Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 12 (15.6.1923)
- Date
- 1923-06-15
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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tenoralen Höhe, bei einer meisterhaft ausgebildeten Atemtechnik und seelenvoller Empfindung. Cernowsky's Ansatz ist rund und weich und der Ton voll Schmelz. Die bei dem Konzerte mitwirkende Opernsängerin Frau Z i t (vom Nationaltheater) besitzt schöne Stimmittel und singt mit gutem Verständnis. Der Klavierpart lag in den Händen des genialen Herrn Prof. Langer, der mit musikalischer Feinfühligkeit sich den Sängern anpaßte. A. W—tsch-. Das neue Europa (Zürich, Berlin, Wien). Diese klug geleitete Zeitschrift, offen allen Fragen der Politik und der Kultur, ist in gewissem Sinne der Herzschlag des erneuerten unter schweren Kämpfen nach Klärung ringenden Europas. Ihr Leiter, Dr. Paul Cohn, erwirbt sich mit jedem neuen Heft Sympathien. Er leistet mit dieser, von den namhaftesten Gelehrten, Oekonomen, Soziologen und Literaten unterstützten Revue wirkliche Arbeit des Menschheitfortschrittes. Immer sind diese Hefte für Versöhnung und Verständigung eingetreten und es ist erfreulich, eine Zeitschrift begrüßen zu können, die tatsächlich eine Mission erfüllt. Bestellungen an Zeitungsverlag H. Goldschmiedt, Wien, I. Wollzeile 11. „UnfjöÜJ" Am 15. Juni 1923 erscheint in Wien die erste Nummer der Monatsschrift „Unhoib". Die Zeitschrift erscheint in jiddischer Sprache und lateinischer Schrift. Sie wird der Kunst, Literatur und den jüdischen Interessen gewidmet sein. Abonnementspreis jährlich 12.000 K; halbjährig 6000 K. Redaktion und Administration: Wien, III. Keilgasse 15, 5. Lorenz von Stern. Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich. Herausgegeben von Dr. Gottfried Salomon. Drei Maskenverlag, München 1921. Lorenz von Stein, einst einer der glänzendsten Lehrer der Wiener juristischen Fakultät und ein überaus fruchtbarer Schriftsteller auf dem' weiten Gebiet der Staats- und Wirtschaftswissenschaften, ist nach seinem Tode, von dem uns nun schon beinahe ein Menschenalter trennt, merkwürdig rasch in Vergessenheit geraten. Es ist wohl nicht zufällig, daß heute gerade der Teil des literarischen Wirkens Lorenz von Steins, der einst seinen guten Ruf begründete, nämlich seine Tätigkeit als Historiker, steigender Beachtung sich erfreut. Nun liegt Steins chjstoriographische Hauptarbeit seine „Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich von 1789 bis auf den heutigen Tage" in! Neudruck vor. Für ihn sind, wie für Marx, Gedanken St. Simons maßgebend gewesen, der aus den rasenden Wechsel der Verfassungen und politische Formen in Frankreich folgerte, daß keineswegs in ihnen, sondern in der sozialen Struktur des Volkes der Kern historischen Geschehens zu suchen sei. Alle Vertreter dieser Lehre erbringen einen Beweis für ihre Ansicht dadurch, daß sie den sozialen Prozeß aus seinen individuellen, politischen Voraussetzungen herauslösen, als zeitlosen Naturprozeß von notwendigem Ablauf betrachten, vor allem die auswärtige Politik völlig außer Acht lassen. Es ist begreiflich, daß solche Anschauungen — mochten sie and) so geistvoll wie von Lorenz Stein vorgetragen werden — unter den deutschen Geschichtsschreibern, die gerade damals als politische Führer der Nation im Kmnpf um die Einigung sich gebärdeten, nur wenig Anklang fanden. Unbeachtet sind allerdings in der historischen Schule der Nationalökonomie Steins Lehren, die er später als „Gesellschaftswissenschaft" noch mehrfach entwickelt hat, nicht geblieben. Hier lebtenauch seine praktischen Ideen, sein Ruf -rach einem -„sozialen Königtum" im Kathedersozialismus wieder auf. Vielleicht ist die Geschichte dieses Lösungsversuches der sozialen Frage auch die stärkste Kritik an Stein. O. 1^ Der gesegnete Kardinal. Anläßlich seiner diesjährigen Firmungsreise kam der Wiener Erzbischof Kardinal Dr. Piffl am 7. Mai nach Oberhollabrunn. Bei dem offiziellen Empfang erschien auch. in Vertretung der bortigen israelitischen Kultusgemeinde der Herr Religionslehrer und Kantor Siegmund Jellinek, der zur Begrüßung des Kirchenfürsten sagte: „Es wurde mir die hohe Mission zuteil, Euer Eminenz im Namen der israelitischen Kultusgemeinde und meiner Wenigkeit als Seelsorger derselben mit den Worten des Psalmisten zu begrüßen: „Boruch habo beschem adonai“ — (Gepriesen der da gekommen im Namen des Herrn). Und indem ich mich dieserhohen Aufgabe in aller Ehrfurcht entledige, so will ich mit Erlaubnis Eurer Eminenz im Zeichen und im Sinne unseres hohen Priesters den von ihm dreifach gesprochenen Segen bedeckten Hauptes über das geweihte Haupt Euer Eminenz sprechen." Nachdem Herr Religionslehrer Jellinek den Segen der Kohanim gesprochen, fuhr er fort: „Es segne Dich der Herr und behüte Dich! Der Allmächtige lasses Dir das göttlich strahlende Antlitz leuchten und sei Dir gnädig! Der Allgütige wende Dir sein Antlitz zu, er verleihe Dir den Frieden! Friede Gottes möge Sie, Herr Kardinal, auf allen Ihren Wegen, und bei allen Ihren Handlungen als wahren hohen Priester der Liebe und Eintracht geleiten und begleiten! Dies walte der Herr, der über den «Sternen thronet! Amen!" Hierauf der Kardinal: „Ich danke Ihnen Herr Rabbiner für den ehrfurchtsvollen Empfang, den Sie mir bereitet haben. Ich sehe, daß in der Aufrichtigkeit Ihrer Worte die wahre Religion hervorleuchtet. Ich hatte Gelegenheit im Burgenlande mit Ihren Amtskollegen Fühlung zu nehmen, welche gleich Ihnen Ihre Gefühle für den Würdenträger einer Friedensbotschaft zum Ausdruck gebracht." Es war ein erhebendes Moment, als der Kardinal, umgeben von der Klerisei und Vertretern der weltlichen Behörden, geneigten Hauptes den Segen des würdigen israelitischen Seelsorgers empfing. Vom Döblinger Tempelverein erhalten wir die Verständigung, daß sich dessen Leitung in nachstehender Weise konstituiert hat: Obmann Philipp Kohn, Obmannstellvertreter Gustav O e st e r e i ch e r, Tempelvorsteher Jakob Weigl, Schriftführer Dr. Jakob Kohn und Kassier Wilhelm Löwy. Zum Ehrentempelvorsteher auf Lebensdauer ist einstimmig Herr Max Beck ernannt worden. Kooperation „Woja" und Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis. In Würdigung dergroßen wirtschaftlichen Krise, die durch den Staatsbeamtenabbau ' hervorgerufen wurde, hat die „Woja^ (Wirtschaftliche Organisation jüdischer Angestellter) eine Kooperation mit dem Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis durchgeführt und ein Kuratorium eingefetzt, an dessen Spitze die Herren Rabbiner Dr. M. R o f e n m a n n und Leopold S r tz m a n n stehen. Aufgabe des Kuratoriums für unentgeltlichen Arbeitsnachweis wird die Erfassung jeglicher Arbeitsgelegenheit sowohl iin Jnlande als auch im Auslände, hauptsächlich im Neuauslande sein und hat das vom Kuratorium eingesetzte Exekutivkomitee seine Arbeiten bereits begonnen. Des ferneren hat das Kuratorium beschlossen, den Arbeitsnachweis für geistige Berufe auszugestalten, um der großen Masse der abgebauten Angehörigen dieser Berufe Arbcitsmöglichkeit zu verschaffen. Der Sitz des Exekutivkomitees für unentgeltlichen Arbeitsnachweis befindet sich 1i. Taborstraße 59, Telephon 40.316. Chewra Kadischa Wien I. In der am 14. Mai 1923 stattgefundenen-Vorstandssitzung wurde Herr Leopold Otto einhellig zum Vizepräsidenten gewählt,--