Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1923-07-01 · Heft 13 (1.7.1923) · page 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 13 (1.7.1923)
Date
1923-07-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/3062972-3064121-3064134--12236-3079678
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite Jü DIE WAHRHEIT schewismus" erwiesen. In Ergängung dieser Schrift veröffentlicht nun Bulasch'ew folgende Untersuchung : Ueber die Ermordung der Zarenfamilie existiert in deutscher Sprache eine Broschüre von W. Ried e 1, undüber die „Tscheka" eine von R. N i 1 o stonski: „Der BLitrausch des Bolschewismus", beide in vielen Hunderttausenden Exemplaren verbreitet. Erstere schildert nach „russischen Dokumenten", ails hätte .der Verfasser dabei gestanden, wie die Juden den Zaren, seine Frau und1 seine unschuldigen Kinder erbarmungslos niedergeschossen, die Leichen geschändet und diann in eine Kohlengrube geschleudert und die Spuren mittels Feuerbramd vernichtet haben. Nilostonski, offenbar ein Deutsch- Russe, der in der Freiwilligenarmee des Generals Denikin gedient halben will, beschreibt aus eigener Anschauung, von zaMraehen Photographien unterstützt, die Scheußlichkeiten der „Tscheka", die alle Grausamkeiten der Inquisition* der Folterkammern der zarisch-russischen Gerichtsbarkeit übersteigen, und die sämtlich von den Juden, und, was noch schrecklicher ist, von Jüdinnen verübt wurden. Diese „jüdischen Weiber und Mädchen" spritzen sich Kokain ein, um sich für ihr blutiges Handwerk den nötigen Raiusch zu beschaffen . . . Den zahllosen Lesern dieser (beiden und vieler ähnlicher Broschüren brennen sich die Bilder ins Gedächtnis ein* und die Vorstellung Jude muß sich bei ihnen mit der Vorstelluinlg Sadist für die Dauer verknüpfen, aber auch mit idem Begriff Königsmörder. In einer ganzen Flut von Schriften wird nämlich „nachgewiesen", daß alle Morde an Zaren, Großfürsten und hohen Würdenträgern in Kußland in Wirklichkeit von Juden verübt wurden. Was den Sadismus anbetrifft, so ist er ja, wie Nilostonski so treffend bemerkt, schon: in den „Protokollen der Weisen von Zion" feierlichst zum Prinzip erhoben worden, da diese Weisen im neunten Protokoll beschlossen haben, im Bedarfsfälle von den Stollen der Untergrundbahnen aus, alle „gojischeri" Einwohner der Haujptstädte „mit den Staatsleitungen, Aemtern, Urkundensarnimlungen und die Niehtjuden mit ihrem Halb und Gut in die Luft zu sprengen!" Nilostonski bezeichnet das mit Recht, als einen Beweis für den „ekelhaften Sadismus" der Juden'!-- Andere sind gerecht und sagen: d a s .g i 11 n u r v o n den russischen oder O s t j uden, die uns e r e n si n d a n de r s. Ja, es gibt Autoren, die die Lehre verfechten, daß der ganze russische Revolutionismus, Nihilismus, Anarchisimus eigentlich eine Schöpfung russischer Juden seien. Der Divisionspfarrer F. Crane, jedenfalls ein Mann von geistiger und moralischer Bedeutung, versichert' in einer Schrift, deren 150. Tausend aus dem Jahre 1920 vor mir liegt, daß Herzen> und Bakunin russische Juden gewesen seien; er zitiert 'blutrünstige Aussprüche dieser beiden Autoren und beweist, daß das jetzige Regime dier Sowjetleute müt seiner Unterdrückung -der Religion und erbarmungslosen Bekämpfung der russischen Kirche: und Geistlichkeit our eine Vollstreckung der Urteile darstellt, welche Herzen, Bakunin und die anderen ru s s i s c h en revolutionären Juden vor mehr als einem halben Jahrhundert gesprochen halben. Die Vollstrecker icMeser Urteile, die Lenin, Trotzki, Sinowjew usw. seien ja ebenfalls lauter Juden! Der Freiherr von F r e y t a g h - L o r i n g h o v e n, Professor der osteuropäischen Geschichte an der Universität Breslau, versichert, der ganze Bolschewismus sei nur eine jüdische Geistesschöpfung, eine Fortsetzung der von Juden vertriebenen revolutionären Bewegumig, die schon zur Zeit Nikolaus I. eingesetzt habe; die Juden begingen dä einen Akt „schändlicher Undankbarkeit", diai gerade Zar Nikolaus I. ihnen die Pforten der russischen Bildung und sogar des russischen Heeresdienstes erschlossen habe. Aber Revolutionismus und grausamer Sadismus seien eben Merkmale der Juden, besonders der russischen! So bildet sich eine neue Legende um das Wesen der jüdischen Natur, eine Legende, die zu entwurzeln sehr schwer sein wird, wenn sie sich erst gehörig festgesetzt hat. In meiner Schrift „D1 e Nutznießer d e s B o 1 s c h e w i s im u s" habe ich einen Teil dieses ganzen Mythenkomplexes einer Analyse, unterzogen. Da die ersten zwei Aulflagen der Broschüre bald vergriffen waren, so beschloß ich, die dritte' Auflage auf eine umfassendere Basis zu stellen. Ich halbe im Verlauf der seither verflossenen zwei Jahre die a u t h e n t i s c h e u Quellen zur E n tstehungsgeschich t e und Zusammensetzung der Sowje t r e g ii e r u n g studiert und bin zu sehr merkwürdigen Ergebnissen gelangt. Es stellt sich nämlich heraus, daiß die theoretischen Urheber, also die „geistilgen Väter des russischen Revolutioniismus4', die deutschen Philosophen Hegel!, F e u e r b a c h, Büchner, Mol eschott, Vogt gewesen sind, daß alle russischen Revolutionäre, ohne Ausnahme, bei den genannten und anderen deutschen Denkern in die Schule gegangen sind, daß kein einziger von ihnen ein Jude war oder von Juden abstammte, sondern alle dem russischen Hochaidel oder der russischen Bureaukratie angehörten, oder, wie Netschajew und der Mörder Alexanders II., K i 1 b a s c h ü t z, Söhne von Popen waren. Von den bekannten Revolutionären jüdischer Abstammung übte Las alle gar keinen, M a r x erst geigen Ende des vorigen Jahrhunderts auf die Russen einigen Einfluß aus, aber in einem Sinne, der den Theorien des Anarchisten B a k u' n i m s und seines Schülers N e t s c 1? a j e w entgegengesetzt war, so daß enstierer schließlich mit Marx in heftigen Streit geriet und ihn einein Philister, Preußen und Juden schimpfte. Unter, den Verschwörern, idie die Mordattentate auf Mitglieder der Dynastie und andere hochstehende Personen ausführten, gab es, aber erst seit den achtziger Jahren, so viele Juden, da(ß zu» deren Aufzählung nicht einmal die Finger einer Hand gehören. Die Legende von den Juden, die Nikolaus II. und seine Familie ermordet hatten, erwies sich als gänzlich aus der Luft gegriffen. Dagegen waren die Deutschen, die doch in Rußland wahrlich nicht zu den sozial unterdrückten Völkerschaften gehören, und zwar Deutsche aus den höchsten baltischen Adelsfamilien, die hervorragende Stellungen in der Armee und der Diplomatie be-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.