Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 21 (17.10.1923)
- Date
- 1923-10-17
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 DIE WAHRHEIT Nr. 21 stattung Dr. J. S. Blochs fehlten und zur Steile sein sollten, sehr geschämt habe." Los vom Christentum. In einer Denkschrift zum zehnjährigen Bestände der Evangelischen Gesellschaft in Oesterreich (1923) schreibt der Herausgeber Max Monsky (Generalsekretär der Volksmission für Oesterreich) über die Stellung der Gesellschaft zur Judenfrage: „Das Unheil kommt v*on den Juden, von den Juden, die Christus verworfen und ans Kreuz geschlagen . . . haben. Und „d a s Heil kommt von. den Jude n". Christus,- d e r Heiland, war u n •(! bleibt für alle ""Zeiten ein Jude. Die Sehnsucht nach einem arischen Heiland stammt aus dem hochmütigen Herzen des kulturstolzen Deutschen, der meint, in eigener Kraft gen Himmel stürmen und sein Volk selbst erlösen zu können. Dieser Hochmut hat mit zu seinem Falle geführt.-Daher halten wir es für unsere heilige Aufgabe, an der ganzen Bibel festzuhalten, auch am alten Testamente, ohne welches das auf demselben aufgebaute Neue gar nicht möglich und verständlich ist." Diese Stelle wurde von dem berühmten Deutschnationalistenblatt „Michel" übernommen; selbstverständlich mit einer Menge Frage- und Rufzeichen, sofeme die Ausführungen Max Monskys dem völkischen Kram des Hetzblattes* zuwiderlaufen. Es erbost sich auch wacker darob, daß Herr Monsky 1920 gelegentlich eines Empfanges amerikanischer Methodistenbischöfe gesagt haben soll, daß die deutschösterreichischen Christen bezüglich -des Eintrittes in den Weltkrieg ein gutes Gewissen zu haben glauben, sich aber durch den Ausgang und den Frieden betrogen-fühlen. Trotzdem darf nicht vergessen werden, daß es in d'er Bibel heißt: Liebet einander! Die Losung des Augenblickes müsse sein : Nicht schlagen, sondern tragen! Das wirft den „Michel" i!n den heftigsten deutscharischen Koller, so daß er sich zu den „heiligen Erzgaunern Abraham, Isaak -und Jakob" hinreißen läßt. Er folgert aus Monskys Liebe zum Alten Testament und den Juden, daß „die Klerikalen aller 'Kirchen es verschulden, wenn die gebildeten Deutschen dem Christentum scharenweise den Rücken kehren", und weiter: „Wenn die Judenchristen nicht vernünftig werden, wird es notwendig sein, daß die Völkischen den Ruf: „Heraus aus dem Christentum!" erheben, denn zwischen dem, was deutsch ist, und dem Judenchristentum kann es keine Brücke geben. Wir glauben, daß dieser furchtbaren Drohung zum Trotz die Judenchristen, das heißt alle, die vom evangelischen Geiste der Nächstenliebe und Duldung Andersgläubiger erfüllt sind, in diesem Sinn predigen und wirken werden. Auch vertreten wir die Meinung, daß das Christentum durch die Fahnenflucht der Michelianer und Aehnlichgesinnter so wenig verlieren oder beklagen wird, wie das Judentum durch jene ehrlosen Glaubensgenossen, die das Taufwasser nehmen. Theater, Kunst u. Literatur | Berichtigung. In der Besprechung der Broschüre von Medizmalrat Dr. Heinrich Haase „Frommt uns ein »neuer Glaube?" in Nr. 18/19 unseres Blattes hat sich ein sinnstörender Druckfehler eingeschlichen. In der 14. Zeile soll es statt „dogmenlose Religion" heißen „d o g m e n 1 o s e M o r a 1". Vortrag über Dr. Bloch. Im Verein der Freunde dies großen Leopoldstädter Tempels sjpricht Mittwoch, den 24. Oktober d. J. im Restaurant Nagel, IL, Kleine Sperlgasse 5 (Hotel New-York), Professor Otto Simon von der Neuen Wiener Handelsakademie über Dr. Joseph S. Bloch. Gäste willkommen.' Heimaterde, Judenlieder von Marek Scherlag, R. Löwit Verlag 1922, 62 S. Von diesen Liedern kann man nur sagen, daß sie eine reine und treue Gesinnung wiederspiegeln und das Werk eines tief und warm empfindenden Menschen sind. Unzweifelhaft . hat der Verfasser auch eine nicht alltägliche Begabung und ein reiches Talent. Freilich der zündende Funke der Genialität ist es nicht. Stark" und das beste aus der Sammlung ist das ganz kurze Gedicht „Auf der Flucht". Es sei zur Charakteristik hier abgedruckt: Verbirg dein Köpfchen in mein Gewand, Ich führe dich mit starker Hand. ■ „Und wenn man, Vater, dich' selbst bedroht . . . Ich fürchte, der Himmel ist blutigrot." Dein Vater schützt dich, mein kleines Lamm. Ich bin-so stark wie ein Eichenstamm. „Aus Eichenstämme haben bei Nacht Die Feinde doch Scheiterhaufen gemacht." D. Mynona: Graue Magie. Berliner Nachschlüsselroman. Rudolf Kämmerer-Verlag, Dresden. — Dieser sein erster großer Roman zeigt Mynona als „Jules Verne der Seele", als „Charlie Chaplin der Philosophie". Die Graue Magie, scheinbar ein Märchen in zehn wie ein Liebesdetektivroman spannenden Kapiteln — so real wie phantastisch, voll dichterischen Wahrheitsgehalt, voller Gegenwart und Zukunft — verbindet Groteske mit Philosophie in eigenartigster Weise zu einem höchst lebendigen Berliner Nachschlüsselroman. Der Vertraute wird mit Vergnügen hinter diesem wunderreichen Spuk bekannte^Typen der gegenwärtigen Literaten-, Verleger- und Künstlerwelt erkennen, in der sich die Verwirklichung von Kants berühmter Aethertheorie bis zu den tollsten Konsequenzen vollzieht. Neben witzigster. Laune und tiefem Ernst offenbart sich hier in oft überraschender Weise das starke Ethos Kants. Das Buch bedeutet einen neuen Stil des deutschen Romans.. „El-Oze". Die unter diesem Titel gegründete Gesellschaft zur medizinischen Hilfeleistung für die russischen Juden wird gegenwärtig von Prof. Einst e i n als Präsidenten und Prof. Wässer m a n n, Berlin, sowie Besredska vom Pariser Pasteurinstitut als Vizepräsidenten geleitet. JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detaüverkauf: Wien Ii., Glockengasse 24 Wien IL, Taborstraße 44