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Die Wahrheit · 1924-02-08 · Heft 6 (8.2.1924) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 6 (8.2.1924)
Date
1924-02-08
Page
– (sequence 12)
Language
German
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tungen nicht gibt, diese Einmischung; in den gerade entbrannten Kampf um den Achtstundentag — das zeigt von einem hervorragend ausgebildeten Sinn für, nun meinetwegen, für die Aktualität. Herr Rutenberg weiß sich bei allem ausgeprägten Nationalismus gut zu assl-milieren. Er assimiliert sich mit wunderbarer Anschmiegsamkeit den Meinungen und Interessen jener, die er beim Geldbeutel erwischen will. Die Ordnungsfurie. In München wurde das Erscheinen der Zeitschrift .Da« indische E f h ^" von der Be^firde verboten,- weil die Zeitschrift eine Mitteilung der J. T. A. registrierte, wonach das britische auswärtige Amt dem Vertreter der J. T. A. bestätigt hatte, daß die englische Regierung wegen der Judenausweisungen in München intervenierte. Der tiefernste Kern der Hitlerbewegung. In großer Aufmachung teilt der völHsche ..Fridericus" in seiner letzten Nummer des Jahres 1923 der staunenden Umwelt stolz und geehrt mit. daß General Ludendorff dem Schriftleiter höchsteigenhändig einen Brief geschrieben hat. Seit dem mißlungenen Münchener Putsch kämpft der General wieder mit geistigen Waffen und — schreibt Briefe. Man weiß, daß im völkischen Lager die Meinungen über die Eignung des Generals als Führer der Freiheitspartei durchaus geteilt sind. Auch der ..Fridericus" machte aus seinem Her7en keine Mördergrube: die Hitlerei züchte ein Landsknechtstum groß, das sich zum Todfeind jeder, geistigen Bewegung auswachsen müsse. Nachdem der General zu beweisen gesucht hat, daß er wohl eine umstrittene Person sei. daß dieses Los aber allen aufrechten Leuten — also wieder aufrecht. Herr General — zuteil werde, belehrt er den „Fridericus" wie folgt: „Wenn Sie der Hitler-Bewegung, zu deren 'Führer Sie mich msehen. diese Bedeutung 7usnrocheu — und ich nehme an. daß Sie es bei Kenntnis meiner Person tun —, so hin ich darüber erfreut und danke Thnen für d'eses Werturteil. Wenn Sie aber glauben, der Hitler-Bewegung weniger Geholt geben zu sollen, so fürchte ich, daß S'e we^en der Schale nicht den tiefernsten sittlichen Kern der H»tler_Rewegung. das heißt der völkischen Bewegung sehen. Für Hitler, v. Graefe i'"d für nrch und für Plle anderen F.iJir<*r in d°r deutschen Freiheitsbewegung geht es um Weltanschauung, Rasse, Volk und großdeutsches Vaterland, und schließlich heute mehr als ie um den deutschen Menschen der Treue, der Wahrheit, der Fhre und Mannhaftigkeit und um die Wehrhaftmachung des Volkes im Dienst dieser Idee und nicht als Landsknechttum. Daß hierzu als erstes die Errettung des Volkes aus Hunger und Elend gehört, ist der völkischen Bewegung nur 2U sehr bewußt." Darüber ist sich die überwiegende Mehrheit des deutschen Volkes klar, daß Putschisten vom Schlage eines Ludehdorff Hunger und Elend .des deutschen Volkes ins Grauenhafte steigern würden, wenn sie zur Regierung kämen. Der Hitler-Putsch hat allen, die noch einer Belehrung zugänglich sind, bewiesen, daß der Wiederaufbau Deutschlands nicht mit. sondern gegen Herrn General Ludendorff wird bewerkstelligt werden müssen. Hakenkrenzier gegen Ernst Toller. Bei der Dresdener Erstaufführung des stark umstrittenen Dramas von Ernst Toller „Hinkeman n", das Sonntag im Rahmen einer Matinee im Raimundtheater aufgeführt wird, entstand ein Theaterskandal, der solchen Umfang annahm, daß die Polizei eine größere Anzahl von Zuschauern verhaften mußte. Die Lärmszenen arteten schließlich in Tätlichkeiten aus, wobei Gegner und Anhänger des Stückes einander regelrecht verprügelten. Es handelt sich in dem Drama, in dem die Majestät des deutschen Spießers etwas unsanft angefaßt wird (was jedem ehrlichen Hakenkreuzler als eine persönliche Ehrenkränkung erscheinen muß) um einen im Kriege zum Eunuchen gewordenen Mann, dessen Weib ihm infolge dieses Umstandes untreu wird. Die Lärmszenen wurden von mehreren hundert Studenten veranstaltet, die ganze Sitzreihen aufgekauft hatten, um die Aufführung unmöglich zu machen. Am Schluß der Prügelszene wurde von den jungen Leuten die „Wacht am Rhein" und das Deutschlandlied" gesungen. Und der Skandal genügte, um die Leitung des Dresdner Schauspielhauses zu veranlassen. Tollers Werk aus dem Repertoire zu streichen. Auch auf Berlin ersteckte sich der Terror. Dort erhielten zahlreiche Darsteller des staatlichen Schauspielhauses die bei einer geschlossenen Aufführung des Tollerschen Werkes mitwirken sollten, Drohbriefe, worin ihnen angekündigt wurde, daß man sie im Falle ihres Auftretens auf offener Bühne erschießen werde, und — das Stück wurde abgesetzt. [Theater, Kunst u. Literatur Konzert. Piroska Z11 z e r, die von der Wiener Presse mit Meuber, Essipoff und Carenno verglichene junge Pianistin, und Ibolyka Z i I z e r, Geigenkünstlerin, die sehr begabte Schülerin Prof. Karl Fleschs, geben am 11. Februar im großen Musikvereinssaal ihren gemeinsamen Orchesterabend mit Begleitung des Sinfonie-Orchesters. Dirigent Anton K o n r a t h. Das äußerst wertvolle Programm enthält: Beethoven: Klavier-; konzert Es-dur; Beethoven: Violinkonzert; Tschaikowsky: Klavierkonzert B-moll. Wochenkalender. In Wien erscheint seit einigen Wochen ein „W ochenkalender der Agudas Jisroel- Jugendgruppe", der die Gebetzeiten und Schiurim (Vorträge) in allen Wiener orthodoxen Bethäusern und Klausen nebst den Veröffentlichungen der Wiener Aguda-Jugendgruppen enthält. Dieser Wochenkalender wird jeden Donnerstag an mehrere tausend jüdische Familien in allen Wiener Gemeindebezirken versendet. Zum 100. Oehurtstage Jozef Israels. An anderer Stelle bringen wir anläßlich des 100. Geburtstages des großen jüdischen Künstlers eine Schilderung seiner Jugendzeit aus der Feder Prof. Max E i s 1 e r s. Die in Wien erscheinende „Menorah, illustrierte Monatsschrift für die jüdische Familie" (IX., Berggasse 31) widmete ihr Februarheft dem Andenken Jozef Israels. Die Nummer enthält neben einer Würdigung des Meisters aus der Feder des holländischen Kritikers D, S. van Z u i d e n eine Reihe von Abbildungen der berühmten Werke Israels unter besonderer Autorisation seiner Erben. Neben fesselnden literarischen Beiträgen, bringt dies Heft auch eine kulturhistorisch höchst interessante Studie von Erich Töplitz (Frankfurt a. M.) über die Entwicklung und Kunstformen der „Menorah", reich illustriert nach den berühmtesten Originalen aus jüdischer Vergangenheit. Die Zeitschrift, die jedermann etwas zu bieten weiß, die von jüdischer Gegenwartsarbeit berichtet und jüdische Tradition in geschmackvoller Form pflegt, verdient volle Anerkennung. „Der Pionier". Die Dezember-Nummer dieser trefflichen freisinnigen Zeitung enthält als Sonderschrift „Weltrevolution" Das Heinedenkmal in Hamburg — Karl Liebknecht redivivus — Die Unterminierer der Republik — Die Weltrevolution beginnt! — Barbusse, der Soldat der Menschheit — Wie lange noch Stinnismus? und anderes. Mit der Bekanntgabe dieser Aufsatzreihe ist allerdings nicht Wert und Bedeutung dieser flammenden Proteste angedeutet, die hier gegen offene und schleichende Reaktion in alle Welt hinausdringen. Diese wuchtige Prosa, diese aus dem Herzen geborenen Verse muß man lesen und an den gelungenen Bildern das grimmige Behagen des Wissenden finden. d. Elisabethheim. Zugunsten der Schutzaktion des jüdischen Kriegswaisenhauses Elisabethheim findet am 19. d. M. in den Sophiensälen die dritte Maskenredoute statt. Das Komitee, an dessen Spitze Herr H. S z m e t a n a, Großindustrieller aus Liesing steht, wird alles aufbieten, um das Fest vornehm und amüsant zu gestalten. Eine ansehnliche Schar junger Damen und Herren hat sich zu den Vorarbeiten zur Verfügung gestellt, so daß die Veranstaltung des Erfolges sicher sein darf. Karten können im Vorverkauf sowohl im Heim, II., Malzgasse 7, als auch bei sämtlichen Komiteemitgliedern, die daselbst zu erfragen sind, bezogen werden. Es ist Pflicht aller jüdischen Kreise, diese Wohltätigkeitsveranstaltung zu fördern. Ronacber. Die Revue „W i e n gib acht" wird immer noch vor ausverkauften Häusern gespielt. Es wurden einige neue Lieder eingefügt, auch ein Wechsel in der Darstellung v/urde vollzogen. So wurde Herr Korff durch Karl Günther ersetzt, einem sehr kultivierten Schauspieler, der ein ebenso angenehmes Organ als eine fesche Art des Spieles aufweisen kann. Hans Moser bringt zwei Charakterfiguren auf die. Szene, die unübertrefflich sind. Sein Dienstmann, sowie sein Leichendiener sind Meisterleistungen eines Charakterschauspielers allerersten Ranges. Statt Gustav Müller spielt jetzt der bekannte Komiker Fleischmann sehr gut, statt Frau Hetsey ein Frl. Luise Krause; die hübsche Dame erfreut das Publikum durch prächtige Stimmittel. Das Reizendste der Tanzkunst bringt Edmonde Guy und Ernest van D ü r e n, die man als ausgesprochene Koryphäen ruhig bezeichnen kann. Sie ernteten in ihrer neuen Szene stürmischen, aber auch verdienten Erfolg.

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