Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 9 (28.4.1922)
- Date
- 1922-04-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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MMängW ZeüWfft für MMeIuterel^u REDAKTION ^ADMINISTRATION Mir» 2.» Keinrftratzr 18 XXXVIII. Jahrgang Wien, 28. April 1932 Nummer 9 Jüdische Märtyrer in Budapest. Eine unauslöschliche Schmach knüpft sich an das Regime des Grafen Bethlen, des „Bersöhnungsmimsters", dessen falschen gleißnerischen Versicherungen, besten von Rksten-? und Konfess-io n en verb rüd erun gen überfließend es Progriamm arglose, vertraUeussölige Märmer, die Besten ihrer Kreise in Tod und Verderben gelockt hat. Das Ereignis ist zu gräßlich, als daß es je den: Gedächtnis der Zeitgenossen entschwinden, dem Fluch kommender Generationen entgehen könnte. Am 2. April traten die führenden Persönlichkeiten der liberaldemokratiischen Bürgerpartei in ihrem Klublokal behufs einer Beratung zusammen, wie man die schönen Worte des Grasen Bethlen in Tatet: um-, setzen könnte. Es kam aber nicht zur Ausführung dieser Absicht, die Äon feigen tückischen Verbrechern zunichte gemacht wurde. Mitten in die Versammlung spie eine Höllenmaschine ihre nwrdemsche Ladung und brachte auf der Stelle sechs der Atkwesendeti sofort den Tod, ein siebentes Opfer des Anschlages, der Handschuhfabriksbesitzer Karl Haas, liegt bereits im Sterben. Die Partei beklagt den Verlust ihrer trefflichsten Mitglieder, die israelitische Neligionsgenvssenschaft hochgeehrte Angehörige, die auf dein Gebiete der Menschen- und Nächstenliebe, einer wahrhaften VerbrüderungspolitiE, Hervorragendes leisteten und ebendeshalb arn Werk sein wollten, d-ie angeblichen Pläne des Grafen Bethlen zu fördern. Die Namen der sechs Blutzeugen find: Simon Goldberg, Julius Band, Max S z e g ö, Alfred Pesti, Arnold K e r e n y i, Sandor Polgar. mmmmaasammmm . Aber noch weitere aus ihrem Kreise wurden schwer getroffen und können für den Rest des Löbens an ihren verstümmelten Gliedmaßen die Wahrzeichen „erwachender" Banditenpolitik aufzeigen. Der schwarze Aprilmontag zu Bicdapest ist das Abscheulichste, was die an Blut gewiß überreiche Gewaltpolitik der erwachenden Ungarn verzeichnet. Früher kcttnpft'e der Terror wenigstens mit offenen sichtbaren Massen. Mann gegen Mann, Aug in Aug. Das fetzte doch Mut, den Einsatz des eigenen Ich voraus. Das unter offiziellem Schutz erfolgte Verschwinden des Hauptattentäters, des B i b o, nach dem Verbrechen, das ist der Tiefstand der ungarischen Nitterlichkeit christlichen Kurses. Aber aus den Gebeinen der meuchlerisch Gemordeten werden furchtbare Rächer und Vollstrecker der wahrhaften Fried eusidee entstehe. Wer hinter dem Zufall oft ein zielbewußtes Wollen des Schicksals erblickt, wird es in solchem Sinne deuten und anffasten, daß der niederträchtige Schurkenstreich nicht auch jene getroffen, denen -er zunächst vermeint war. Die liberalen Abgeordneten, deren Erscheinen im Saal sich nur dadurch verzögerte, daß sie in einem Raum unterhalb des Schauplatzes des Massenmordes verweilten, um demonstrativ als geschlossene Gruppe einzutreten, entgingen dem Verhängnis. Wer an Wunder glaubt, mag es als solches betrachten, daß Paul Sandor, der tapferste, unermüdlichste Kämpfer für >das Prinzip der Freiheit und Gleichberechtigung aller Nationen und Konfessionen an jenem Schreckensabend zum drittenmal dem Tode entronnen. Das erstemal als Einjahrig- Freiwilliger bei der Jazberenyer Dynamitexstlvsivn, der Paul Sandor als einziger Ueberlebender seiner Kompagnie entging, dam: im Jahre 1914, wo er unter die Räder der Straßenbahn, geriet und nun bei dem Schurkenstreiche der Horthy-Buben. Es ist, als ob die Vorsehung den unerschrockenen Kämpfer und seine treuen Waffenbrüder noch zu großen Taten aufgespart hätte; als sollten sie erst jetzt recht die Sache der Freiheit mit starken reinen Händen verteidigen und zum Siege führen, den Verblendeten die Augen öffnen, den Sturm der Empörung gegen die Verderber und Schänder des Vaterlandes entfachen und den Erfolg endgültig an ihr Banner knüpfen. Das ist die eindringliche Lehre, der tiefe Sinn des schändlichen Verbrechens, dem die Blutzeugen vom 2. April zum Opfer fielen. Es ist für uns wohl ungemein traurig, aber aus den Erfahrmrgen, die man aus Horthy-Ungarn gewonnen, nicht besonders verwunderlich, daß alle Opfer Juden waren. Ebensowenig kann es uns in Staunen versetzen, daß bei den Erhebungen der Polizei, der allerdings durch das Einverständnis zwischen Herrn Horthy und den „Erwachenden Ungarn" bei der Untersuchung 'die Hände gebunden sind, zu Tage gefördert wurde, daß dem Anschlag im Elisabeth st ädt er Klick» weitere fünf Bombenattentate gegen jüdische Familien oder politische Zentren, in denen die Juden die Mehrheit bilden, folgen sollten. So sieht die Verbrüderungspolitik des Grafen Bethlen ans, der 'den Mut ausbrachte, in Genua über den mangelnden Schutz der Minoritäten Klage zu erheben, während im eigenen Lande die für die wirtschaftliche und geistige Hebung so verdienstvolle Minderheit unserer Glaubensgenosten von einer Bande gewistenloser Mordbuben unterdrückt wird, ohne daß Horthy oder sein getreuer Vasall Bethlen dem Treiben dieser „Nebenregierung" ein Ende machen würde. Es wäre eine faule Ausrede, wenn Horthy oder Bethlen sagen würden, sie könnten nichts tun, die Macht im Lande hätten die „Erwachender:". Die Macht in einein Lande hat gewöhnlich die Negierung und deren Chef ist Gras