatt gegen die Juden unter, der hiesigen Bevölkerung Pogromstimmung zu erwecken gesucht wird. Ich glaube, daß Sie Veranlassung finden werden, die Judenschait Wiens und Oesterreichs auf den antisemitischen Charakter Salzburgs aufmerksam zu machen. Denn besonders die hiesige arische Kaufmannschaft, von deren Geldmitteln der „Eisern« Besen" erhalten wird, ist stark antisemitisch. Daß , wir wenigen Juden in Salzburg unter diesen Verhältnisse* zu leiden haben, ist ia ganz selbstverständlich und es ist sehr traurig, daß es keine Mittel und Wege gibt, diesen antisemitischen Buben das Händwerk zu legen. Ich sehe die einzige Möglichkeit zur Beseitigung dieses Hetzblattes darin, daß dessen Verschwinden von den maßgebenden Faktoren innerhalb der Bevölkerung Salzburgs verlangt, bzw. gefordert wird. Dies wird aber nur dann geschehen, wenn durch eine rege publizistische Tätigkeit die Judenheit inner- und außerhalb Oesterreichs auf die in Salzburg herrschenden Zustände aufmerksam gemacht und vor dem Besuche Salzburgs gewarnt wird. Dann werden vielleicht die Hotelbesitzer und Fremdenverkehrs-Interessenten selbst zur Einsicht kommen, daß es die größte Dummheit ist, in einer Stadt, welche vont Fremdenverkehr einzig und allein lebt, derartige antisemitische Blätter, wie es der „Eiserne Besen" ist, zu dulden. Es wäre meines Erachtens auch angebracht, die Hauptvereinigung der Landesverbände für Fremdenverkehr in Wien auf diese Zustände in Salzburg aufmerksam zu machen. In<lem ich hoffe, daß Sie Ihr Möglichstes zur Abschaf fung dieses unhaltbaren Zustandes für uns Salzburger tun werden, zeichne ich usw....." Dieser Notschrei veranlaßt uns in Erfüllung unserer selbstgestellten Aufgabe, stets zur Abwehr <ies Antisemitismus in Oesterreich aufzutreten, uns mit (Jiesem „Blatte der Notwehr" notgedrungen etwas eingehender zu* befassen. Es geschieht ungern. — wir bitten unsere Leser sogar um Entschuldigung, wenn es etwas breiter geschieht, als es sonst unsere Art, mit derartigen Sudelblättern umzugehen, ist aber es muß sein. Zunächst die Verantwortlichen: Als Eigentümer, Verleger und Herausgeber zeichnet der Deutschösterreichische Schutzverein „A n t i s em i t e n b u n d", Gauleitung Salzburg. Der Führer des „Antisemitenbundes" ist der Nationalrat Dr. An^ ton Jerzabek; das wird festzuhalten sein. Als Verantwortlicher Schriftleiter figuriert Alois (Ag-

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