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Die Wahrheit · 1924-02-01 · Heft 5 (1.2.1924) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1924
Issue
Heft 5 (1.2.1924)
Date
1924-02-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Deofscnesterrelclilscbc Wochenschrift ihr Jüdische Interessen Mit dem Beihlätt: VeröüenUitiiungen der „Union deufscMsferreichischer Juden Redaktion und Administration: Wien HdmesteaOe 13. - Ferrrui 42-2-16 XL. Jahrgang Wien, 1. Februar 1924 Nummer 5 Der „Talmudist'' Theodor Fritzsch. In seiner letzten „Hammer"-Niimmer gehabt sich der Herausgeber großartigmit seinen Verdiensten um die Aufdeckung der schweren Gefahren, die m den Talmudgese^tzen der Christenheit drohen. Dabei greift Theodor Fritzsch auf einen im Jahre 1922 geführten Prozeß zurück, der vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranlaßt wurde. Dieser Verein bezeichnete den Flensburger Hetzpastor, Friedrich Andersen, wegen seiner Ausfälligkeiten gegen die Juden als Fälscher undhVerleumder; desgleichen seine Gewährsmänner, Eisenmenger, Rohling, Ecker und Fritzsch. Letzterer, „als einziger Uebe/lebender von den Genannten", nahm den Fehdehandschuh auf und klagte wegen Beleidigung beim Flensburger Gericht, das den Beklagten im April 1922 freisprach. Was dem Kläger den Stoßseufzer entlockt: „Wir sind ja gewohnt, daß für die Kinder Israels Ausnahmen gelten." Nach Fug und Recht sollte wegen dieser Beleidigung, jetzt das Flensburger Gericht gegen Theodor Fritzsch den Strafantrag stellen. Soweit ist es aber noch nicht gekommen, sondern zu einer Berufungsanklage, die Fritzsch einbrachte und die noch nicht erledigt ist. Das hinderte den unentwegten Kämpfer gegen Juda nicht, schon jetzt rm „Hammer" für sich sehr umständlich zu plädieren. Da es nun erstaunlich, wie Herr Fritzsch, seines Zeichens arisch-christlicher Mühlentechniker, im Talmud Bescheid weiß. Mit einer Seibstbewußtheit, die nur mit der schreienden Ignoranz Schritt hält, spricht er über Joma f 18 b und 19 b und verschiedene Stellen des Choschen ha-mischpat. Er beruft sich auch im Verlauf der Selbstverteidigung auf einen Privatdozenten Dr. Georg Beer, der als Schulchan Aruch - Sachverständiger bereits Februar 1895 beim Breslauer Landesgericht begutachtet haben soll: „Ich habe die fraglichen Stellen sämtlich in einer der Breslaiuer Stadtbibliothek entnommenen Ausgabe des Schulchan Aruch gefunden und festgestellt, daß der auf dem Flugblatte neben dem hebräischen Text stehende deusche Wortlaut eine durchaus sinngemäße, wenn auch manchmal etwas freie Uebersetzung des hebräischen Wortes darstellt." Hier liegt der Hund der Talmudfälscher begraben. Wenn män bedenkt, wie rabbinischer Scharfsinn über Wert und Bedeutung eines "Wortes, oft eines Buchstabens sich in Erörterungen erging, ist die verbrecherische Leichtfertigkeit einzuschätzen, die in gelehrten Dingen mit „etwas freier Uebersetzung" vorging. Jawohl, frei von Wissen und Gewissen, Ehr- und Anstandsgefühl, frei auch von dem Empfinden der Verantwortlichkeit. Es ist jene Art der freien Uebersetzung, die schon Goethe beklagte: Im Auslegen, ihr Herren* seid ihr recht munter, legt ihr nichts a u s, so legt ihr was unter. Eine der geläufigsten Unterstellungen ist das Wort „Akum", als Bezeichnung für Christ hinzustellen. In Wirklichkeit Hegt eine Abkürzung der Worte Abde Kohabin in Masseloth-Anbeter der Sterne und Planeten, kurz gesagt: Götzendiener, was unmöglich mk Christ identisch sein kann: Der Akum ist schlecht, qualifiziertester Heide. Man braucht nur an die kultischen Greuel denken, die mit dem Astartedienst verbunden waren, um zu verstehen, daß den monotheistischen Juden der Akum Gegenstand des Absehens und der Verachtung sein mußte, daß er außerhalb ihrer Gesellschaft, vielleicht auch ihrer Gesetze stand. Nun gibt es aber seit vielen Jahrhunderten keine Sternenanbeter. Mit dem entschwundenen Begriff hat das Wort keinen Sinn. Es ist nur noch eine perfide Erfindung der beruflichen Talmudfälscher, die ihre Erfindung ihren Nachfolgern in diesem schändlicheii Gewerbe hinterließen. Eine Fehlerquelle, die aber durch Generationen munter fortfließt, wird mit der Zeit zum breiten Lügenstrom. Der Akum mag dafür als eines der vielen Schulbeispiele dienen. Nach dieser Ablenkung zurück in die wahrlich nicht angenehme Gesellschaft des Herrn Theodor Fritzsch. Er übersetzt (natürlich frei) zu Ülioschenha-mischpat, 369, 11: Nach den Gesetzen der Akum soll man sich nicht richten. Daraus folgt (für Fritzsch), daß der jüdische Richter nach talmudi- . schem Recht judiziert, wenn es sich um jüdische Parteien handelt. Das hätte zur Voraussetzung, daß der jüdische Richter ein sattelfester Talmudkenner sei. Die Dinge liegen aber so, daß unsere Retigionslehrer es als schönen Erfolg betrachten, wenn einige Jungen — von den Mädchen ist überhaupt nicht die Rede — etliche Gebete und Thorastellen hebräisch lesen, übersetzen und verstehen lernen. Im Unterrichtsplan des Juden, der sich dem Brotstudium widmet, hat der Talmud keinen Platz. Das müßte auch Herr Fritzsch bekannt sein. Der von ihm gefabelte talmudische Richter ist eine Absurdheit, die sich vielen anderen würdig anreiht und nicht unwidersprochen bleiben darf. Salomons Schwiegertochter. Roman von Felix H o 11 ä n d e r.*) Dieser in ein Theaterstück umgewandelte Roman war eine der Sensationen des Wiener Theaters in der heurigen Saison, ohne jedoch besonderes *) Ulistein-Verlasj. Berlin.

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