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Die Wahrheit · 1922-10-27 · Heft 21 (27.10.1922) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 21 (27.10.1922)
Date
1922-10-27
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Mten" geworden, in welchen nicht einmal die nötigsten Kenntnisse, sondern narr die nötigen Prüfungszeugnisse für die Erlangung fetter Aemter und Pfründe erworben werden, wobei man sich nach Möglichkeit der gefährlichen jüdischen Konkurrenz zn erwehren sucht. Einser der gewissenlosesten deutschnational-antissmitischen Hetzer war der erfolgreiche BsMünde-r einer der wie Pilze aufgeschossenen sogenannten „Rechtsschulen", welche den Studenten mit Umgehung der Vorlesungen die Antworten auf die voraussichtlichen Prufungsfragen einpauken, arm Hnen auf diesem SchwiNdeHwege znm Dip^lom zu verhelfen, Am stalten, gegen deren verderbliche Wirkung üben jetzt die juristische Fakultät einen scharfen Kampf eröffnet hat. So sieht-auch «bei uns das „deutsche Wesen" ans, an welchem dereinst die Welt genesen soll. Wo immer wir Hinblicken, zeigt es sich, daß der Nationalismus, die gehässige völkische Abschließung der Feind alles Kultuvfortschritpes, Mer Herzensbildung, der Gemeinsamkeit Mer geistigen Güter, der Verbrüderung der Völker und somit des Weltsrieldens ist. Der Nationalismus, wenn und wo immer er austritt, bedeutet die Wtötung des Mvnschheitsideals, er ist die Antithese der Messias- Idee, welche das Judentum in die Welt'gesetzt und unter den Völkern verbreitet h>at. Es >gibt nichts dem Judentum Wesensfremderes als den Nationalismus und die Organisation ans ^rationalistischer Grundlage. Der Verfall des deutschen Geistes und die''Erniedrigung der deutschen Jugend sollte uns Juden eine ernste Lehre sein. Was aber jüdischer Geist und jüdisches Empfinden ist, lehrt uns jener herrliche, edelsinnige Brief, den die Mutter .R-atheniaus an die Mutter eines der Mörder ihres Sohnes gerichtet hat und dessen wörtliche Wiedergabe den Abschluß dieser Zeilen bilden soll. Dieser Brief Mutet: „In namenlosem Schmech reiche ich Ihnen-, der ärmsten Mer Frauen, die Hand. Sagen Sie Ihrem Sohne, daß ich ihm im Namen und Geiste des Ermordeten verzeihe, wie Gott ihm verzeihen m ö g e, wenn er vor der 'irdischen Gerechtigkeit ein volles, osfenens Geständnis 'ablegt uNd vor der göttlichen bereut. Hätte er meinen Sohn gekannt, den edelsten Menschen, den die Erde trug, so hätte er eher die Mordwaffe gegen sich selbst, als gegen ihn 'gerichtet. Mögen diese Worte Ihrer Seele den Frieden geben!" _Siegfried Fleischer. Zeichnet Spenden für unseren Pretzfonds! Werbet Mitglieder für die „Union"! Abonniert unser Organ, „Die Wahrheit"! . Gedenket bei Familienfesten, bei Testamentserrichtmrgen, Spielgewinsten usw. unseres Rechtschutzbüros! Es kommen ernste Zeiten! Pfleget den Opferst«« für unseren gemeinsamen Kampf! Aus unserem Rechtsschutz- und Abwehrbureair. Hermann Strack gestorben. Der bedeutende Hebraist und Bibelforscher, Geh. Konststorialrat D. Dr. Hermann L. Strack, ordentlicher Honorarprofessor der Theologie an der Berliner Universität, ist am 5, Oktober im Alter von 75. Jahren gestorben. Strack war der Sohn', einies namhaften Pädagogen und studierte in seiner Vaterstadt Berlin und in Leipzig Theologie und Philologie. Er unterrichtete einige Jahre am Berliner Wilhelmsgymnasimn und vollendete während seiner Tätigkeit an der großen Petersburger Bibliothek die Ausgabe einer wichtigen hebräischen Handschrift der prophetischen Bücher des Alten Testaments.' Im Jahre 1877 wurde er als Nachfolger Kleinerts außer- _ ordentlicher Professor für alttestamentliche Wissenschaft an ' der Berliner theologischen Fakultät. Seme Einleitung ip das Alte Testament, fein Mbölkommentar zeigen ihn uns als erfahrenen Pädagogen, der auch durch seine Kenntnis des nachbiblischen jüdischen Schrifttums, vor allem des Talmud, den er herausgegeben und erläutert hat,die größte Autorität genoß. Als Kenner der talmudischen Schriften mrd Lehren war er in der Lage, das Judentum gegen den, Vorwurf unsittlicher oder staatsfeindlicher Geheim lehren oft' wirksam zu verteidigen und war einer der unerbittlichsten . Gegner Stöckers und Rohlings. In seiner Schrift „Das. Blut im Glauben und Werglauben der Menschheit" widerlegte er das antisemitische Blutmärchen; er war stets bestrebt, die Kenntnis des Judentums und das Verständnis des jüdischen Religion und ihrer Lehren in christlichen Kreisen zu verbreiten. — Im Jahre 1912 berief der Vorstand der „Union" Prof. Strack zu einem höchst instruktiven Vortrag nach Wien. In der Bekämpfung der Ritualmordhetze nach dem Hilsner-Prozesse hat uns Prof. Strack sehr wertvolle Dienste geleistet. Der Arierparagraph. Bekanntlich sind in der diesjährigen Hauptversammlung des „Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins" eine Reche österreichischer Sektionen mit ihren Anträgen, die Sektion „Donnull and", die zumeist aus den von der Sektion „Austria" hinausgedrängten jüdischen Alpinisten bestcht, ans dem Verein auszuschließen, nicht diurchgedrungen. Wir erhalten nun Ms Deutschland Nachrichten, wonach eine eifrige Agitation betrieben wird, ans der nächstjährigen ^Haup^ Versammlung den Sturm auf. die Sektion „Donauland mit Aussicht auf besseren Erfolg, W erneuern. Wir richten daher an alle unsere Freunde m: den verschiedenen Sektionen das dringende Ersuchen, dieser Agitation nicht untätig zuzuschen, sondern 'in ihrem Wirkungskreise alles aufzulbieten, um diesem neuerlichen Versuche, einen bisher .ausschließlich der Pflege des schönsten und edelsten Sportes gewidmeten Verein konfessionell zu spalten und die öde Judenhetze -auch in die herrliche Bergwült zu verpflanzen, mit aller Kraft schon jetzt entgegenzutreten und eine energische Gegenagitation einzuleiten. Aus unseren Ortsgruppen. Mitgliedschaft Wien—Leopoldstadt. Am 16. Oktober hielt der Ausschuß dieser Mitgliedschaft unter dem Vorsitze des Medizinalrates Dr. H a a s e, eine durch Vertrauensmänner verstärkte Sitzung ab, in welcher Sekretär Fleischer namens der Zenträlleitung über die Preßalktion und über die Stellung der „Union" zur Palästinafrage und zum . jüdischen Weltkongreß referierte: Redner machte von der mit der „Wahrheit" getroffenen Vereinbarung Mitteilung und forderte eindringlich zu lebhafter Agitation behufs Stärkung >des Prchsonds, Werbung von Abonnenten und Heranziehung neuer Mitglieder auf. Zur Palästina? frage lerklärt Referent, daß die „Union", ihrem bisher kundgegebenen Standpunkt entsprechend, bereit sei, dem Keren Hcrjessod zu unterstützen und den Weltkongreß unter Voraussetzung eines unparteiischen Wahlstatnts zu beschicken, daß über der jüdische Nationalismus, als dem Judentum geist- und wesensftemd, entschieden bekämpft werden müsse. An der Diskussion nahmen die Herren Medizinalrat Dr. H a a s e uNd Gemeinderat Dr. S ch w a r z - H i l l e r teil. Der letztere bekannte sich als Zionist in dem Sinne, daß unbedürgt Palästina jedem anderen Territorium zur An-

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