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Die Wahrheit · 1922-01-26 · Heft 3 (26.1.1922) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 3 (26.1.1922)
Date
1922-01-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MaWnMeZelWrN für KMeMeEn REDAKTION u ADMINISTRATION Wir» 2., Heinestr«ßr 13 XXXVIII. Jahrgang Wie», 26. Jänner 1922 Nummer 3 Vom Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. (Schluß.) Leider können wir wegen Mangel <m Raum die groß angelegte Rede des Syndikus Dr. Ludwig Holländer nicht zur Gänze Wiedergaben und «beschränken uns deshalb auf jenen Teil seiner Ausführungen, der sich mit den führenden Männern des Antisemitismus 'kritisch befaßt. Diesbezüglich sagte Dr. H o l l änder: „Es muß, um einmal zu einem einigermaßen abschließenden Ergebnis zu kommen und den Dingen etwas tiefer als üblich auf den Grund zu gehen, «die grundsätzliche Einstellung der 'antisemitischen Ausführungen zum Gegenstand der Erörterungen gemacht werden. Bei den deutschnationalen Politikern kommen die Juden deswegen so schlecht weg, weil diese Politiker einen verhängnisvollen Nebensinn in das gute Wort „national" hineingetragen haben. Was die Juden diesen Gegnern hauptsächlich vorzuwerfen haben, ist Falschmünzerei in bezug auf Begriffe. Die sogenannte nationale Haltung wird bei den Juden deswegen vermißt, weil ihr Wesen ans der einen Seite international, auf der anderen Seite nur durch den Eigennutz getragen fei. Die erste begriffliche Falschmünzerei i st di e, die in dem Worte international liegt. Ludendorff hat neuerdings für das Wort international den Begriff „volkstnmzersetzend" gebraucht. Andere gehen viel weiter und setzen international mit landesverräterisch gleich. Schon Hermann Steinthal, der bekannte Gelehrte, hat erklärt: „So wollen wir denn nicht stolz fern auf unseren Doppeladel: aber von der Verpflichtung, die wir am Sinai, die wir auf Zion übernommen haben, können wir nicht lasten. Am Ende verzeihen uns unsere christlichen Mitbürgerauch unsere „unschädlichen Einbildungen"; schlimmer in ihren Augen wird der Vorwurf fein, daß wir international sind. Ich will dieses Wort.nicht erklären; ich will nicht den Schein erregen, als wolle ich Worte klauben und Sophiftik treiben. Also sage ich lieber: Wie oft haben wir uns gerühmt, daß wir in diesem Jahrhundert auf jedem Schlachtfelde, auf welchem vaterläirdisches Blut floß, nvitgekämpft, mitgeblutet haben! Rühmen wir uns nun doch auch einmal des Gegenteils. Ging denn nicht von Zion aus die Lehre vom ewigen Weltfrieden, wo die Völker als Brüder ruhig mit- und durcheinander leben? Das Judentum ist international, wie die Humanitär es ist." ' „Volkstumzersetzend" heißt nichts anderes, als die Kräfte, welche sich im gesamten Volkskörper staatlich und kulturell rein auflösend betätigen, fördern. Gewiß gibt es Juden, welche sich nach dieser Richtung hm schwer verfehlen, wie es ja auch Nichtjuden, die dies tun, in verhältnismäßig ebenso großer Anzahl gibt. Mögen einzelne gehandelt haben, wie sie wollen, wer das Judentum kennen lernen will, muß es kennen in seiner eigentlichen Prägung und nicht nur in feinen Mißbräuchen. Der Mammonismus des Judentlmls wird als volkszevsetzend bezeichnet. Ein altjüdisches Sprichwort ist es, das sagt: „Ernähren soll sich der Mensch, a b e r s i ch n i ch t töten," dasheißtersollsichnichtsoern ähren, daß e r d a r ü b e r s e i n s i t t l r ch e s S e l b st t ö t 6, s e i n e wahre Persönlichkeit verliere. Ein alter Römer aber ist es gewesen, der »das Wort aussprach: „Das Geld macht alles gleich; soviel du hast soviel bist du."*s Für die Inden hat aber von jeher der Wert des Menschen im Geist, im Charakter und im Gemüt gelegen, er ist unabhängig von den Marktpreisen und vom Kurszettel. Wenn man in unseren Schulen heute zu den jüdischen Knaben sagt: „Dieses Land deines Vaters fft nicht das Land deiner Väter," dann bestreiten wir das und sagen: „Es ist vielleicht nicht das Land unserer Urväter, wohl aber das Land unserer Väter" und fügen hinzu: „Umso dankbarer mußt du dem Volke sein, in dem du labst." Viele andere aber verlangen keine Dankbarkeit, fottibem sie verlangen, daß die Juden ihr Judentum aufgeben, aufhören, Jude zu fein, daß sie im deutschen Volke restlos aufgehen, wie sie es ausdrücken. Die Juden aber können darauf nur entgegnen, daß genau dem Stolze des deutschen Adels, dem Stolze des deutschen Bürgers und Arbeiters entsprechend sie sich den Doppeladel als Deutsche und Juden nicht nehmen lasten. Darum zerfetzen sie nicht das deutsche Volkstum, sondern sie heben es. Wenn die Bayern auf chre Eigenart stolz sind und sie sich erhalten wollen, dann bezeichnen die deutschnationalen Blätter sie nicht etwa als schlechtere Deutsche, sondern als besonders gute Deutsche. Wenn die Inden dasselbe tun und aus geschichtlichen Gründen, aus Gewistensgründen an ihrem «alten Glauben festhaften, dann werden sie als volkstumzersetzende Elemente bezeichnet. Ludendorff sagt: „Das deutsche Volk hat sich willig volksfremden und namentlich indischen Einflüssen hingegeben, die dem germanischen Wesen völlig zuwiderliefen. Das war um so gefährlicher, als das jüdische Volk selbst — um ein Volk handelt es sich in den Juden — ein stark ausgeprägtes Volksgefühl und einen starken Erwerbssinn besitzt." *1 Wichtige Aufschlüsse hierüber gibt Adam Röber: „Region ' nnd Antisemitismus", Preis 13.50 M,zu beziehen durch den Philo.Verlag.

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