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Die Wahrheit · 1923-08-17 · Heft 17 (17.8.1923) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 17 (17.8.1923)
Date
1923-08-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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HRH nöK Unabhängige Zeilsdiritt für jüdische Interessen Nif dem Beiblatt: Veröffentlichungen der ..Union deuisch£»sferrei<hischer Juden" Redaktion und Administration: Wien 11., Bl4eiHft4estffl*oatffte 13. - Fernruf 42-2-16 . XXXIX. Jahrgang Wien, 17. August 1923 Nummer 17 Der Kenessioh zum Gruße! „Boruch habbo beschem Haschern berachnuchem mibbes Haschern!" „Wiiikommen im Namen des Ewigen, Segen überEuch aus demHause des Ewig e n!" Diesen altjüdischen Festgruß entbieten wir den Teilnehmern der „Kenessioh haggedauloh", die zum großen Teil aus weiter Ferne, keine Opfer, keine Mühe scheuend, jetzt zu uns nach Wien gekommen sind „beschem Haschem", im Namen des Ewigen ein Werk zu Seiner Ehre und zum Wohle des „K e 1 a 1 J i s r o e 1" zu verrichten. Nicht um eine partielle Lösung der Judenfrage ist es der „Aguddah" zu tun, nicht um ein zeitgemäßes Experiment, nicht um einen Neubau auf wankenden, fragwürdigen Grundlagen, von außen gebotenen Voraussetzungen und politischen Konstellationen. Es gilt vielmehr, den Gesamtkörper des Judentums zu regenerieren, ihm die Funktionsfähigkeit eines lebenskräftigen Organismus wiederzugeben, Altes zu verjüngen, die Jugend zu bewußten stolzen Erben tausendjährigen und tausendfach bewährten heiligen Erbgutes zu erziehen und zu begeistern, — weiterzubauen, was unsere Altvordern in frommer Ergriffenheit und weiser Erleuchtung begonnen und unter schwersten Opfern an Gut und Blut bis heute fortgeführt haben, — vor den Gefahren der Gegenwart zu bewahren und in die Zukunft zu retten die Ideale unserer großen jüdischen Vergangenheit. „Menssanaincorpore san o", „Kein gesunder Leib ohne eine gesunde Seele". Das bestätigt das Judentum der Gegenwart in seiner unheilvollen Zersplitterung, in seinem Bruderzwist, seinem beschämenden kleinlichen Parteigetriebe. Es fehlt „die gesunde Seele". Und das war und bleibt unsere heilige Thauroh, die Religion der Väter. Sie hat sich in Kelal Jisroel den Leib geschaffen, sie hat ihn bis zur Stunde erhalten. Sie allein. Eine allumfassende Aguddah, ein einigendes Band, vereinte sie r ä u m 1 i c h alles, was mit dem „Schema Jisroel" m dem Einen Vater im Himmel sich bekannte als das Eine Volk. Sie hielt an heiliger Kette zeitlich zusammen das Geschlecht der Zukunft mit den Größen der Vergangenheit. Zwischen Ost und West schlägt sie noch heute allein die Brücke, die jüdische Herzen brüderlich verbindet. Ihrer Triebkraft dankt die Welt das Beste bleibenden Wertes, was sie an Fortschritten auf dem Wege zur Menschheit zu verzeichnen hat. Unser Blatt, das auf dem Boden des positiven religiösen Judentums steht, in der Aufklärung über seine ewigen Schätze, ihrer Verteidigung gegen Gefahren von außen und innen seine Aufgabe erblickt und der Hoffnung Nahrung geben will, daß ganz Jisroel sich wieder zusammenfinden wird unter dem alten siegreichen Panier der jüdischen Religion, —- die „Wahrheit" begrüßt deshalb in erster Linie die ehrwürdigenBannerträger des Judentums, die Herren Rabbiner und Thaurogelehrten, die jetzt bei uns zu Gaste weilen und denen die Aguddah von allem Anfange an in ihrem Kreise eine Stellung eingeräumt hat, durch die allein sie schon sich als berufenes Werkzeug zur Erhaltung und Förderung jüdischen Geistes und Lebens ausweist. Einmütigkeit unter diesen aus aller Herren Ländern versammelten Gedaulim und Sekenim kann und wird gewiß auf die Zustände in unserem eigenen Lager heilsam einwirken, wird aber auch der Umwelt den Achtung heischenden Anblick eines Judentums bieten, das in seinen entscheidenden Lebensfragen eine geschlossene Einheit zeigt. Insbesondere für unsere Wiener Judenheit erhoffen wir von dieser imposanten Kundgebung des religionstreuen Judentums einen ersprießlichen Eindruck. Wie in der Vergangenheit, so oft Not und Drangsal unseren Vätern das Leben zu verleiden drohten, sie immer wieder in der Religion und in ihr allein Zuflucht, Trost und Rettung gefunden haben, so zeigt sich jetzt in Budapest, auch schon in Berlin unter dem Druck der äußeren Lage eine Wendung des Kurses zur Verinnerlichung und Erneuerung des jüdischen Lebens in Haus und Gemeinde. Im Hinblick auf die schweren Kämpfe mit dem äußeren Feinde, die uns Wiener Juden bevorstehen, wäre nichts dringender zu wünschen, als daß auch bei uns das jüdisch-religiöse Moment wieder gebührend in den Vordergrund träte. Und dazu kann das, was die Kenessioh Gedauloh zu leisten verspricht, erheblich beitragen. Aber auch alles, was in Wien außerhalb des Judentums religiös empfindet, wird diese Veranstaltung sympathisch begrüßen. Wir verweisen auf den weiter unten veröffentlichten Brief des österreichischen Bundeskanzlers und den Ausspruch, den ein Mitglied des Hamburger Senates vor einiger Zeit als Vertreter seiner Körperschaft in einem jüdischen Bethaus getan hat: „Der wirtschaftliche Aufbau ist unmöglich ohne geistige Erneuerung. Und hierbei fällt eine Hauptrolle der Religion und darum auch dem Judentum zu." Die Aguddah will, wie sie auf ihrem ersten Kongreß in Kattowitz offiziell verlautbarte, „nicht ein Verein neben anderen Vereinen" sein, Sie will nicht Zerklüftung, sondern Zusammenschluß. So wünschen wir denn, daß auf diesem Wege die hiesige „Ke-

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