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Die Wahrheit · 1923-04-27 · Heft 9 (27.4.1923) · page 16

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 9 (27.4.1923)
Date
1923-04-27
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Seüe 16 iSÖie Wahrheit Nr. d Fünfzig Iah« Rothschild Spital. Genau einen Monat vor dem wirtschftlicheu Debatte in Oesterreich, den großen Krach 1833, wurde das von Anselm Freiherrn von Rothschild zum Gedächtnis an dessen verstorbenen Vater Salrmon von Rothschild errichtete Spital am WMringer Gürtel seiner segensreichen Bestimmung übergeben. Ein halbes Jahrhundert ist seitdem verstrichen, die Anstalt von der israelitischen Kulturgemeinde übernommen worden, aber im Volksmund kennt man sie nur als das Rotschildspitil, an welchen Namen sich die dankbare Verehrung der ungezählten Tausende knüpft, die in diesem musterhaft geleiteten Krankenhause Aufnahme, Heilung und Linderung schwerer Leiden fanden. In Erinnerung an die Eröffnung fand am 19. d. M. eine erhebende Gedächtnisfeier statt, zu welcher der Gesamtvorstand unter Führung des Präsidenten Prof. Dr. Pick, Herr Oberrabbiuer Dr. H. ChajeS und der Rabbiner des Bezirkes Dr. D. Feuch twaug, zahlreiche Vertreter von Behörden und Korporationen, die Famüie Rothschild, sowie eine große Anzahl illustrer Gaste sich eiufanden. Prof. Dr. A. Pick begrüßte die Festgäste und betoute, daß die heutige Gedächtnisfeier den Intentionen des Stifter? gemäß so wie vor fünfzig Jahren die Eröffnungsfeier ganz im bescheidenen Rahmen stattfiude. Kultusvvrsteher Baurat Kempler skizzierte in überaus intereffanter Weise die Geschichte des Wiener Judentums zusammenfallt. Besonders Hab er die Unterstützung hervor, welche die Anstalt durch daS American Joint Distribution Commitee gefuuden und die reichlichen Zuwendungen an Verbandzeug, Medikamenten und sonstigen Heilbchelfen, die ihm durch die Hilfsaktionen deS internationalen „Roten Kreuz es"und durch die eigene/Munifizenz und die persönlichen Bemühungen der Frau Clariffr Rothschild zukameu. Ansehnliche Mengen von Lebensmitteln wurden den: Spital geschenksweise vom „S ani erungSkomitee" und zu sehr ermäßigten . Preisen von der „American Relief Administrastion" wie* vom „Argentinischen Hilfswerk" beigestellt. Er sprach vom Werdegang und segensreichen Wirken deS Institutes und daß nicht nur der Gründer, sondern auch desieu Nachkommen stets zu seinen warmen Förderern zählten. So habe das Hau? Rochschild zum gegenwärtigen Jubiläum den Betrag von 50 Millionen gewidmet. ES bestcht der Plan, da? Spital zu Studienzwecken der an ihrer Arbeit durch den Numerus clausus gehinderten jüdischen Mediziner zu benützal. Direktor Dr. Fleischmann erinnert an das Wirke« der in dem Spital wirkenden Gelehrten wie Prof. Dr. Leopold Os er und des Urologen Dr. Otto Zuckerkand! und anderer, die dem Institut einen Weltruf erworben haben. Dar Spital, das während deS Krieges Unschätzbares leistete, mnß heute mit großen Schwierigkeiten kämpfen, doch habe der Vorstand der Kultusgemeinde einen Plan auSgearbeitet, der die finanziellen Widerwärtigkeiten aus der Welt schaffen soll. Im Namen deS Volksgesundheitamtes dankte Sektionsrat Dr. Banmgarten der Leitung des Spitals und der Kultusgemeinde für die Erhaltung dieser mustergültigen Anstalt. Nach der Begrüßung seitens des Vorstehers der Bezirksvertretung Währing, schloß die Feier mit der Besichtigung des Spitals. Einweihung dev große» Kandelaber im Großem Leopoldftadttr Tempel. In Fortsetzung der Arbeiten des nach dem Brande des Leopoldsiädter Gemeindetempels ins Leben gerufenen Aktion? kimiteeS für den Wiederaufbau des Tempels hat der vor Jahresfrist gegründete „Verein der Freunde de< großen Leopoldstädter Tempels" eine Reihe wertvoller nnd unentbehrlicher Anschaffungen für dieses Gotteshaus aus seinen Mitteln bestritten und neuerdings an Stelle der durch den Brand zerstörten beiden Kandelaber vor der BnadeSlade zwei Leuchter gestiftet, die als ein hervorragendes Kunstwerk angeftnoche» werden dürfen. Zur feierlichen Uebcrgabe dieser kostbaren Widmung an die Knltnsgemeinde fanden sich Freitag, den 13. d., vor Beginn deS Abendgottesdienstes im Tempel ein der Präsident der KnttuSgemeinde Prof. Dr. A. P i ck und die Kultusvorsteher JnLnS Berger, Davü» Doha« und JfLor Schwarz, von BrthauSvorstand der Bizeoümann Dr. Münz, sowie die Vorsteher Siegmnnd E r n st. Dir. Julius Haber, Dir. Wfred Landesberger, Dir. A. Löfkov icz, Gustav Planer, Spitzmannu und Winter. « t« den Erschienenen bemerkt man zahlreiche Vorsteher jüdischer U Vereine, vor allem den Erstand dcs Vereines der Tempelsreunde, -re .Herren L. Berger, A. Grünhut, L. Hirschfrkd, K. Kalma«, Th. KrieShaber, S. Meisters R. ReiSner, C. Schnitzer, I. Schönherz und S. Wechsler und viele der Mitglieder deS Vereines. Nach einem vom Kantor und Chor vorgetragenen Matauwn richtete der au der Spitze d«S Vorstände? der Tempelfreunde stehende Obmann Herr Dr. Eduard LHaler an de» Herrn Präsidenten Prof. Dr. Alois Pick sowie an Herrn Mü»z eine Ansprache, in der er den Herren, sowie den anwesenden VereinSvorständen für ihr Erscheinen dantte, und insbesondere der Verdienste , deS Kassiers des Tempelvereines, Herrn O. O b l a t t, um die Herstellung der kostbaren Kandelaber gedachte, der, von einem erhemich Beitrag zu den Herstellungskosten abgesehen, mit Sachkenntnis und Sorgfalt dir Ausführung der Arbeit überwacht hatte. Herr Präsident Dr. Pick nahm die Widmung in das Eigentum der Gemeinde mit Worten der Anerkennung für den rührigen Eifer, den die Tempelfteunde für die Ausgestaltung deS Gotteshauses an den Tag legen. Herr Dr. Münz dankte im Namen des BethausvorstandeS, der die Arbeite« des Vereines mit freudiger Genugtuung begleite. Ein Hallelnjah beschloß den eindrucksollen Akt der Uebrrgabe der Kandelaber, deren Anblick daS dicht gedrängte Auditorium sichtlich in Bewunderung und Entzückung versetzte nnd. für deren sachgemäße Aufstellung besonderer Dank Herrn Ing. EiSler gebührh der auch selbstlos die bis dahin provisorisch benützten Leuchter hergcliehen hatte. Im Rahmen deS anschließenden Gottesdienstes hielt Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald die Frstrede, der wir die folgenden Satze entnehmen; „Die HimmelSleuchten, denen wir unseren neuen Leuchter zu danken haben sind die Einigkeit und die Opferfrendigkeit unseres Vereines diese Opfersreudigkeit erntet heute wieder helle, reine Freude. Und wenn die Menschen ihre reine Freude haben, daS erftent auch, sagen unsere Weifen, das Herz des Höchsten. Unsere Arbeit schreitet rüstig fort, weil wir sie durch Freude würzen. Vom König David erzählen heute die Historiker, er habe vor der BundeSlade sogar getanzt. Seine eigene Frau tadelte ihn, doch die Geschichte hat ihm Recht gegeben. Und so geben auch uns, die wir jetzt vor diese Bundeslade eine in Freude geschaffene Widmung stellten, unsere Erfolge Recht und nun wollen wir den Weg, den wir beschritten haben, unbeirrt sortsetzen. Von ganzem Herzen danken wir allen Kräften, die an der Herstellung unserer neuen Leuchter mitgewirkt haben, besonders den treuen Augen, die über die Ausführung diese- Werkes mit unsagbarer Liebe und Sorgfalt gewacht. Wir beten zu Gott, daß diese Leuchter ihren Zweck erfüllen, daß sie walten bei Tag und bei Nacht, daß sie in lichten Tagen unsere Freude verttären und in Dankbarkeit gegen den Schöpfer wandeln. In trüben Stunden aber sollen sie uns Trost und Gottvertraueu inS Herz strahlen. Sie-möge» leuchten zur Freude ihrer Spender, zur Ehre unseres Gotteshauses". Diese Ausführungen sowie der ganze stimmungsvolle Verlauf der Feier hrnterließ in allen Teilnehmern einen reichhaltigen Eindruck, unter dem zahlreiche Anmeldungen zum Beitritt zum Verein der Tempelfreunde erfolgte«. Das Vereinsabzeichen, daS von den Mitgliedern getragen wurde, stellt in künstlerischer Ausführung den siebenarmigen Leuchter dar. Wir wünschen, im Sinne ^dieses Symboles, dem Vereine, daß er a«ch fernerhin in seinem Mrkeu für die Ehre deS Judentums voranleuchten und gleichen Eifer in allen jüdischen Herzen entzünden möge. Leopoldstädter Temprlverrin „Aeschel Awrohvrn". Sonntag, den 15. d. M. fand die diesjährige ordentliche Generalverfantmlung dieses Vereines unter großer Beteiligung statt. Der Vorstand des Vereines war fast vollständig erschienen; der verdienstvolle langjährige Obmann Komm.-Rat Adolf W e n g e r führte den Vorsitz und und begrüßte als Vertreter des Kultusvorstandes das Vorstandsmitglied D. Dohan. Hierauf erstattete er den Rechenschaftsbericht und gedachte mit besonderer Rührung der im Geschäftsjahre Heimgegangenen Mitglieder. Am Schlüsse seiner Ausführungen teilte der Obmann mit, daß er infolge seiner Schwerhörigkeit seine Stelle niederlege, und gab die Versicherung, daß er auch weiterhin die ihm am Herzen liegendes Interessen des Tempelvereines fördern werde. ObMannstellvertreter Oskar Schramek Gedenket in Iseid und Fpeud des isnaeütiscben TaubstumiTfeninstituts in Lilien^ HL, Jucbgasse 2.

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