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Die Wahrheit · 1923-07-15 · Heft 14 (15.7.1923) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 14 (15.7.1923)
Date
1923-07-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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adk Unabhängige Zeifstiiriff für jnäis&e Interessen Pill flem &eif»laft; ¥erOiieni!iHaii§igen öer „Union aeeföcüosferrehMsiher Joden* .> Redaktion und Administration: WI®S5a II., Bl«slHB®»ÄÄ,«HÄie 13. - Fernruf 42-2-16 WBti XXXIX. Jahrgang Wien, 15. Juli 1923 Nummer 14 Die Juden in der Tschechoslowakei. Die Juden im allgemeinen haben bei ihren „WirtsVölkern" je nach dem Zweekmäßiigkeitsstaudpunkt bald .eine Schon-., bald eine Verfolgungszeit. Besonders deutlich tritt dies gelegentlich der Wahlperioden iin Erscheinung, wenn man sich der geehrten jüdischen Mitbürger als ausschlaggebendes Zünglein an der Wage bedienen will. Gegenwärtig hebt wieder ein heftiges Werben der Nationalen! um die Gunst der Juden in der Tschecho-SIowakei an. So ließ sich ein mit „Saint Just" zeichnender Autor im „Cesko Slovo" anfangs Juni zu diesem Gegenstande folgendermaßen vernehmen: „Im tschechischen! Volke gibt es keinen organischen Antisemitismus, im der Tschecho-SIowakei leben ungefähr 350.000 Juden uinid! es ist nicht gleichgültig welchen Standpunkt die Juden gegenüber, dem tschecho-slowakischen Staat einnehmen." Dann wird darüber geklagt, daß die Juden trotz aller Unbilden von deutecher Seite immer und überall „Germanophilen" bleilben. Es gibt fast keinen Juden, der nicht deutsch kann. „Ich bin überzeugt", sagt der Verfasser, „daß bei uns auch die patriotischesten tschechisch eri Juden deutsch denken; in camera caritatis reden sie sicher auch deutsch." Weiter heißt es: „Wir können ohne Uebertreibung behaupten, daß das Geschick unseres Staates im höchsten Grade vom Verhältnis Rußlands zu Deutschland abhängt. Deutschland kann an die Zerschlagung der vom Versaiier Frieden geschaffenen Formen nur mit Hilfe Rußlands denken. Im Falle einer kriegerischen Kooperation beider muß man auch bei deren endlichem Mißerfolg wenigstens mit einer vorübergehenden Niederwerfung unseres Staates rechnen, etwa so ähnlich, wie es im letzten Kriege Belgien, Serbien und Rumänien geschehen ist. Davor wird uns keine Allianz bewahren. Schon dieser „günstigste" Fall bedeutet unser vollständiges wirtschaftliches Verderben. Das ist der Hauptgrund der Notwendigkeit, daß unsere Politik absolut friedliebend ist." Dann wird nochmals betont, daß die Politik, die Rußland machen wird, für die Tschecho-SIowakei eine Lebensfrage ist, es wird festgestellt, daß im bolschewistischen Rußland die Juden die Führung innehaben, und wird behauptet, daß es die grundsätzliche Frage, welche definitiv über das Verhäütn'is des deutschen Europas zur Sowjetregierung entscheidet, ist, ob die Beziehungen zwischen den Bolschewiken und den Deutschen nur vorübergehend sind oder Rußland bewußt und folgerichtig mit Hilfe des in Rußland herrschenden Judentums in die absolute politische und wirtschaftliche Abhängigkeit von Deutschland gebracht wird. „Diese Möglichkeit", sagt der Verfasser, „scheint bei der notorischen Inklination der Juden zum Deutschtum nicht ausgeschlossen." „Auch wir", sagt Saint Just weiter, „die wir grundsätzliche Vertreter des Versail'ler Vertrages sind, mit dem die Existenz unseres Staates verknüpft ist, dürfen vor gewissen geradezu physikalischen Tatsachen nicht die Augen verschließen. Deutschland gleicht miit den 70 Millionen seiner sich gesund vermehrenden Bevölkerung einem' immer mehr überheizten Dampfkessel. Und da ist ihm selbstverständlich Rußland das nächste Objekt." Der Verfasser hält die wirtschaftliche Wiederaufnichtung Rußlands durch die Deutschen vom allgemein menschlichen Standpunkt zwar für kein Unglück, dagegen für ein Unglück einer politischen Durchdringung Rußlands durch die Deutschen. Er wünscht im Interesse der Beruhigung Europas, im Interesse der heutigen russischen Regierung und auch in dem des Judentums überhaupt, daß die Teilnahme der Juden an der russischen Regierung kleiner wäre. Schließlich sagt der Verfasser: „Ich glaube, daß die loyale Mitarbeit der Judien Europa und unserem Staate große Vorteile bringen kann. Die Juden der tschecho-slowakischen Republik sind auf Grund ihrer Intelligenz, ihrer Begabung, ihrer wirtschaftlichen Bedeutung und endich deshalb, weil sie seelisch unserem und dem europäischen Empfinden am nächsten stehen, berufen, die Führer des Judentums der ganzen Welt zu sein. Siehe, welch große und dankbare Aufgabe: der Kitt der Völker, der Schutz der Kultur zu sein! Wird sich bei uns ein solcher Führer der Juden finden?" Während „Cesko Slovo" dem Juden im tschechischen Staatsgebiet den Vorwurf der Germanophilie nicht ersparen kann, bemerken wir, daß sie von jedem national bewußten Deutschen als tschechenfreundlich abgelehnt werden. Allerdings vertreten jene Schriftleiter, die auf dem Standpunkt stehen, daß man Politik nicht mit dem Herzen, sondern mit dem Kopf machen müsse, die Ansicht, der Jude sei zwar der größere Feind, aber es empfehle sich doch, mit ihm gegen den anderen Feind fallweise Burgfrieden zu schließen. Wenn der Mohr seine Schuldigkeit getan hat, kann er jederzeit gegangen werden. Siehe die Wahlen in Oberschlesien. Daß der Jude als Kömlem zwischen den nationalen Mühlsteinen zerrieben wird, ist seine Bestimmung seit jeher. Dem Dilemma, in die eine oder die andere Laube gehen zu müssen, glaubten die Juden manchen Landes dadurch entrinnen zu können, daß sie sich eine eigene, die

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