Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 17 (17.8.1923)
- Date
- 1923-08-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 DIE WAHRHEIT Nr, l? Kaiser und Päpste treten ... Ich verberge nicht, daß ich seit einer langen Reihe von Jahren keinen anderen Gedanken genährt habe, als die Zukunft dieses Werkes.14 (Arch. isr. 1861, 25, S. 600, 651.) Der Rückzug wäre also angetreten und er wird zu einer Niederlage werden, wenn auch die jetzt zitierte Stelle von berufener Seite in Augenschein genommen sein wird, was heute noch unmöglich ist. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben und damit in der Redaktion der „Reichspost", die doch anscheinend so großen Wert auf Gründlichkeit legt, nicht zu viel Kopfzerbrechen wegen des von Dr. Joseph S. Bloch angedeuteten Schlußwortes seiner Parlamentsrede entstehe, zitieren wir — wohlgemerkt: laut stenographischem Protokoll, wir sind eben auch gründlich — diese Stelle: „Meine Herren! Gestatten Sie mir, ein Wort zu wiederholen, das hier am Platze ist. Im alten Rom gab es das famose Institut der Delatoren, die es ebenfalls nicht immer genau, mit ihren Beschuldigungen nahmen, wenn es galt, ihre elenden Zwecke zu erreichen. (Unterbrechung seitens der Antisemiten.) Wurde aber einer erwischt und der Lüge überwiesen, so brannte man ihm zur Strafe und Warnung ein C (Calumniator: Verleumder) auf die Stirne. (Erneute lebhafte Unterbrechung seitens der Antisemiten.) Ich glaube, es wäre an der Zeit, angesichts der Vorgänge in unserem Parlamente eine ähnliche Bestimmung in unsere Geschäftsordnung einzufügen, damit derjenige, der dieses C an der Stirne trägt, nicht mehr so leicht den Menschen ein X für ein U vormachen kann." O. H. „Numerus Clausus" einst und jetzt. Von Josef Lazarus. (Fortsetzung) Entgegengesetzt zur deutschen Geistlichkeit benahim si'ch die englische den Juden gegenüber. Sie wünschte eine jüdische Niederlassung. Die Puritaner schwärmten für die Bibel imid wollten das Bibelvolk beherbergen. Durch die Strenggläubigkeit des klassischen Bübelvolkes wollten sie die Frömmigkeiittd'ereigenienGemeindeheben. Cromwells Feldkaplan Hugh Peters eiferte für die Schaffung eimer jüdischen Gemeinde. Der ersten Ausreise Engliisoh-Ostiindischen Gesellschaft (iim Jahre 1600 unter Sir James Lancaster) war ein sprachkundiger Jude beilgesellt. Sie landete am 25. Junii 1600 in Sumatra. Vor 300 Jahren bereits war ein jüdischer Rheder namens Paolo Melao (1628) in- Emden etabliert. Vor zweihundert Jahren betrieben jüdische Rheder die Schiffahrt zwischen Hamburg und G r ö n I a n d. Vor 100 Jahren betrieben die jüdischen Rheder Mayer und Simon düe Schiffahrt H a m b u r g— Londo n—N e w - Y o r k. Philipp-Ree betrieb die Schiffahrt H a m b u r g—A n t w e r p e n—A ms t e r d a m. Begründer des luxuriösen Pässagierverkehres auf dem Atlantischen Ozean war B a 1 i n. Aus solchem Rückblick über das Wirken unserer Vät er zu allen Zeitein und in allen Zonen ergibt sich der in romanischen und angelsächsischen Ländern schon oft erkannte und! noch öfter vergessene Satz, daß jüdische Abstammung — adelt. Es drängt sich die Frage auf: Warum gereichte es unseren Vätern zum Segen, als B e n j amin von Tudela die alte Welt umsegelte, und warum sprießt dter Antisemitismus iln unseren Tagen, nachdem der Jude B a 11 i n es jedermann ermöglichte, in einem luxuriösen Dampfer die Neue Welt zu besuchen? Warum die allgemein© Achtung vor den Juden, als Rabbi Jehoschuah Ben Hannania die Umlaufszdit aimes: Kometen berechnete, und warum der. aus Judenhaß gehegte Mordplan gegen Einstein, dem Entdecker des Relativitätsvenhäitnisses im Weltai? Schon diese Parallele zeigt, daß der Antisemitismus mit diem Gebaren , der Juden nichts zu tun hat, daß seine Ursachen ganz außerhalb des Judentums liegen: bald ist es, daß d'ie Aufmerksamkeit des Volkes abgelenkt werden muß von dem — was faul ist im Staate (wie zum Beispiel die Dreyfus- Hetze inszeniert wurde, um die Malversationen mit militärischen Geheimfonden zu verschleiern, die in Frankreich vorgefallen sind),25) bald ist es, um die Raubgier eines Ferdinand «nsach jüdischem Besitz zu befriedigen, bald ist es, um irgendwo einen Thron zu stürzen oder aufzurichten, d*aß kriegsmüde Volksmassen wild' gemacht werden müssen, um kampflustig zu werden. Im bayrischen Parlament wurde die Frage aufgeworfen, woher die zur militärischen Organisation des Antisemitismus benötigten Geldmittel fließen? Die klare Antwort hierauf ist der Antisemitenführer schuldig geblieben. Behufs Rückgabe der an das zaristische Rußland verliehenen Milliarden müßte ein Zarenthron wieder errichtet werden. Zu diesem Zwecke jedoch würden die kriegsrhüden Völker Mitteleuropas ebensowenig nach Rußland marschieren wollen, wie sie zur Zeit der Kreuzzüge nach Asien marschiert wären, sich den Speeren wilder Sarazenen auszusetzen., wienin man säe nicht durch Raublust, zur Mordlust (an unbewaffneten Juden) verwildert und sie von ausgeraubten zu noch nicht ausgeraubten Gegenden gegängelt hätte, bis sie vor dien Toren Jerusalems standen, wo sie schließlich von den Sarazenen besiegt wurden. Genau so könnten die heutilgen antisemitisch hypnotisierten Massen sich wundern, eines Tages vor Petersburg oder Moskau gebracht zu werden, zu Zwecken, die niemals der Inihialt ihrer Träume waren. Jede Gewaltpolitik endet m'it historisch bleibender Niederlage. Europa hat dile m/iit Judengeiiietzel eingeleiteten Kreuzzüge verlören. (Fortsetzung folgt) 20) Aeußerungen Kaiser Wilhelms an Theodor Herzl, „Neue Freie Presse", 3. März 1923, Seite 9. Die vorliegende Nummer erscheint anläßlich der Kenessioh Gedauloh um einige Tage vor dem regulären Termin; die nächste Ausgabe unseres Blattes kommt in der ersten Septemberwoche als Roschhaschonoh-Festnummer heraus.