Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 20 (5.10.1923)
- Date
- 1923-10-05
- Page
- – (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 18 Nr. 20 halten, stets eingedenk zu bleiben. Der gleichfalls zur Thora gerufene Vater sowie die beiden Großväter und ganz besonders der Onkel des Barmizwanten, Herr Großindustrieller Hans Engel, spendeten bei diesem schönen Anlasse namhafte Beträge für Wohltätigkeitszwecke. — Ein schönes Familienfest vereinigte Samstag, den 22. v. M. die Mitglieder und Freunde der hochangesehenen Familie Appel im Gotteshause des Tempelvereines „Aeschel Awrohom", IL, Pazmanitengasse. Sie waren herbeigeeilt, um an der Barmizwahfeier des kleinen Karl, des Sohnes des Herrn Peter Appel und seiner Gattin Erna, geb. Halpern, teilzunehmen. Nach Verlesung der Haftorah hielt Herr Rabbiner Dr. S. F u n k an den Konfirmanden eine Ansprache, in welcher er demselben nahelegte, im Sinne seiner hochverdienten Großeltern und Eltern dem Judentum allezeit treu zu bleiben. In jedem Antlitz war der vom Herzen kommende Wunsch zu lesen, daß der Barmizwant zur Ehre seiner geschätzten Familie und zur Ehre seiner Eltern heranwachse, weichem Wunsche auch wir uns anschließen. — Samstag, den 22. September, fand im Großen Leopcldstädter Tempel die Barmizwahfeier des Studenten Fritz P o 11 a k, Sohn des Teppichhändlers Heinrich P o 11 a k und _ seiner Gattin Hanny, geb. Weinstein, statt, und landen sich zu dieser Feier viele Freunde und Verehrer der allgemein geschätzten Familie ein. Seine Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald hielt eine wahrhaft herzerhebende Rede, in welcher er den Barmizwanten ermahnte, seines Gelübdes stets eingedenk zu sein, und namentlich im Sinne seiner Eltern dem Judentume stets Treue zu bewahren. Der Vollständigkeit halber erwähnen wir noch, daß der junge P o 11 a k bei dem im Elternhause am Nachmittage stattgefundenen Familienfest eme der Bedeutung des Tages entsprechende Ansprache hielt, die bei allen Anwesenden großen Beifall auslöste. — Samstag, den 29. d. M., feierte Bruno David, Sohn des Herrn Hermann David und seiner Gattin Stephanie, geb. Deutsch, im Gotteshause des 9. Bezirkes (Beth Hatfilah) sein Barmizwahfest. Zu der schönen Feier hatten sich die Vorsteher des Tempelvereines, sowie zahlreiche Verwandte und Freunde der Familien David-Deutsch eingefunden, die von der reinen Aussprache und dem schönen Vortrage des Konfirmanden überrascht . wurden. Nachdem dieser die Parasche in der Thora verlesen, hielt Herr Vereinsrabbiner Dr. Schwarz eine wirkungsvolle Ansprache. Er stellte ihm seine Eltern als leuchtendes Beispiel wahrhaft jüdischen Lebenswandels hin, denen nachzueifern Lebensaufgabe des Sohnes sein möge. Herr Oberkantor P o s t o 1 o w verrichtete dann ein hebräisches Gebet für das Wohl des Konfirmanden in besonders feierlicher Weise, womit die schöne Feier ihren erhebenden Abschluß fand. 70. Geburtstag. Samstag, den 22. v. M., beging Herr Jacques Schwarz, Besitzer des in besten Kreisen vorteilhaft bekannten Restaurants, II. Bez., Rotensterngasse 31, seinen 70. Geburtstag. Dieser Jubeltag fand auch bei der Feier im Tempel des Vereines „Aeschel Awrohom" (II., Pazmanitengasse- 6), zu dessen ältesten Mitgliedern Jacques Schwarz gehört, einen würdigen Ausdruck. Der zur Thora gerufene Jubilar wurde durch Herrn Rabbiner Dr. S. Funk beglückwünscht, der m seiner herzlichen Ansprache hervorhob, daß die lebhaften Sympathien, 'denen' Herr Schwarz begegne, ihm zur hohen Befriedigung gereichen können und daß er auf seine Kinder stolz sein dürfe. Jlerr S. Adler, Obmannstellvertreter des Tempel - Vereines, beglückwünschte den Siebzigjährigen im Namen des Vorstandes und der Mitglieder, ebenfalls aufs innigste. Ein feierlicher Mischeberach des Herrn Oberkantors J. Müller leitete die schöne Tempelfeier ein. Der Jubilar, dessen Wohltätigkeitssinn allgemein anerkannt ist, benützte den Anlaß seines 70. Geburtstages, Seiner humanitären Gesinnung durch namhafte Spenden Ausdruck zu verleihen. Herr Jacques Schwarz, der seit 57 Jahren dem Gastgewerbe angehört und von Pik auf sich durch Fleiß und Intelligenz zur heutilgen geachteten Stellung emporgearbeitet hat, servierte seinerzeit als Oberkellner in den vornehmsten Etablissements der österreichischen Kurorte, wie auch anläßlich der Wiener Weltausstellung diank seiner Sprachenkenntnisse und seines vornehmen Wesens selbst hohen Persönlchkeiten, ja sogar gekrönten Häuptern,, wie dem, König von England, Kaiser Wilhelm IL, Kaiser und, Kaiserin von Brasilien, dem Schah von Persien, Bismarck u. a. m. Das von ihm geleitete Restaurant hat wegen seiner erstklassigen Darbietungen den besten Ruf. Anläßlich seines 70. Geburtstages war Herr Schwarz Gegenstand mannigfacher Ehrungen. Todesfall. Wie eine kraftstrotzende Eiche, plötzlich vom Blitz getroffen, niedergestreckt wird, verschied Sonntag, den 9. September, der an der zweiten Bundesrealschule, Leopoldstadt, Vereinsgasse, seit deren Bestände als Lehrer der israelitischen Religion, Stenographie und Turnen wirkende Professor Karl Ehrenfest im 48. Lebensjahre. Ein vorbildlicher Lehrer, ein grundgütiiger, unablässig hilfsbereiter Menschenfreund und ein wahrhaft idealer Jude ist mit Karl Ehrenfest von hinnen gegangen. Die gesamte Kollegenschaft, die große .Zahl seiner Schüler und Weite Kreise, die das Wirken des Entschlafenen kennen und schätzen gelernt hatten, gaben ..ihrer Li ebe und Trauer durch eine imposante Teilnahme an seinem Leichenbegängnisse am 13. September Ausdrück. In den an der Bahre gehaltenen Nachrufen kam zum Ausdruck, daß der Verstorbene ein Kollege und Lehrer von wahrhaft seltener. Herzensgüte war, die er namentlich während der schweren Kriegsjahre und der schlimmen Not in der Nachkriegszeit durch sein hilfreiches humanitäres Wirken betätigte. Er scheute keine Mühe, keine Zeit und auch keinen Gang, wenn es galt, den Familien seiner Kollegen und den Schülern die Teilnahme an irgend einer der Hilfsaktionen zu ermöglichen. Auch als Lehrer gewann er durch sein joviales und1 väterliches Wesen die Herzen der Schüler. Rabbiner Dr. Feuchtwang hielt die Trauerrede, die alle Anwesenden erschütterte, auch namens der Wiener Religionsprofessoren. Für die Kultusgemeinde sprach Präsident Dr. P i c k. für die Koilegenschaft Direktor Barta. So viel Worte, so viel Lorbeerblätter für den schwer und aufrichtig Betrauerten; der von Mitgliedern des Lehrkörpers und seinen Freunden zur letzten Ruhe, getragen wurde. Seidenbaus H UMSTADT Wien I.. 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