Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1922
- Issue
- Heft 7 (23.3.1922)
- Date
- 1922-03-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3062972-3063949-3063956--11660-3079075- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 7 Seite 1A Die Wahrheik Jossf Weiß, Frau Marie di ü jb n e r; als bisherige 'Beiräte fuUgierten die Herren Fralrz B o s ch a u, David G o l d m a n n, Adolph W e i ß, Norbert -W v r t m a n iu Eine ldb'hafte Wechselrede kltüpfte sich an den Antvatz des Borstanides au!f Erhöhung der Jahresbeiträge. Als niederster Beitrag für ordenitliche Mitglieder wltrdeu festgesetzt K 500.—, Kr unteristützende Mitglieder L 2000.—. Gegenstand eiUgeheud'er Evörtertntg, an der sich unter anderen Frau Dog. G rün fe-ld . und Herr Kultusrat Schwarz beteiligtetl, bildete ein Vorschlag 'des Herrn Silbe rschatz für die Sanierung der Kuiktnsgemernde -und damit ihrer WdhlfahrtsaNstailten. - Der Antrag soll zwecks weiterer Behandlung 'der Bereinsleitnüg'zugeführt werden. Nach Schlich der Generalversammlung hielt der Obnrann deir langeMudiigt^n Bortrag: „Aus der Geschichte einiger tsr. WohlfahrtsanftaMn Wiens", den wir an einer anderen Stelle dieser Nummer veröffentlichen. Der angeregt verlaufene Abend dürfte in allen Teilnehmern die Empfindung hinterlassen haben>, daß an einem so edlen und notwendigen Werke, wie das der „Wohlfahrt", nach Kräften mitzuarbeiten, Pflicht jedes Menschenfreundes sein muß. Oberrabbiner Webers Stellungnahme zur jüdischnationalen Politik. Bei feiner Anwesenheit in Wien äscherte sich der vv!U der „Wiener Acorgenzeitung" bestgehaßte Obervalbbiner Weber zu. eftrenr Mitarbeiter der „Jüdischen Presse" in rein fachlicher, die Verhältnisse oernun'ftmäßig erfassenden Weise über die Gefährlichkeit der jüdischnationalen Bestuebmrgen. Er verwies zunächst mrs das Bedenkliche, nativunle Minderheiten zu systemisieren und sich von der Staatsmajorität loszusagen. Er führte dann ans: Wir orthodoxe Juden haben es immer offen verkündet, daß das unzerreißbare Band der Thora alle religiösen Inden zu einer Eircheit nmschliießt und kein Staat und kein noch so chauvinistischer Politiker konnte dagegen etwas einwenden, denn kein Staat kann und darf sich nach Konfessionen gliederet. Und ebenso wie kein Staat etwas dagegen hat, wenn ein Teil seiner Bürger sich zum katholischen Glauben bekennt und ans Grund dieses katholischen Glanbensbekenntniffes sich als Teil der katholischen Welt betrachtet, ebenso hat der Staat kein Interesse daran, die nach dem mosaischen Religionsgesetz lebenden Bürger daran zu hindern, sich als Teil der rstigiösen jüdischen Gesamtheit zu fühlen. Ob die allgemeine Situation des Judentums, wenn der Plan., von dem die Zionisten sprechen, sich an Stelle der religiösen Genreinschaft als nationale zu repräsentieren, gleichbleiben würde, ist unseres Ermessens zum inbestens zweiselhaftgrnd geeignet, jeden uni die Zukunft des Judentums besorgten, seiner Verantwortung ibewußten Führer stutzig zu »rächen. Die Judenheit der ganzen Welt ist England für seine in dem letzten Jahrhundert befolgte judenfrenndliche Politik zum größten Dank verpflichtet. Wir alle mrerkennen es vorbehaltlos, daß England sich inuner der Inden angenommen, wo immer ans dem Erdenrund Juden getrennt winden, war es England urid das Englisch sprechende Amerika, das der Judenheit zur Hilfe geeilt ist, und es hat daher müt Recht bei der ganzen Judenheit Freude und Genngtuimg ausgelöst, daß England das V^andat über Palästina. erhalten hat.- Doch eines möchte ich in aller Bescheidenheit den englischen lÄaatsmännern der Aufmerksamkeit einpfehlen. Was Gott den Juden genommen rurd ihnen nicht geben i.vill, kann auch die Weltmacht Englands, auch der mächtigste Völkerbund den Juden nicht geben. Wir orthodoxe Juden stehen auf dem Baden 'der heiligen Bibel, in der geschrieben steht, daß bei Vernachlässigung der jüdischen Glaubenssatzungen der Boden Palästinas den Juden nicht ertragen kann. Kein Jude, der sich gegen das jüdische Siittengefetz vergeht, hat für die Dauer iu Palästina Platz. Wer den Boden der Bibel verlassen hat, hat aus den Boden Palästinas kein Recht, am allerwenigsten ein historisches Recht, und w i r h o s f e n z u v e r s i ch t l i ch, da ß d a s b i b e l v e r - e h r e n d e E n g l a n d, der ausder G rundlage d e r B i be l st e h e n d e n O r th vd o x i e schl re ß li ch und endlich Gerechtigkeit widerfahren l a s s e n w i r d. Polnisch-ukrainische Akohrenwäsche. Die „Wiener Mittagszeitung" berichtet in ihrer Ausgabe vorn 8. d. M.: ,Wir haben kürzlich ein Interview mit dem hiesigen polnischen Gesandten veröffentlicht, das sich mit denr Verhältnis zwischen Polen und Judeir beschäftigt. Die Westukrainische Preßagentur fühlt sich berufen, zu deu Aeußeruugen des polnischen Gesandten Stellung zu. nehmen und hat uns eine Zuschrift gesiandt, die 'sich ans die Aeußernngen des Herrn Graferr Lasoc >k i 'bezieht. Aus dieser Zuschrift veröffentlichen wir nunmehr jene Stellen, die die llkraine wirklich angehen. Die westukvailrische Preßagentur schreibt unter anderem: Was aber die Judenpogrome in Lemberg 3918 a»belangt, so nmß betont werden, daß, solange die rtkrainischen Trupperr in Lemberg warerr, irr dieser Stadt keine Judenexzesse vorgökommen sind. Da es in einem kurzerr Aussatze nicht möglich ist, die furchtbaren Details dar Judenmetzeleien vonr Noverniber 39l8 wiedevzugeben, verweise ich rrur ans das dom jüidschen Nati Dualrate seinerzeit herausgögeberre Buch „Judenpogrome in Lemberg", worin das ganze Material samt Photographien reproduziert wurde. Diebreite Oefsentlichkeit möge nun «beurteilen, ob der polnische Gesandte das moralische Recht hat, die schreckliche Schuld der polnischen Soldateska auf die angeblich von den ukrainischen Truppen bsfteiten zSbräslinge" abzuwälzen, llebrkgens muß bemerkt werden, daß» die Ukrainer irr Lemberg keine Sträliuge fteigelassen haben. Die polnische „klutersuchuug" in einer derartigen Angelegenheit — eine Untersuchung „judicis iu causa sua" — ist erst nach Jahren (im Jahre 3922) abgeschlossen worden und niernand wird sich darüber wundern, daß dieselbe unter den Schuldigen an den Judenpogromen selbstverständlich llkrainer, ja sogar Juderr gefunden hat." Der eifrigen polnisch-nkrairriichelr Mohrenwäsche Bedeutung liegt Wohl darin, daß K r a p u l i n s k r rurd Waschlapski sich von der Schwere ihrer Verbrechen und Knilturschan.de befreien möchten. Die Wahrheit ist, daß sie beide an. den begangenen Greueln ein vollgerüttelt Maß teilhaben. Darüber kommen sie mit den längsten Entschuldigungen nicht hiüweg. Juden als Minister. Aus Walter Rathenau, dein Alchenminister des Deu.tsche:r Reiches, folgte kürzlich in gleicher führender Stellung Senator Earlo Schauzer. Italien, als Hort der religiösen Freiheit, bot damit keine Ueberrasägurg, hatte es doch schon vor Jahrzehnten Luzatto das FinunzportLseutlle übertragen, gerade so tvre Cremieux seinerzeit — freilich lang ist's her — als Jude des Amtes eines Jlffdi-znriirifters würdig befunden wurde. Schon im Mittelalter wllvden in romanischen Ländern Jirdeur mtf hohe staatsmänuische Posten und zu. wichtigen diploumtischen Missionen berufen.. Ihre Klugheit pflegte den Völkern, deren Interesse sie vertrateir, stets Erfolge zu bringen. Purimbescherung. Wie alljährlich fand auch heuer im Bersovssuu-gshaus 9. Beg., Seegasse eine Purimfau-se statt, bei der all die alten imd siechen Insassen des Hauses die vom „SanierUlNgs-