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Die Wahrheit · 1922-01-01 · Heft 1 (1.1.1922) · page 3

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1922
Issue
Heft 1 (1.1.1922)
Date
1922-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MaWnMe ZeWrss^ur MMe Interessen Mir« 8., Aeinestratzr IS XXXVM. Jahrgang Wie», 1. Jänner 1932 Nnmmer 1 Chanuka. Bon A. @> o f b<&<er-g er, Chanuka in Rußland abends wird das erste Chanukälicht angezündet. Seine In einem kleinen Städtchen in Rußland. Finstere Kislevnacht. Heulend weht der Sturm. Er trägt den Schnee non Dach zu Dach, Non da zur Erde. Hügel entstehen, große, Neide iimb a-anz kleine. Sie scheinen wie Grabhügel, Massengräber, Gräber für Große und Gräber für Kleine. .... Am Ende des Städtchens steht, ein kleines, verlassenes Hänschen mlit sintzebrochener Tür und., zerschlagenen Fenstern. Das Innere leer und verwüstet.-Am Festster steht die starre und blasse Gestalt eines armen Fitdsn mit einer weißen Schichte. Düster und traurig starrten seine Augen auf die Straße. Er schien mit Interesse die Arbeit des Sturmes zu verfolgen. Er heftete seinen Blick so lange aus einen Hügel, bis dieser die richtige Form eines Grabes erhiielt. Dann erzitterte sein ganzer Jürper — ein Stöhnen kam aus seinei- Brust und seine'Augen gingen suchend weiter. Da, wieder ein fertiges Grab. Er schäute und zählte weiter, bis er zur Zahl acht kam. Das achte war das kleinste Grab — das Grab eines kleinen Müdes. . . . Bor vier Wochen zog er. mit einem schweren Bündel aus dem Micken, von hier aus, um Kr seine Frau und seinensieben Kindern Wintebbrot und Winterkleider zu verdienen. Als er zum^Abschied Frau und Kinder küßte, versprach er, zum ersten ChanulkaUchttzüntden zu Hause zu sein. Nach wochenlanger Wanderung von Ort zu Ort verkaufte er den Inhalt seines Bündels -und verdiente das Wintevbrot und die Winterkleider für die Seinen, die er in dem leergewordenen Bündel mitbr achte. Die Mühe und Mage seiner Wanderung erleichterte und versüßte er sich mit dein Gedanken an die vor Freude strahlenden Gesichtchen seiner Kinder, wenn sie in neuen warmen Kleidern nur der bremiendvn Menora stehend das ..Maos zur" fingen werden. Doch, je näher er zu seiner Heiinat kam, desto schwerer wurden seine Füße. Schon in weiter Ferne schwirrten schreckliche Gerüchte umher, und je näher er An seinem Orte kam, desto festere Gestalt nahmen diese Gerüchte an. Pogrom! Münderung und Tod! Me IMen tot! Alle? Nein, die Seinen leben! Sie leben sicherlich! Das kleine Häuschen mit seinen vergessenen Bewohnern am Ende der Stadt — haben auch sie vergessen! Er lief, was er konnte. Oft siel er ohnmächtilg nieder im tiefen Schnee, doch stand er wieder auf und lief weiter. Nur schnell Nach Hause kommen! Es wird spät. Heute Kinder warben und halten: Ausschau nach dem Baker. Er muß kommen — er hat es ihnen ta versprochen! Er lief weiter — es wird immer finsterer —- das Gestöber treibt ihm den Schnee ins Gesicht — er sieht nicht, wo er geht, und weiß nicht, wo -er ist. Plötzlich steht er -vor seinem Hause. Die Tiir stand offen, die Fenster zerbrochen, darin alles leer — leer — tot! Tot ist alles — auch die Seinen! Und er starrte hinaus durchs zerbrochene 'Fenster ans die weißen. Hügel und zählte bis acht — das achte war das kleinste — dort liegt sein Jüngstes, Malkele, sein Liebling! Mit starrer Hand öffnete er sein Bündel, entnahm ihm die mitgobrachten Kerzchen und stellte sie -Äff das Fensterbrett. Acht Stück stellte er aus. Dann entzündtee er den Schamasch und wollte die 'Bevacha saget!. Sein Atem stockte, es kam ein Laut Es seiner Kehle. Halb bewußtlos zündete er alle acht Kerzchen -an und stammelte: Das sind die Seelenlichter der Meinen! Lebet im ewigen Lichte einer besseren Welt! . . . Dann fiel er bewußtlos nieder aus sein Bündel, Und der Sturm trieb den Schnee durch das zerbrochene Fenster und es bildete sich ein neuer Grabhügel — der nennte. ... Makkabäer Helden. Es stürmt der Feind, der Feind an großer Zahl und Macht. Er stürmt die Festung, an der er Bresche an Bresche schlägt. Immer größer wird di!e Zahl der Küwpser, die durch die Breschen und über die Mauer stürmen. Die Festung -schien zu fallen. Da zog der Befehlshaber sein Schwert und ries seinen alten Getreuen zu: Mir nach! . . . Und der Feind wurde vertrieben und geschlagen! . . . . . . Und bei seiner Menorah ans Nußschalen stand der Talmudjünger und lächelte dem ersten Lichtlein zu das er zur Feier des Chanukafestes langezündet hat. Dieses Flämmchen war auch sein Siiegesseuer! Seit einiger Zeit stand sein Gewissen im schweren Kamvfe mit der Außenwelt. Die Versuchung, der große Feind der Menschheit, rückte -mit einer großen Schar Kämmer an ihn heran. Der Feind hatte die besten Generäle mit. die da hießen: Gesellschaft, Lektüre, Kunst. Liebe -und Freundschaft.. Sie stürmten -mit den besten Waffen aus ihn ein. Sie schlnaen Bresche an Bresche in seine Seele! Und als der Feind den letzten Entscheidungsschlag führen wollte, da zog er sein Schwert, das den Namen „Glauben" führte, aus der Scheide und es siel sausend auf den vielköpfigen Feind, der vollständig und für alle Zeiten -geschlagen wurde! . . . Nun sang er fröhlich sein „Moaus zur jeschuossi!" . . . .... Bei einer kleinen, aus Blech geformten Menohra

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