Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 12 (15.6.1923)
- Date
- 1923-06-15
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12 Ditz W ahrheit ^eite 17 An die geehrten Mitglieder des Döblinger Tempelvereins! Wir beehren uns, hismit höfl. anzuzeigen, daß wir auf unsere, dank dem geschätzten Vertrauen der p. t. Wähler bisher innegehabten und nach bestem Wissen und Gewissen stets ausgeübten Vorstands» mandate verzichtet und in einer Kollektivnote an den verbliebenen Vorstand unsere Demission notifiziert haben. Grund und Veranlassung zu diesem — in Anbetracht der heiligen Sache, der wir gerne dienten, — schwerstempfundenen Schritte war für uns die tief bedauerliche Tatsache, daß seit geraumer Zeit Mitglieder des Vorstandes es mit der Würde eines Vorstehers vereinbarlich fanden, in den sachlichen Beratungen des Vorstandsplenums Töne anzuschlagen, die das bisherige Niveau des Vorstandes herabdrückten und uns dadurch innerlich vom Vorstande längst loslösten. Verschiedentliche Vorstöße von gewisser Seite verdichteten sich zum schweren Verdacht, daß es einer verschwindenden Minorität von Mitgliedern im Vorstande darum zu tun war, die in bewährten Händen seit Jahren gelegene Führung an sich zu reißen. Dieser Verdacht wurde zur Gewißheit, als Zwiespalt und Zwietracht das offene Losungswort dieser kleinen Gruppe wurde! Unser wohlwollend ernster Mahnruf zu ruhiger, sachgemäßer Mitarbeit verhallte ungehört, unsere ehrlich dargebotene Friedenshand wurde mit unglaublicher Ueberhebung geradezu frevelnd zurückgewiesen! Mit Schrecken und Sorge mußten wir wahrnehmen, daß durch die fortwährenden Vorstöße einiger Vorstandsmitglieder der Fluch des Propheten Jesaias: „Deine Zerstörer und Niederreißer werden aus Deiner eigenen Mitte hervorgehen“ “jttlö ^pä'Hnöl "pDiriü an unserem eigenen Vereinskörper zur traurigen Wahrheit wurde; nacli dem gewaltsam zerstörenden Willen dieser Wenigen sollten verdienstvollste Vorstandsmitglieder weichen, und sie sind gewichen! — Jedem Einzelnen der Unterzeichneten kam das Wort unserer Heiligen Schrift ’H'Dw “nn 7R D^npü oft und oft zum lebendigen Bewußtsein, wir demissionierten, in der sicheren Annahme,daß der verbliebene Vorstand sich moralisch verpflichtet fühlen werde, den gewiß außergewöhnlichen Fall eines Exodus von 11 Mitgliedern einer unverzüglich einzuberufenden außerordentlichen Generalversammlung vorzulegen. Aber auch in dieser berechtigten Erwartung wurden wir arg getäuscht. Der verbliebene Rumpfvorstand hat sich „neu“ konstituiert, die Mandate „unter sich“ verteilt und beabsichtigt, wie es heißt, durch sogenannte „Kooptierungen“ sich „zu ergänzen“ und ein fait accompli zu schaffen. Durch diese „Maßnahmen“ ist uns die Möglichkeit benommen, vor das einzig kompetente Forum, vor die souveräne Generalversammlung in absehbarer Zeit hin zu treten, um Rechenschaft zu geben, und die Gründe unserer Demission detailliert darzulegen. Das sonderbare Vorgehen des verbliebenen Vorstandes zwingt uns daher zur Flucht in die 0 Öffentlichkeit! Wir bitten die sehr geehrten Mitglieder des Döblinger Tempelvereins auf diesem Wege unsern besten Dank für das uns bekundete Vertrauen gütigst entgegennehmen zu wollen und legen hiemit die erhaltenen Mandate in die Hände unserer sehr geschätzten Wähler respektvoll zurück. Wir schließen mit den Worten des Psalmisten DrülT THUJ? *7^1TT pT und zeichnen in vorzüglicher Hochachtung Eduard Rechnitzer m. p., gew. Obmann Dr. Friedrich Großer m. p., gew. Vorstandsmitglied Dr. Bruno Werner m. p., „ Erster Tempelvorsteher Jacob Grünwald m. p., „ Ludwig Tausky m. p., „ T empelvorsteher-Stellv. Hermann König m. p., , David Mannheimer m. p., , Hausverwalter Emanuel Kohn m. p., „ Isidor Löwenbein m. p., „ Kontrollor Michael Tauber m. p., „ Wien, im Juni 1923. Arthur Weihs m. p., „ - <Nacfidrudi wird nicht honoriert.) Verein „Einheit". Am 24. v. M. fand im Turnsaale der „Talmud Thora" die elfte ordentliche Generalversainmlung des im Titel genannten Vereines statt. Der Vorsitzende, Herr Bernhard Hofbauer, konnte als Präsident der „Einheit", dessen Vorstand vollzählig erschienen war, die anwesenden Gäste und Mitglieder begrüßen und um halb 8 Uhr die ordnungsmäßig einberufene Generalversammlung eröffnen. Als Gäste waren gekommen die Damen Dr. Grunwald und Dr. Stein für die „Weibliche Fürsorge", Frau Josefine C z u e z k a und Frau Olga F r i e d m a n n iür den Frauenverein des 2. Bezirkes, Herr Obermedizinalrat Dr. S. Krüger für das „Elisabethheim", die Herren Samuel Glückselig und Josef Dohan für die „Chewra-Kadischa" und Vertreter von Tempelvereinen. — Nachdem der Schriftführer Direktor Dr. Krenberger das Protokoll der zehnten ordentlichen Generalversammlung verlesen hatte und es genehmigt worden war, wurde der gedruckt vorliegende Rechenschaftsbericht über das Verwaltungsiahr 1922 verlesen und in einzelnen Punkten erläutert. Der Redner führte u. a. aus: „Noch bedarf es großer Sparsamkeit, um die notwendigsten und wertvollsten Aufgaben mit Befriedigung erfüllen zu können. Solche Aufgaben erfüllt unser Verein dadurch, daß er armen Hungrigen rituelle Kost billigst, ausreichendst und schmackhaft gibt und auch Mittellose unentgeltlich speist. Freilich arbeiteten wir heuer unter so schwierigen Verhältnissen, wie sie vorher nie bestanden haben. Oft und oft standen wir vor der Schicksalsfrage der „Einheit". Sein oder Nichtsein war oft Gegenstand unserer Ueberlegung; in der Ziffer des Küchengebarungsabganges von K' 76,289.887.— spiegeln sich diese Verhältnisse. ES siegte aber das Vertrauen zum Allvater und damit bekamen unsere Zuversicht und unsere Energie die Oberhand. Das entflammte unsere Herzen und reinigte uns von Zweifeln und Bedenken. Wir gingen wieder zu guten Menschen und fanden wieder Freunde und Gönner und trafen organisatorische Aenderungen, durch die wir wieder die „Einheit" Herstellen zu können hoffen. Unser LebenSmittelvorrat hat am 31. Dezember 1922, am Tage, da wir diesen Rechenschaftsbericht abschließeu, einen Wert von 15.717.000.—. Somit ist unser Bermögensabgang per 31. Dezember 1922, K 3,333,546.—. Das ist sicher kein großer Betrag. Sein Sinn ist: Ausharren und Weiterschreiten für den Vorstand, für unsere Freunde und Gönner aber Mahnruf und Bitte zur Hilfe und Unterstützung. Daran schloß sich eine Wechselrede, in der vor allem durch Herrn Ingenieur Ludwig Kritzler die Niedrigkeit der eingegangenen Mitgliedsbeiträge getadelt wurde und Herr Retter meinte, daß denselben erhöhte Aufmerksamkeit zugewendet werden soll. Die Herren Max und Bernhard Hofbauer erklärten, daß die Ansetzung des Jahresbeitrages von K 300.— im März 1922 infolge der darauf folgenden Geldentwertung selbstverständlich für die Einnahmen des