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Die Wahrheit · 1922-03-23 · Heft 7 (23.3.1922) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 7 (23.3.1922)
Date
1922-03-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MaWnMeHelWrMIr MMeMerelsen- REDAKTION u ADMINISTRATION isl i Wir» 8., Hrirrestraßr LS XXXVIU. Jahrgang Wien, 23. März 1982 Nummer 7 Deutsche Juden in der Tschechoslowakei. Seit jcher war das deutschjndifche Element in der heutiger Tschecho-Slowatei ibosonders stark vertreten nnd für die Verbreitung deutscher Knltrrr von großer Wichtigkeit. Arr dieser Tatsache wird das Anfchwellen der nationaljüdischen Beilvegung, das iht der Tschecho-Slowakei irramro hin festzustellen ist, nichts ändern. Um einen numerischen Beweis dafür zu erbringen, erinnern wir an die Briiinrrer und Prager Knltnswahlen, bei ebenen trotz eifrigster Propaganda der Zionisten nNd trotzdenr diesen Organe Zur Verbreitung ihrer Jdeerr zur Berfügultg standen, was von der Gegenseite nicht behauptet werden kann, ein überwältigender Sieg der Doutfchjnden über die Nationaljuden zu verzeichnen War. Wohl können didse uns errtgegenhalten, daß sie bei den Gemeindewahlen ,/beinahe" ein Marrdat erhalten hätten, wenn nicht durch die verteufelte Wahlordnmrg eine bestimmte Anzähl von Stimnren, vorr denen 60 Prozent erreicht wurden, gefordert worden wäre. Mit diesem Einwurf wollen wir uns später »befassen. Vorderhand sei für die große Bedeutung der Juden für die deutsche Kultur auszugsweise ein Artikel „Im Kreuzfeuer der Nationen" wiedergegeben, der in Nummer 1 unseres Prager Schwesterblattes „Die Wahrheit" erschienen ist und aus der Feder des Herrn Dr. Georg Mannheimer stammt. Dieser schreibt: „Vielleicht ans keinem Fleck der Erde steht der Jude so mitten drin im erbittertesten Kreuzfeuer 'zweier Nationen wie in der Tschecho-Mowakei. Hat er 'anderswo in vöNsch-hvmogeiten Gemeinschaften nur an dem Fluche der großen ,/BrUderkvankheit" — wie Heine das Judentum Nennt — zu tragen, so wird ihm hierzulande gewissernmßen noch ein zweiter gelber Fleck eingesetzt: eine Nation schiebt ihn der anderen zu, belastet ihn mit dein Vorwurf des nationalen Gegners, mit dem OdiUm des Sekundanten >des Gegenparts. In den Augen der Tschechen — von wenig weltbnrgerlichen Ausnahmen abgesehen — ist der Jude ein 'germanisierendes Clement, ein Schädling, der seine Kinder lieber in deutsche als iht tschechische Schulen schickt, ein Provokateur, der den tschechischen Charakter der Reichshauptstadt durch sein zähes Festhalten an deutschen Bildungs-, Kultirr- und Knnststatiten schmälert. Wrrd doch in Prag der Ausdruck „Deutscher" und „Jude" — „nemec" nnd „zid" — fast identisch gebraucht." Dr. Mannheimer berichtet dann über die tschechischen Juden — selbst diese haben bei den Prager Kultuswahlen besser abgoschnitten als die Natronaljuden — die in ehrlicher Weise ifiir die tschechischen Forderungen eintraten, ja sogar bei den emineNt nationalen Organisationen, wie zum Beispiel in dem Sokol, mitwrrkten, und sagt weiter: „Zu diesen jüdischen Tschechen, die schon vor dem Umsturz ihr Tschocheutum in der Hauptstadt und in der Provinz rrmner betorrt haben, gesellte sich seit und nach den — wenn auch durchaus 'unblutigen, so doch immerhin ansregenden — Tagen der Gebnrtsstnnde der tschechoslowakischen Republik eine nicht 'lmechelbliche Zahl bislang politisch neutraler Inden, die — insbesondere in Prag vornehmlich aus Furcht vor dem leicht aufgewiegelten nationalistischen Mob — plötzlich „Oktobertschechen" oder „Oktoberzionisten" wurden, welche Erscheinung ja nur eine ParallÄerscheiunng der „Oktoberfozialisten" ist." Hier haben wir die Erklärung für die Zuuahnre der Macht, aus die sich die Nativnaljnden in der Tschecho-Slowakei stützen zu 'können glauben. Es Waren hauptsächlich Mitläufer, die bei den Gemeindowahlen ihre Stimme fiir die zionistische Liste abgaben. Eine ähnliche Erscheinung konnten wir ja -auch bei nua in Oesterreich beobachten. Auch bei uns gab es „Oktoberzionisten" und Herr Stricker glanjbte, in Unkenntnis der Wandelbarkeit der Psyche der Wähler im allgemeinen und der jüdischen Wähler im besonderen, auf lebenslänglich einen Sitz im Parlament okkupiert zu haben. Das Bild änderte sich, .als >bter durch Tiraden m der Morgenzektung" und ähnlichen Humbug gerrährte Rausch verflogen war, und ebenso wird sich das Bild in der Tschecho-Slowaikei, besten sind wir sicher, ändern, nicht zum Schaden der jüdischen Bevölkerung. Es ändert sich übrigens schon, denn nach der Volkszählung bezüglich der NationalitäteNverhältnisse in Prag gibt es in Groß-Prag 31.752 Juden der Konfession nach (geigen 29.107 im Jahre 1910), zur jüdischen Nationalität haben sich nur 5959 Juden bekannt. Zn diesem aiiffallenden Ergebnis schreibt das „Prager Tagblatt" in seiner Ausgabe vom 9. d. M.: „Es ist interessant, daß sich, trotzdem bei den letzten Gemeindewahlen von jüdischen Wählern etwa 60 Prozeirt jüdisch gewählt hatten, bei der Volkszählung, die znm ersten Male die jüdische Nationalität registrierte, nur etwa der sechste Teil aller Inden, irrt -ganzen 5959, znp jüdischen Nationalität bekannten." Ulld weiter: „JnteiT esfant ist, daß sich die Abnahme der Deutschen (5454) fast genau mit der Ziffer jüdischer Nationalität deckt, die irn Jahre 1910 noch nicht anerkannt war." Dr. Mannheimer »kommt nun. ans die Deutschjuden wie folgt zu sprechen: „Ist es also zweifellos unrichtig und tendenziös, den Juden iU der Tschecho-Slowakei geireräliter als germanisierendes Element hinzu stellen, so entspricht es doch den tatsächlichen Perhältnisfen, daß die Inden an der national am meisten exponierten und empfindlichsten Stelle die Träger des Deutschtums sind. Die deutschen Inden Prags, die seit den letzten Dezennien des vergangenen Jahrhunderts zahlenmäßig, kulturell und wirtschaftlich die eigentlichen Pfeiler des Deutschtums in der Hallptstadt gebildet hakten und mit einer Opferwillig-

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