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Die Wahrheit · 1922-06-09 · Heft 12 (9.6.1922) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 12 (9.6.1922)
Date
1922-06-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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rrnruf MMMMeZÄtzjrE für MMeMeE» REDAKTION u ADMINISTRATION Wir» S.» Aeinestratze 18 XXXV1H. Jahrgang Wien, 9. Juni 1922 Nummer IS Nachwort zumKultusangestellten-Streik.! Witz wir in unserer letzten Nummer berichteten, er- ' hielten wir aus Angesteütenkreisen folgende Mitteilung: j Dde^ Herren ArEelschreilber der „Wiener Movgen-! Zeitung" versuchen den Kern der Sache durch persönliche Angriffe auf die sogenannten Führer dar Angestellten- - Organisation zu verschltzilern. Daß diese Führer aber nichts unversucht fassen haben, um aus friedlichem Wege ein Existenzminunum für ihre Lsidensgenosien sicherzustellen, ehe von einem Streik noch die Rede war, erhellt >ans den folgenden Ausführungen aus Grund des aktenmafstgen Tatsachenmaterials. „Nachdem der: Angestellten der Kültusgomeinde ab 1. Februar l. I. „vorläufig versuchsweise für 3 Monate" i die Automatik in den Bezügen mit den städtischen Angestellten bewilligt wurde, mußte seitens des Verbarg es der Angestellten und der Gewerkschaft des Bundes öffentlicher Angestellten noch im Laufe des Monates April dafür Sorge getragen werden, daß m dieser Glsichstellmrg keine Unterbrechung platzgreise. Auf die verschiedenen Gingaben des Verbandes, von denen die erste am 12. April l. I. überreicht wurde, erfolgte erst am 7. Mai eine Antwort seitens des Kultusvorstandes, in welcher erklärt wurde, daß auch für den Monat Mai die gleichen Bezüge ^bewilligt, daß aber das Vertveterkolleginm nicht in der Lage sei, über die weiteren Besolde eine positive Antragfttzllung an das Plenum zu beschließen. Die Vertöter der Angestelltenschaft verlangten nun in einer Besprechung miit dem Präsidium der Kultusgemeinde, daß es seine mündliche Zusage, die entsprechenden Bezüge auch weiterhin zu geben, schriftlich niederlege. Dieses Verlangen wurde rundwegs abgelehnt. Am 8. Mai erschien der Gerverkschastsfekretar Gemeinderat Schneider im Präsidnmn der Kultusgtzmeinde und gab dort im Aufträge der Gewerkschaft zu Protokoll, daß, falls bis zum 14. Mai nicht eine befriedigende Antwort auf die durchaus gerechten und billigen Forderungen der Angestellten erfolge, am 15. Mai der Streik sämtlicher Angestellter eintreten werde. Auf diese, d u r ch d i e Gewerkschaft überreichte Streikdrohung erfolgte wieder keine Antwort, sondern den Vertretern der Angestellten wurde am 11. Mai die Abschrift einer Eingabe an das Bundesminiisterium für soziale Verwaltung eingeh and igt, welche der Vorstand der Kultusgemeinde zwecks Einleiiung von Einignngsverhandlungen an dieses Ministerimn richtete. In dieser Eingabe wurde gleich in der Einleitung erwähnt, daß der Vorstand nicht wt der Lage sei, die Forderungen der Angestellten zu bewilligen. Diese Einiigungsverha-ndlungen wurden vom Ministerium für soziale Verwaltung gerade für den kritischen Tag, Montag, den 15. Mai, 5 Uhr nachmittags, angesetzt. Daß dieser Schritt seitens deS KultusvorstandeS nicht schon vor 8 oder 14 Tagen erfolgte, zeigt zur Genüge das Bestreben, die Angestellten hinzuhalten. ES ist klar, daß die Herren der Kultusgemeinde selbst das Existenzminimum nicht zahlen wollen und sich darauf berufen, daß die Angestellten „eben das Unglück halben, iBer der israelitischen Kuiltusgemeinde Wien zu fein". Dies sind die Worte eines hervorragenden Mitgliedes des KultuSvorftandes. Wie frivol dieser Streik hätte geführt werden sollen, zeigt noch die Tatsache, daß die so heftig angegriiffenen Führer noch so gewissenlos und verantwortungslos 'waren, die 'durch die Gewerkschaft gestellte Streikdrohung noch im letzten Moment einer Vollversammlung zur Beschlußfassung vorzulegsn. Die Vollversammlung fügte sich natürlich bei einem Stimmenverhältnis von 176 gegen 3 Stimmen der Anordnung der Gewerkschaft. Gin Hauptpunkt der Forderungen der Angestellten war auch die Besserstellung der Pensionisten, Witwen und Waisen nach Angestellten der Kultusgemeinde. Zur Illustration der traurigen Lage der Pensionisten diene die Tatsache, daß beispielsweise eine Chewra-Frau, welche über 40 Jahr« im Dienste der Gemeinde stand, eine Monatspension von 12.000 Kronen bezieht und daß di« Witwe nach dom verewigten Oberrabbinsr Dr. Güd-emann in den denkbar ärmlichsten Perhältnisien lebt. Die Forderung der Angestellten, diesen bedauernswerten Pensionisten eine menschenwürdige Existenz zu sichern, scheitert» an der Halsstarrigkeit des Kultusvorstandes. Aus obigen Ausführungen ist Ersichtlich, daß die Verbandsleitung, welche aus 15 Vertretern sänckltchvr Angeftellterrkategorien besteht, weder frivol einen Streit inszenieren wollte, noch eigenmächtig gehandelt, sondern im Einverständnis und nach Ermächtigung der zuständigen gewerkschaftlichen Faktoren, zwecks Sicherung der Existenz der Mdivangeftellten und der Pensionisten, Witwen und Waisen, welche der Kültusvorstand nicht gewährleisten wollte, zum , letzten gewerkschaftlichen Mttel, znm Streik greifen wollte, z Die in der angeblich demokratischen und angestelltenfreundlichen „Morgen-Zeitung" gebrachten unqualifizierbaren Angriffe gegen die Führer der Angestellten erweisen sich demnach als vollkommen unbegründet und unhaltbar und sind der Ausfluß einiger von persönlicher Rachsucht und gekränkten Ehrgeizes, der von den Angestellten in ihrer wahrem Gestalt erkannten südischnationalen KultuSvorstoher. Für den Verband der Angestellten der KultuLgemeinde: S. Kornfein, Joses Pick. Schriftführer. Geschästsführender Obmann. * * *

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