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Die Wahrheit · 1923-03-01 · Heft 5 (1.3.1923) · page 15

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1923
Issue
Heft 5 (1.3.1923)
Date
1923-03-01
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 5 Die Wahrheit Seite 15 ibultiuMt, an NeAationen. Was sonst noch über diese R as s e n th e-o r i e geredet wirb, dient wohl rmr dazu, diese P o g r o m t h e s e empfindisamcn Gomütsvn schmackhafter zu machen. Im Ernste wind doch kaum jemand behaupten wollen, daß gerade die Deutschen, die vassenmäßig im Süden von afrikanischen Homines alpini, im Osten von asiatischen Slawen, im Westen von Kelten nnd nur im Norden von spärlichen germanischen Resten (die Wilser aus 10 Prozent schätzt) ckbstammen, das Recht haben, von g e r manisch e m U r s p r u u ig z-u reden. Germanen wohnen vornehmlich in Skandinavien, und selbst in Frankreich — dem Lande der Franken — gilbt es wahrscheinlich m e h r G e r m a n e n als diesseits des Rheins. So erfand man das M ä r ch e n v o m arisch e n B l n f, das noch nm ein gutes Stück törichter ist als das früher übliche germanische. Denn abgesehen davon, daß der Begriff des Ariertums, unter den fast alle europäischen Böller fallen, sich vielleicht zur Begründung einer kosmopoliten, aber sicher nicht einer d e n tsch na. t io n a l e it Gesi nn n n >g eignet, gibt es überhaupt kein „arisch Blut", sondern nur eine arische S p r a ch g e m eins ch a f t von Völkern, die der Nasse nach nichts miteinander zu tun haben." Ein Schandfleck. Die widerlichste Szene ivährend der letzten namentlichen Abstimmung über den Antrag aus Abschassung des Gesetzes über den numerus clausus in der ungarischen Natiorialversammlnng hat un-streitig der getaufte Jude Samuel Mandy herausbeschworen, als er aus seinen Namensaufruf sich erhob und gegen den Antrag, also für die Beibehaltung des numerus clausus, seine Stimme abgab. Eine ganze Anzahl von Mitgliedern der einheitlichen Regimnngspartei hielt €§ für imlfer ihrer Würde, die Fortführung dieses Schandgesetzes im ungarischen corpus jui’is offen zu decken. Dieser Renegat Samuel Mandy *aber hatte den traurigen Mut, die Zielscheibe des Hohnes ans der Seite feiner jetzigen Gesinnungsgenossen und den Gegenstand der tiefsten Verachtung in den Rechen der liberalen -und konseirvativen Abgeordnetenkvllegen abzngeben. Dieser getaufte Erwachende stammt aus Nyirbator in Ungarn. Sein Großvater Abraham Mandel gehörte zu den führenden PersönlichkMen der Orthodoxie des ganzen Kvmitats und galt als Musterbild von Frömmigkeit und tiefer Religiosität. Sein Vater stand als frommer jüdischer Gutsbesitzer in Nyiivbator in hohem Ansehen. Sein Schwiegervater war der streitbare Abgeordnete Paul Mandel, der sich durch feinen unerschrockenen Kampf für die Rechte der ungarischen Juden ein dauerndes Denkmal in der Geschichte der Juden in Ungarn errichtet hat. Ein Onkel Desider Mmchel, Grundbesitzer, wurde, obzwar er im jüdischen öffentlichen Leben eine hervorragende Rolle spielt, Ehrenbürger der Stadt Nyirbator. in welcher eine Straße nach diesem jüdischen Wohltäter benannt ist. Nur dieses einzige Mitglied der Mandelfamilie, der nicht nur seinen Namen, sondern auch seine jüdische Religion und die jüdische Ethik wechselte, hat sich der christlich-nationalen Regierung angeschlossen. Der Hohn, den sein Votum begleitete, war verdient. Der Samuel Ncaudys gibt es leider nur zu viele innerhalb wie außerhalb des ungarischen Parlaments. Gerade diese nichtswürdigen Renegaten wollen durch übertrieben jndenseindliches Gehaben an ihren Ursprung und ihre Vergangenheit vergessen machen, ohne damit etwas anderes als allgemeine Verachtung bei Jnd und Christ zu erreichen. WerbetAbomienten für.Re Wahrheit' Theater, Kunst und Literatur Theater in Baden bei Wien. Die ihrem Ende;n neigende Theatersaison in der freundlichen Knrstadt daN als eine in Mn st leviseher Hinsicht besonders reiche und gediegene -bezeichnet 'werden. Direktor Pros. A n d e r r i c t h, eilt hervorragender Musiker von Rang mD Namen, brachte in dreimal wöchentlichen Vorstellungen fast alle Opern von Bedeutung in Außerordentlich gelungenen Ausführungen heraus. Seine Absicht, einem genußsrendigen Publikum künstlerische Erziehung durch die von ihm selbst mit voll eudetem Können Geschmack und Umsicht dirigierten Tonwerte zu bieten, schien fast restlos zu gelingen. Die Opernabende waren fast immer ausverkaust, hervorragende Sangesgäste, erfüllten die Bühne mit künstlerischem Leben und auch die gesellschaftliche Atmosphäre der in Baden Ueberwinternden schien aus -ein höheres Niveau anzusteigen. Bon Operngästen seien neben S l e z a k -und S ch m e d es d?e jüngeren Kräfte Hofer und Tauber und die Damen Salmur, Pfysfe r-Sax und Musil ge nauut. Aber auch dem Sprechtheator räumte Direktor Anderrieth den ihm gebührenden Raum ein und e-- ioar fast jeder literarischen Neuheit der Wiener Bühnen auch ein Abend in Baden gewidmet. Dem künstlerischen Gewisien Anderrieths entsprach es, Kunst und nur Kunst in bester Ausdruckssorm zur Darstellung zu. bringeri. In dieser Absicht -lud er auch die W i l n a e r Truppe zu einem Gastspiel mit dem „Dybnk" ein. Leider war der Zeitpunkt schlecht gewühlt; das Gastspiel siel irr die Woche, lvachde.m die -antisemitischen Raidanbrüder den Psychiater Hirschfeld im Wiener Koniz-erthan.se an gepöbelt hatten; die Hakenkreuzker zogen alle rauflustigen Elemente ans Baden und Umgebung zusammen und suchten die Vorstellung drtrch Pfeifen. Johlen und höhnische Zwischenrufe zu stören. Mit Ausbietung seiner ganzen Autoritär sucht Direktor Anderrieth die Ruhe herzuftellen und den Fortgang des Spieles zrr ermöglichen, das mir der ergreifenden Bet'ha - midr asch - Szene eingesetzt chatte. Aber sein mutiges Eintreten für jüdische Kultur versagte angesichts der verständnislosen rochen Gewalt; nach Beginn oes zweiten Aktes mußte das Spiel abgebrochen werden. Direktor Anderrieth -aber gebührt für fein mannhaftes Auftreten für jüdische Kirnst der Dank aller Schätzer und Freunde derselben. Ihre Sympathie wird den tüchtigen Meister der Harmonien -auch dann begleiten, wenn er von seinem Wirkungskreise in Baden scheiden sollte. Wie es heißt, wird er ehrenvollen Berufungen ans Deutschland Folge leisten. R.—E- -F. Verein der Freunde des Großen Leopoldftädter Tempels. Mittwoch, den 14. Februar, fand im Restant am I. Nagel (Hotel New-dhork) eine Versammlung des obigen Vereines statt. Herr Pros. Dr. Jakob Bronn er hielt einen äußerst interessanten Vortrag über .Indische Mnieen', der sehr befällig ausgenommen wurde. Wir werden denselben in einer der nächsten Nummern ans der Feder.des Vortragenden zur Verö'-ffentlichnng bringen. Vortrag. Im Verein für jüdische Geschichte und Li teratnr und Wien hielt am M. d. M. Herr Dr. Armand K a m i u k a einen Vortrag über d a s r a b b inis ch e I u d e n t n m u u d d i e st o i) ü, e Philo s ophi e. In ebenso -geistvoller wie allgemein verständlicher Weise setzte der Redner ans.einander, daß die zahlreichen Analogien und Parallelen zwischen beiden Gei'stesrichtnnge'n nicht ans einzelne Schlagworte und zugeipitzte Sentenzen zu beschränken seien. welche divergierende Deutungen zu-

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