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Die Wahrheit · 1922-10-12 · Heft 20 (12.10.1922) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 20 (12.10.1922)
Date
1922-10-12
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 Die W-ahrh eit AW Wahrheiten vom Tage Die Unzufriedenen. Der Bundeskantzler Dr. Seipel hat bei seiner HeiiKnkehr aus Genf wenig Gruß und Dank Ln «der OeffeMichkeit erfahren. Der vorherrschende! Ausdruck der Stimmuarig deutete auf Unzufriedenheit. In St. GerMdm wurde es verbrieft, in Genf besieg,M, daß Oesterreichs polWsche und wirtschaftliche 'SeWstäridiigk'sit von niemandem angetastet, aber auch nicht freiwillig preisgegeben werden darf. DamEt find die BWtentrüuime des Anschlusses «endgültig begraben, die Hoffnung, dem Heimatlande der Knüppelkuntze, Reventlow, Ludendioss und seiner meuchelmörderischen Eidgenossen eingestiaatüt An werden, gänzlich geschwunden. NÄren dieser gewissermaßen ideellen lbnzufrieldenhöit itMt die materieller Art mehrfach iht den Vordergrund. Zunächst der denen, die sich die Kreldithiilse als mrLe Spende dachten. Bei all den „wahrhaften Oesterreichern", die noch in den TradMionen dier gemütlich frivolen FortwUrste'leienschulle stecken und im, wie nach! dleinr Kriege nichts «gelernt, nichts vergessen hiaiben, gM es MN Herünterfteigen von ihren Lebensgewlohnheiten nnld Ansprüchen, die «am liebstendie gebratene! Taube als Wappenvogel des Staates setzen möchten. Ihnen sind die Protoikolle zur 'KrediHilfe Nährboden der tiefsten Unzufriedenheit. Auch jenen, die jede AuslandshMfe für entbehrlich HÄten, wenn nur der goldenen Eier wegen düs Kapitalshuhn geschlachtet wurde. Diese reichen Armen, die GW nicht glücklich macht, wenn man nichts dafür bekommt, werden in das neue Wirtschafts-Verfahren «einischwenken. müssen. Unzufrieden sind die Legionen beschäftigter Müßiggänger in staatlichen Büros und Kanzleien, die für die Parole ^Abbau" bis allher ein verächtliches Lächeln hatten, aber nnnwÄhr daran glauben werden Missen. Aber auch> die mühelosen Bielverdiener, denen die Bäume gestutzt werden, die m -den Himmel $u wachsen drohten, halben reichlich 'Gründe zur. UntzusrWenheiit. Was sie der eigenen schwachen Regierung nie bewilligt hatten, wird ihnen die harte strenge AuÄ'aiMsfcmst der Vö-bkerbund^ntrolle abnötigsu. Sie wird mit all diesen Unzufriedenen den Forderungen der eisernen Notwendigkeit verfahren. Und schließlich, wann hat es überhaupt in der Naturgeschichte der Volker einen zufriedenen Oesterreicher gegeben? Es wäre ein Widerspruch in sich. Er hat sich nicht nUr etwas Kindlichles, sondern auch Kvndhaiftes «in seinier Art. Er schreit, wenn mau ihn trocken!legjt, fühltsich aber dann um so woh'ler. Sv wird es hoffentlich auch Mi dem Chorus unserer Unzufriedenen der FM sein. „Ein Autor, der sich „Chajim" nennt" ..... In Nr. 40 der in Breslau eUscheiinenden „Jüdischliberalen Zeitung" stoße ich aus einen in fo'ieir „Wahrheit" mir oft begegnenden Namen, Chajim Bloch, der in diWm Matte Proben seiner gemütvollen Darstellnngsknnst bietet, wird in jener Zeitung zum Gegenstände heftiger Entrüstrmgscmsbrüche gemacht, die in der Rubrik „Bücherbesprechung" figurieren und mit „Straßburtzer-Ulm" getzeichnch siiÄ>. Ueber Blochs neuestes Buch „Gottes Volk und seine Lchve" urteilt dieser Rezensent: „Es ist schade für (sic! statt „um") das schöne Papier". Bloch tat bitter Unrecht, zwei Gelehrten, wie Stern und FrvMMer, wenn eir mit ihnen nicht glimpflich umsprang. Für Stern legt der Rezensent eine Wärme an den Tag, die uns Höften läßt, «daß in ihm selbst sich der von Hm dringend desiderierte „objektive Beurteiler" „der Kämpfe Sterns" wird finden lMen, dije Hn Nr. 20 „aus seinem Judentum, das er in seiner Reinheit liebte, vertrieben halben". Daß Bloch einen B r o d „in den siebenten Himmel hebt" wird ihm -krumm genommen. Zum Schluß die Adhortatio: „Die Herren vom Osten (im Original unterstrichen; soll heißen: aus dem Osten) dürfen nicht glauben, für die „Deutschen" ist (sic!) alles gut genug." Ich kenne das Per abgeschlachtete Buch von Bloch nicht, kann deshalb auch gar nicht ermessen, in wieweit es eine «abfällig fa ch l i che Kritik verdient. Staunen. muß ich aber, daß eine Zeitung, die sich „jüdisch" ueusnt, so wenig jüdisch ist, daß sie als Maßstab der -Kritik die Geographie zuläßt, um den leidigen „Ostjuden" wieder etwas Mfs Zeug zu flicken. Nicht minder, ddß dieses „I n d i s ch - l i b ernte O r g a n" so wenig Liberalismus gegen die „orthvbioxen Ostjudien", hingegen fv viel für einen Frommer und einen Stern vjufbritltzt, der „aus feinem Judentum vertrieben" wurde. Hätte der Rezensent, dessen Name auf den Elsaß hinweist, ein Jahrhundert früher das Licht der Welt erblickt., er würde erfahren haben, daß man ihn genau so als Ostjuden, als juis alsacien in Paris behandelt hätte, wie er heut von Breslau ans einen Wiener Autor, dessen Vorname Chajim Hn geniert, während der Familiennmne Bloch vermHein läßt, daß seine Ahnietni nicht zu weilt vonStraßbnrg geleibt haben. Seitdem sind! wir aber doch eben um ein Jcchrhundert, wenn auch nicht weiter, so doch jünger, Mid der Fortschritt dieses Jahrhunderts soll doch nicht darin bestehen, daß die alte jüdische Unduldsamkeit gegen die eigenen Stammesgenossen von der Seine an die Oder fortgeschritten ist. Hingegen hat vor hundert Jahren ein Mann, der, scheint es, nicht weniger als der Rezensent berechtigt war,, sich zu den „Deutschen" zu zählen, und der den Namen „Goethe" trug, eine Besprechnag der „Gedichte eines polnischen Inden" geschrieben, die einen wesentlich anderen Ton ausweist und, anstatt dem Autor sein Polentum anzukreiden, ■ ihm dieses Prononcieren seiner polnischen Herkunft vorwirft, da die Zuständigkeit doch nichts mit dem Wertgehalt einer Leistung zu tun habe. Aber Goethe war eben vielleicht nicht „deutsch" genug. Schade „für" den armen Goethe! Was hätte aus ihm nicht noch werden WnneU. hätte er As heluse MsM h alten, um bei Herrn StraßbUrger-Ulm im „Deuitschitmn" in die Lehre zu geh'n! Kein Ostjude. Michelei. Das Hakenkwuzblättchen „Michel" hat sich am 1. Gilbhärt (spr. Oktober) ein wenig Mt der „Wahrheit" beschäftigt und echt arisch-publizistische Lüge mit Albernheit verbunden. Michel wehrt sich ebenso verzweifelt wie ungeschickt gegen drei Hiebe, die wir. Hm kürzlich verabreicht haben und die offenbar fest und tief saßen. Unseren Hinweis auf den Feder und Sammelbüchse schwingenden Schriftleiter versucht Michel damit zu 'erläutern, daß Hm der „Wahrheit" rassisch Nahestehende das erprobte Schwert zerbrochen,, so daß er anstatt des guten Balmiuug —zu Gilbhart ist Balmung sehr stilge-. maß — die Büchse schwingen muß. Nicht, daß wir wüßten! Micheil-Leonid'as hat noch keinen Augenblick ansgehört, im Schatten zu „fechten". Sehr benebbicht — Michel wird hoffentlich 'durch dieses Wort nicht in Krämpfe fallen — ist sein Getue, aus einem Druckfehler („haben" ffoitit „habe") den Stoßseufzer aus bMmmieriter «Seele herauszuholen: O LN arme deutsche! Sprache, die jedlejr Jude mißhandeln darf! Wir wollen feurige Kohlen ans Michels Haupt sammeln und verzeichnen, daß es bei Hm -aus Seite 2 unterm Strich im letzten Satz heißt: den Letten und Chinesen wird es «eine ausnehmende Freude bereiten, die deutschen Genossen beim Streike nieder-

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