Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1923
- Issue
- Heft 5 (1.3.1923)
- Date
- 1923-03-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 5 D i e Wahrheit dringender ist es zu wünschen, daß der Kreis dieser Menschenfreunde sich durch gleichgesinnte erweitere. Wie mit bestem Erfolge im 9. Bezirk, sollten sich auch in anderen Sektionen bilden, die den Gedanken der „Wohlfahrt" in ihrer nächsten Umgebung verbreiten. Nicht 'die Spende ist es, >die ohne persönliche Bemühung gesucht wird, die den Zwecken der „Wohlfahrt" voll entspricht. Sich selbst in die Reihen dieser Vorposten im Kampf mit dem wirtschaftlichen Elend stellen, muß sich jeder, dem das Wort Jude nicht ein leerer Schall ist. Man mag Zusammenkommen unter welchem Titel und aus welchem Anlaß immer, keiner kann edler und menschenwürdiger sein als eine solche Flagge, wie sie der „Wohlfahrt" voramveht. Gründungsfest des jüdischen Hilssvereines Prater. Unter großer Beteiligung beging das neue Präsidiunr des jüdischen Hilssvereines Prater am 10. v. M. in dem voll besetzten Cafe Abbazitz die fünfte Jahresversammlung, an welche sich künstlerische Darbietungen der Sängerin Frau Debicka, des Burgschauspielers Karl Zeska und der Sänger der Staatsoper Stricks und Reich anschlossen. Der neugewählte Vereinsobmann, der in weitesten Kreisen wegen seiner Wohltätigkeit ungemein geachtete Herr S. Na-towic, entwarf in packender Rede eine Schilderung der Leistungen des Vereines in der Zeit seines verhältnismäßig kurzen Bestandes. In dm letzten Monaten des Geschästsjahrcs wandten sich an den Verein 250 Petenten, hiervon wurden 230 mit einem Kostenauflvande von 18 Millionen Kronen berücksichtigt. Er ge - dachte der wertvollen Forderung durch das sehr rührige Ehepaar Leopold Frankl und Geschäftsführer Dir. Weiß, die durch die in ihrem Lokale stattgefundenen Veranstaltungen in ganz besonderem Entgegenkommen zu dem Unterstützungsfonds des Vereines beitrugen. An den herzlichst ausgenommenen Gast Herrn Eisenkönig Sigmund Breitbart, der in Begleitung seiner Gattin und seines Managers erschienm war, richtete Professor S. N a s ch e eine formvollendete Ansprache. Die warme Aufnahme vcranlaßte Herrn S. Breitbart, sich nach einigen Dankesworten in den Dienst der Humanität zu stellen, so daß der Verein erfreulicherweise seinein Fonds einen Reinertrag von zehn Millionen Kronen zuführen konnte, zu welch schönem Ergebnis auch die anwesenden Herren Generaldirektor Max W ab er, S. Schöngut, David G 5ü ck sm a n n nnd Dir. Bernhard Mayer, Obmann des Hilssvereines „Esra", wesentlich beitrugm. — Samstag, den 10. d. M. findet im Hotel Bayrischer Hof, 2. Bezirk, Täborstraße, eine Maskenredoute statt. — Das neue Präsidium besteht aus den Herren: Obmann Salo N a t o w i c z, Obmannstellvertretern Rudolf Fleischmann n?nd Sigmnnd Schächter, Schriftführer Ludwig S p i r o, Kassier Theodor Kürt und den Herren Sandor Breiner. Ludwig Deutsch, Henrrich Edelstein, Ignaz Katz, Leiser Krieger. Leopold Kammer, Moritz Pick, David R o t h, Adolf S t e i n ü e r g, Salomon Schwarz, Julius S ch i <1 David Wald mann und Siegmund Ziehrer. Chewra Kadischip Baden. In Ergänzung und Berichtigung der Notiz in der vorigen Nummer unseres Blattes über die Jahresversammlung >der obigen Institution ist noch zu berichten: Der vom Kasiaverwahrer verlesene Rechenschaftsbericht wurde über Antrag des Herrn Revisors Johann Hofbauer genehmigend zur Kenntnis genommen und dem Kassier Herrn Ludwig Lackenbacher der Dank ausgsprochen. Der langjährige Vorsteher der Chevra Kadischa, Herr Gustav Oedenburger, wurde in Anbetracht seiner wirksamen Betätigung bei allen rituellen Funktionen einstimmig zum Ehrenmitglrede gewählt. Trauung. Sonntag, den. 25. Februar 1923, fand die Trauung des Herni Salo. B r a i n i n mir Fräulein Sofi« H e k e r im Pazmcmi tentempel statt. Herr Brarniu gehört zu den wenigen, die die Traditionen ihrer Familie auch in fernen Landern Hochhalten. Als Sohn eines gelehrten und frommen Mannes und als Neffe des berühmten Schriftstellers B r a i n i n, ist auch Herr S. Brarnin ein überzeugter Jude nnd gehört gleich seinen Brüdern zu den eifrigsten Mitgliedern des Tempelvereines Aefchel Awrohom. S-eine Beliebcheit bekundeten auch die zahlreich versammelten Hochzeitsgeifte, die gefommen waren, um ihrer TeAnahme Ausdruck zit verleihen, denen sich auch die Redaktion anschbießt. Todesfall. Die Witwe des im Jahre 1899 vecsiorbeneu Distrikte-Rabbiners Moses Lob Bamberger, Frau Ester Bamberger, ist am 17. Jänner nach kurzer Krankhüt im 77. Lebensjahre verschieden, tiSefbetrauert von einem großen Verwandten- und Freundeskreis. Seite 17 Predigt. Freitag, den 2. d. M., halb 6 Ubr, iindek im Großen Leopoldftädter Tempel eine Predigt Sr. Ehrw. Herrn Rabbiner Dr. Max G r n ir w a l d statt. Ein Faschingsjux deutscher Studenten. Ans dem in Wien äbgehaltenen Preistag deutscher Studenten wurde von einem Bruder Studio, der wahrscheinlich stark gesrühstückt hatte, beantragt, daß Bücher der Universitätsbibliothek von jüdischen Autoren durch den Zionstern, von Franzosen durch die Trikolore kenntlich gemacht werden sollen. Die Idee ist schön, aber unvollkommen. Auch das Inselreich — Gott strafe England! produziert viel Bücher: wie sollen diese stigmatisiert werden? Den Italienern ließen sich die Falszes auhängen, den Tschechen der Zweischwanzlöwe. Als selbstverständlich betrachten iptu, daß kein Buch dentscharischer Verfasser ohne Exlibris-Hckkenkrenz l»mausgegeben werde. Heiter auch iu ernster Zeit. Sabbath-Schulzwang. In der Schweiz beginnen die antisemitischen Lügenbroickstiren, die dort jetzt stark in Umlauf sind, langsam ihre Wirkung,yu zeigen. Rach bewährtem Mitstcr beginnt man mit dem Antisenntismus in der Schule. Der zentrale. Schulrat der Stadt Zürich hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, im neuen, im April 1923 beginnenden Schuljahr, das bis jetzt den jüdischen Schülern gewährte. Recht, während der schriftlichen Arbeitsstunden der Schule fernznbleiben, außer Kraft zu setzen. In der jüdischen Bevölkerung herrscht die Meinung vor dich die Frage der Sabbathrnhe in den Schulen nur auf dem Wege der Errichtung eigener jüdischer Schulen gelöst werden kann, doch stößt die Ausführung dieses Planes ans Schwierigkeiten, die vorläufig kaum überwunden werden können. Die Unverbesserlichen. Ein Berichterstatter der H. B. meldet aus Essen, daß «an den Präsidenten der dortigen Jndengemeinde unter dem Vorwand frauzosensrer'ndlicher Haltung ein Drohbrief gerichtet wnvde. Das Sinnlose derartiger Anschuldiigungon liegt auf der Hand. Die deutschen Juden halben im und nach dem Kriege hin lang Beweise ihrer vatcrlandstrenen Gesinnung gegeben, daß solche auch in den gegenwärtigen schweren Zeiten nicht nngezweifelt werden dürfte, sollte es sich mnt Treibereien der unverbesserlichen Dentfchnationalen handeln, die wieder den jüdischen Prügelknaben für eigene Schuld möchten büßen lassen? Der eiserne Moralist. In den „Eisernen Blättern" versendet der Schriftleiter ans der Briefkastenecke seine Entrüstung über den Wiener Bortragsversuch Magnus Hivschselds nnd freut sich, daß es Leute gab, die sich „sulche Schweinereien verbaten". Ein „Verbitten" mittels Stinkbomben und Gummiknüppeln führt — das haben die Er eignrste gelehrt — schließlich zu Mord nnd Totschlag, wo gögen tatkräftiges Verbitten unerläßlich wird. Sieinherz zurückgetretenl Was die edlen Recken im deutschen Lager der tschechischen Landeshauptstadt wollten, haben sie erreicht, der Jude Steinherz ist Hnrückgetreten. Doch wenn die Her ren darob frohlocken und Din Dankgebet zu Allvater Wotan oben in Walhallen schicken wollten, fo wäre dies verfrüht. Denn wieder legt sich eine Behörde ins Mittel, die schon beim ersten heldenhaften Ansturm den jungen Stürmern und Drängern ein Dorn im Auge war, das dem Erbseind Inda so vollkommen untertane tschechische Ministerium für Unterricht, welches, ausgehend von dem Grundsätze der konsessionellen Gleichberechtigung, den Rücktritt des Rektors nicht zur Kenntnis nehmen will, falls er eine Folge des antisemitischen Terrors sei. Und daß dar Rücktritt nur diesem Grunde entsprang, werden selbst die Prager Antisemiien zugeben, trenn ne auch ihr Borgehen