Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 18-19 (10.9.1923)
- Date
- 1923-09-10
- Page
- – (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 32 DIE WAHRHEIT Nr. 18/19 Vermischtes hü Freimaurerei und Antisemitismus. Nach einem Bericht des „Jewish Guardian" vom 17. August d. J. wurde von einer Freimaurerloge in Connecticut ein Gesuch um Aufnahme mit der Begründung abgewiesen, daß der Bewerber Jude sei. Der Fall ist umso bemerkenswerter, als er sich im Land der Freiheit, in Amerika, zugetragen hat. Es scheint, daß auch in diesem Punkte Preußen in dem Amerika Fords Schule macht. Delegierten-Ausflug zu den jüdischen Instituten. Gleich nach Schluß des Kenessio Gedaulo lud Herr Max Hofbauer mehrere der Delegierten zu einem Ausflug zwecks Besichtigung der von der Wiiener Orthodoxie unterstützten Wohlfahrtsanstalten, sowie der von der Agudas' Jsroel gegründeten Lehrlingswerkstätten in Meidling ein. Das bereitgestelHe Rundfahrtauto bestiegen u. a. die Herren Rabbiner Fürst (Wien), Oberrabhimeiri Sejmdeputierter Lew i n (Sambor), Rabbiner H o r o w i t z (Jerusalem). Rabbiner Dr. M u n k (Berlin), Oberrabbiner B a k s t (Suwalki). Obemrabbiner Sejmdeputierter I. Kaganemanes (Panevezy), sowie Herr Schriftstdler Chajim Bloch (Wiein) als Vertreter der Presse. In der Taubstummenanstalt wurden die Gäste in Abwesenheit des Herrn Direktors Dr. S. Krenberg e r von einer Vorstandsdame empfangen und in alle Räume der Anstalt geleitet. Die Gäste sprachen, ihre Zufriedenheit über die musterhaften Einrichtungen aus. Von hier ging es zum Blinden - institut, wo 'die Gäste vom Direktor Alt mann begrüßt und in die Anstalt geführt wurden. Alle Herren, besonders die aus dem Osten, bezeugten: ihr Staunen über die wunderbaren Lehrmethoden. Dieses, vom verewigten Dichter Ludwig August F r a n k 1 vor 50 Jahren errichtete und von Dir. Heller s. A. auf die derzeitige Höhe gebrachte Institut beherbergt naturgemäß nur jüdische Blinde bis zum 18. Lebensjahre und sind bis1 heute einige Tausend Zöglinge zu produktiven Menschen gemacht worden. Viele von ihnen sind Fabrikanten, Gesangskünstler und Dichter. Ch. B. „Montefiore" Kranken-Unterstützungsverein, Wien IL, Ferdinandstraße 13. Dieser Verein, der im Vorjahre sein vierzigjähriges Jubiläum feierte, hat den Theatersaal des Cafe Reichshof, II., Praterstiaße Nr. 60, zur Veranstaltung eines Gottesdienstes anläßlich der hohen Feiertage erworben. Erste jüdische Frauengewerbeschule. Auf dem beschwerlichen Wege der Ertüchtigung des weiblichen Nachwuchses ist ein großer Schritt nach vorwärts zu verzeichnen. Schon lange wurde in Kreisen der Eltern und Erzieher der Wunsch rege, den Normalschulen für Mädchen Fachlehranstalten anzugliedern und dafür Sorge zu tragen, daß der praktischen Ausbildung in nützlichen Fertigkeiten mehr Aufmerksamkeit zugewendet werde wie bisher. Der satzungsmäßigen Aufgabe entsprechend hat der Vorstand des „Elisabethheims" (Kriegswaisen-, Lehrmädchen- und Arbeiterinnenheim) über Anregung seines Präsidenten Ober-Med.-Rates Dr. S. Krüger beschlossen, eine Frauengewerbeschule ins Leben zu rufen und so den Anfang mit der fachlichen Ausbildung von Mädchen zu machen,' welchen Gelegenheit geboten werden soll, berufsmäßig zu Kleidermacherinnen, Modistinnen und Stickerinnen herangebildet zu werden. Erste Lehrkräfte sind für die vom Stadtschulrat genehmigte Anstalt gewonnen worden, so daß die Gründer mit Zuversicht und froher Hoffnung auf das Gelingen an die Arbeit schreiten können. Es steht auch zu erwarten, daß die Schule aus allen Kreisen der Wiener jüdischen Bevölkerung Zuspruch und Förderung finden wird. Die Einschreibungen finden im Heim (II., Leopoldsgasse) täglich zwischen 11 bis 12 Uhr vormittags statt. Festgottesdienst. Anläßlich der zehnten Wiederkehr des Talges, am weilchem der Tempelverein „Aesohel Awrohom" sein Gotteshaus, IL, Pazmanitengasse, seiner Bestimmung übergeben hatte, fand daselbst Samstaig, den 1. September d. J». um 10 Uhr vormittags eio Festgottesdienst statt. An diesem beteiligten sich untber Führung des Ehrenpräsidenten Rat Adolf W e n g e r und des Obmannies Oskar Sc'hramek der Gesamtvor- ' stand, zählreiche Mitglieder und1 Freunde des Tempels sowie Famtfl'ienangehöriilge verstorbener Vorstandsmitglieder. In seiner getiankentiefen Rede fühnte Herr Rabbiner Dr. S. Funk aus, daß wohl zehn Jahre in der Geschichte eines Tempels so weniig eine Rolle spielen, wie in der Geschichte überhaupt, daß aber in diesem besonderen' Falle doch wohl zu unterscheiden sei, nachdem besonders die letzten 10 Jahre ihre außerordentliche Bedeutung des Tempels für das jüdische Leben manifestiert haben. Im Tempel war es nämlich, wo alle tief in die Existenz der einzelnen Juden einschneidenden Erlebnisse nach Leid und Freud ihren Ausdruck fanden. Im Tempel wurde von vielen Gott dem Allmächtigen gedankt für die Rückkehr der Söhne aus dem* Felde. Im Tempel wurde auch deren Verlust beklagt, wenn sie einem unabwendbaren Geschick zum Opfer fielen. In diesem Gotteshause dankten auch viele Flüchtlinge für den Schutz des Ewitgen, der sre durch alle Not sicher nach der Fremde geleitet hatte. Und so dürfe man denn mit erhebendem Gefühle und dankbaren Empfindungen auf idieses erste bedeutungsvolle Jahrzehnt zurückblicken. Rabbiner Dr. Funk gedachte sodann mit bewegten Worten der im Laufe der ersten Periode in Gott entschlafenen Vorstandsmitglieder des Tempelvereines, sowie deren große Verdienste um das Blühen und Gedeihen dieses Tempels und knüpfte daran die Hoffnung, daß die Ueberlebenden im Sinne! so ruhmvoller Vorbilder zum allgemeinen Wohle wirken werden. Hierauf stimmte der neue JAC. MAYER Kleider-, Pelzeu. Gummimäntel-Fabrik Zentrale: Detailverkauf: Wien II., Glockengasse 24 Wien II., Taborstraße 44