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Die Wahrheit · 1922-09-21 · Heft 18-19 (21.9.1922) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 18-19 (21.9.1922)
Date
1922-09-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
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AmW-GW ZckWffk für REDAKTION ^ADMINISTRATION men S./Heirrrstratzr IS XXXVIII. Jahrgang Wien, 21. September 1922 Nummer 18/19 Israel, der Zeuge der Böller. Eine Neujahrsbetrachtung. Bon Rabb. Dr. Armin A b e i e s. welchem dieses die Weltschöpsung bewirkende Gotdeswort I. -Wenn Israel nichts Anderes hevvvrgebracht hätte, als das Fest, dessen bevorstehender Fever Me jüdischen Herzen .in chrfurchtsvollst-er Schön entgegenschlagen, es würde .schon in diesem FMe das Anrecht sich ermorden hoben, als ein Kulturbrmger nn-d Wegbereiter der Menschheit betrachtet zu werden. Rosch-Haschanoh! Kein Zweifel, es HO auch bei den Völkern der Urzeit, bei Afsyrevn und Babyloniern, Persern «und Aegyptern Neujahrsfesttage gegeben, aber wenn ivgeNdwo. so gilt hier das Wort „sf dito faciunt idem, non est idem“ Die dem religiösen Genius Israels jmnewdhnende GestNltu'ngskraft tritt nirgends lsd -machtvoll ziutaige, wie an seinen Fest- und Feiertagen. Wie dem fabelhaften König Midas, ist Israel, dem Herrscher auf dem Gebiete religiöser Schöpfung nfnib Gestaltung, alles zu Gold geworden, was es an religiösen Lchren und Vorstellungen seiner Zeit und Umwelt vorgefnnden hatte?) Am klarsten zeigt sich dies in den unserem Neujahrslseste zujgvundekiegenden Festgedanken. Die Neujahrstage der Völker, in «deren Mitte oder Nachbarschaft das jüdische Volk gellebt hat, waren von düsteren Schatten -umhüllte Lostags, wirkliche schwarze Tage, denen man mit angstgequältem Herzen und gepreßtem Gemüt entgegenblickte. Da wibtie sich düs blindwütende Fatum in orkanartigen Stürmen aus, Haß und Feindschaft der mit einander rivalisierenden Götter und Göttinnen, das ganze Jahr hindurch gleichsam unter der wische glühend, am Nenjahrstage -lohten sie zur verzehrenden Flamme ans. Es galt den Endkampf der zerklüfteten Götberwelt, Von,dessen Entscheidung das Schicksal Mer abhing. Kein Wunder, wenn -es zentnerschwrer 'lüftete auf den Gemütern, öde und 'finster war in den' Seelen. Da strahlte die Herrlichkeit Gottes von Paran her und Gott, der Herr, rief: „Es werde Licht!" Nach der Ueberlisfevung unserer Alten war es der -erste Roisch-Haschonvh, an --7- , r , nnn?! *) Siehe Cornill d. israel. Prophetiismus. Leipzig 1894, ertönte, die Welt in ein strahlendes Lichtmeer tauchend, daran sich erheben und erwärmen sollten die Geschöpfe aus Erden.-) Nicht ohne Grund wird in der Lithurgie unseres Neujahrsfestes immer wieder an .das Ereignis der Weltschtöipsnng anigöknüpst u-nd Rosch-Haschonoh in allevv Variationen als der Geburtstag der Welt hingestellt. Eine neu-e Welt wurde an jenem ersten Neujahrstage den Söhnen und Töchtern Israels erschaffen, eine Welt, bis dahin unbekannt und nnersorscht, die Innenwelt des jüdischen Menschen. Lange bevor Leibnitz und nach ihm Kantdie Llutvnomie 'des Sittengesetzes -verkündeten, lassen unsere Weisen an jedem Rvsch-Hajschon-oh Gvtt, den Herrn., an die Gemeinde Israel das Wort richten: „Nie und nimmer darfst Du jüdischer Mensch Dich >als Spietball unbekannter Gewalten betra chten, ihrem blinden Wüten wehrlos gegenübevstehenD. Blicke auf >den gestirnten Himmel über Dir, horche auf die mannigfachen Stimmen in Dir und jedes Angstgefühl wird von Dir weichen, -denn Du wirst erkennen, daß Du stärker bist, als das, was Schicksal und Verhängnis Dir bereiten möchten. In der Erkenntnis der in Dir selbst wohnenden Sittlichkeit, im Bewußtsein Deiner Würde -als MjeNsch und Jude, die Dir an jenem ersten Neujahrstage wurden verliehen, 'besitzest Du eine Welt, die unzerstörbar ist, so Du selbst sie nicht zerstörst.""') Fort darum mit jeglicher Angst und Bangigkeit an diesem hochheiligen Tage! Rosch-Haschonoh ist ken finsterer Lostag -im Sinne der antiken ^idenwelt, dawo ein allgewaltijger Tyrann in unnahbaren Himmelshöhen und in unberechenbarer -DesPoteNlanne die Lose des Lebens und des Todes verteilt, sondern vielmehr der „I v m Ha,ddin", in des -Wortes höchstsiÄlrcher Bedeutung „der Dag, an dem unser Recht wie 'das strahlende Sonnenlicht herausgebwcht wird". Ern treuer Freund ist dieser T-ag, von Gott uns gesandt, damit er durch die geeigneten 2) Vgl. Gen. Rabb. I. Jalkut RuKeni I. -») Maimonides Hitchoth-Teschub. Cap. VII.

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