Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 11 (30.5.1923)
- Date
- 1923-05-30
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 16 Die Wahrheit Nr. 11 Vermischtes WWWW Die jüdische Wanderung durch Deutschland und der Hilfsverein. Am 6. d. fand in Berlin die Mitgliederversammlung des Hilfsvereines der deutschen Juden statt. Dem Berichte über die Tätigkeit des Vereines im vergangenen Jahre ist zu entnehmen: Wie seit der Begründung war auch im Jahre 1922 ein Hauptfeld der Arbeit die Fürsorge für die Auswanderer, sowohl für die Einzelreisenden als auch für diejenigen, die in geschlossenen Transporten von den großen Schiffahrtslinien vom' Osten her durch Deutschland bis zum Einschiffungshafen geführt werden. Den Auswanderern wird durch den Bahnhofsdienst des Hilfsvereines in Stentsch, Osnabrück, Bentheim, Berlin und die Lokalkomitees in Hamburg und Bremen die verlangte Hilfe zuteil. Ferner vermittelt der Hilfsverein den Verkehr der nach Südamerika eingewanderten Inden mit ihren Verwandten in Rußland, soweit es sich um Geldüberweisungen, Dokumentensendungen und Informationen handelt. Die im Herbst vorigen Jahres nach D e u t s ch l a nd überführten ukrainischen Waisenkinder, deren Eltern in den Pogromen erschlagen wurden, sind in Australien zur Erziehung untergebracht und entwickeln sich erfreulich. Das größte Krankenhaus der Welt. „Erez Jisrael" (die neue Jerusalems Morgenzeitung) schreibt: Vor einigen Wochen wurde im Osten Newyorks der Grundstein zum Neubau eines jüdischen Krankenhauses gelegt. Das Krankenhaus wird das größte und höchste Gebäude seiner Art auf der ganzen Erdkugel sein, denn es wird siebzehn Stockwerke haben. Ursprünglich wurde es — im Jahre 1890 — aus den Mitteln jüdischer Einwanderer erbaut; jetzt wird es vergrößert ünd neu ausgestattet. Das Krankenhaus wird die modernsten ärztlichen Einrichtungen haben und das Möglichste zur Erleichterung der Kranken beitragen. Für jeden Kranken gibt es' ein Zimmer, dessen Fenster in den Garten führen. Beim! Krankenhause wird eine nwderne Klinik errichtet; chre Führung werden bedeutende Spezialärzte übernehmen. An der Klinik werden auch Vorträge, Vorlesungen und Experimente für studierende Aerzte veranstaltet. Im Kranken!) ause wird eine Abteilung für Bestrahlungskurse errichtet, weiters eine Abteilung für Krebskranke, eine Synagoge usw>. Im werden alle Kranken des Stadtteiles behandelt. Die Kosten werden etwa 3 Millionen Dollars betragen. Unser Wiener Jüdisches Museum. Auf den Straßen und Plätzen Wiens begegnen wir oft großen 'Schüler-Klassen beiderlei Geschlechtes, die aus eigener Anschauung das' lernen sollen, was sie im Schulzimmer und aus den Büchern theoretisch lernen. Unser Religionsunterricht kann auch durch die Anschauung belebt werden und seit dem Bestände des Jüdischen Museums führen Pädagogen ihre Schüler und Schülerinnen in.s „Jüdische Museum" wo sie sehr vieles lernen können. Der Besuch dieser Sammlungen bietet viel des Anregenden und-kann nicht genug warm empfohlen werden. Fremde Gelehrte verabsäumen es nicht unser im neuen Talmud-Thora-Gebäude, II. Malzgasse 16 befindliches Museum aufzusuchen. Besuchzeiten am Sonntag und Samstag 11 — 1. M. A. Jubiläumsfeier. Am 6. d. M. wurde in feierlicher Weise der 30 jährige Bestand der Jsr. Theol. Lehranstalt!m Wien! gefeiert. Der greise Rektor, Herr Prof. Dr. A. Schwarz, der seit Gründung der Anstalt an ihrer Spitze steht, und Oberrabbiner Dr. 5). P. Ch aj e s hielten Reden, in denen sie die Bedeutung des Tages für sdie Wissenschaft des Judentums feierten. Frau Dr. Kohut, die anläßlich der Welt-Frauenkonferenz in Wien weilte, begrüßte die Versammlung in englischer Sprache, worauf ein Zögling der Anstalt mit einem Preise aus der Kohut-Stiftung beteilt wurde. / Jubiläum. Am 10. Mai d. I. beging die Israel. Kinderbewahranstalt m Wien, 1l. Schifsamtsgasse 15, die Feier ihres 80jährigen Bestandes. Sie wurde von Josef W e r t h e i m e r, dem hervorragenden Philanthropen, der schon im Jahre 1830 im Verein mir dem Pfarrer Johann L i n d n e r die erste Kinderbewahranstalt nach englischem Muster auf dem Rennweg ins Leben gerufen hatte, im Jahre 1843 für unsere Glaubensgenossen gegründet. Die Feier fand in den festlich geschmückten Räumen in Anwesenheit von 130 Anstaltszöglingen -und eines zahlreichen Publikums statt, unter dem wir nennen: den Bundespräsidenten Michael Hainisch und dessen Mutter Frau Marianne H a i n i s ch, Obermagistratsrat Dr. Hornel als Vertreter des städtischen Jugendamtes, den Präsidenten der Kultusgemeinde Prof. Dr. Pick, die Herren Kultusvorsteher Julius Berger und Isidor Schwarz, Sekretäv Dr. Emil A d l e r, Bethauspräsident Anton B e ck, Rabbiner Dr. Ch a j e s, Polizeibezirksleiter Hofrat Dr. H a m a ch, Hofrat Dr. Frankfurter, Hofrat T a u ß i g, Bezirksvorsteher B e r d i c z o w e r, Physikatsrar Dr. S o u c z e k, Prof. Dr. Z a p p e r t, Dozent Dr. I. Fische r, die Herren Rudolf Paul Schiff, Richard P e t s ch e k, Dr. L ö b l, Dr. Wolfgang Pollaczek, Dir. Dr. K r e n b e r g e r. Dir. Kühner, Prof. A n t s ch e r l. Für-- sorgerat Gustav Planer, Ortsschulrat Löwy, Notar Dr. B e r m a n n, Bankdirektor Groß, die Kommerzialräte Arnold R o s e n t h a l, S. Rosenzwerg, Karl und Julius Schütz, die Damen Dir. U l m a n n, Dr. G r u n w a l d, Josefine Paul- Schiff, Prof. I a t s ch, Dr. G u n e s ch, zahlreiche Funktionäre von Vereinen^. a. Die Gäste! wurden von dem Anftaltsvorstande unter Führung der Präsidentin Frau Charlotte Königs- Wärter und der Herren Dr. Philipp G o m p e r z und Gemeinderar Dr. Schwarz-Hilrer empfangen. Nach Eröffnung der Festversammlung durch Herrn Dr. G o m p e r z und einem von Herrn Dir. Max Fischer erstatteten Festberichte trugen gegenwärtige und frühere Anstaltszöglinge,'sowie eine ehemalige Schülerin des mit der Anstalt durch 49 Jahre verbundenen Bildungskurses für Kindergärtnerinnen Festgedichte . vor, worauf der jubilierende Verein durch den Bundespräsidenten H a i n r s ch, den Präsidenten der israel. Kultusgemeinde Prof. Dr. P x ck, Ober-Rabbiner Dr. Ch a \ e § und Frau Oberlehrer M a n d i begrüßt wurde. Gemeinderat Dr., Schwarz-Hiller schloß die Feier mit einenr dringenden Appell an die Glaubensgenossen, den Fortbestand der alten, in schwerer Notlage befindlichen Anstalt zu sichern. Nach Schluß des offiziellen Teiles führten die Anstaltszöglinge, geleitet von der Kindergärtnerin Frl. Anny Beck, Reigen aui, die lebhaftesten Anklang fanden. Der Verein zur Ausspeisung armer israel. Schulkinder für die Bezirke Ottakringg und Hernals, der auf eine 24 jährige segensreiche Tätigkeit zurückblickt, hielt am 22. April im eigenen Vereinsheim in der Wurlitzergasse seine ordentliche Generalversammlung ab. Der würdige Verlauf der sehr zahlreich besuchten Versammlung, dev vom Obmann dev Ausspeisung Herrn Emanuer Donath sehr eingehend erstattete Bericht über den Umfang der Ausspeisungsaktion im abgelaufenen Geschäftsjahre lieferte ein beredtes Zeugnis für das segensreiche Wirken dieses Vereines, welches den Aermsten der Armen, den hungernden Schulkindern zu Gute kommt. Der Obmann des Vereines Direktor Benno Kahane begrüßte in seiner Eröffnungsrede die erschienenen Mitglieder, insbesondere die Vertreter charitativer Vereine des Bezirkes, so den Obmann des Tempelvereines Herrn Weiler, den Obmann der Bezirkskommissimr Herrn Sitz mann, den Obmann des Vereines „Greisenschutz" Herrn Becker, die Vorstandsmitglieder der „Kinderfreunde" die Herren Urbach und D r u b, die Delegierten der „Kameradschaft" die Herren Ungar und Mandelbaum, sowie den Vertreter der „Chewra Kadischah Ottakring" Herrn R e i b l. Aus dem sehr sachlichen Tätigkeitsbericht des Herrn Donath über die Ausspeisung entnahmen die Mitglieder, daß die Kosten der Ausspeisung — ungefähr achzig Schulkinder erhielten täglich im Vereinslokale ein sehr reichliches und schmackhaft zubereitetes Mittagessen — im abgelaufenen Jahre dreiunddreißig Millionen Kronen betrugen; in welchen Betrag die in großer