Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 24 (8.12.1921)
- Date
- 1921-12-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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, »«iss'?»*; MMänLMZelMrN für |(mnf 48-3-16 MMeMerelsen- REDAKTION «-ADMINISTRATION Mir» 3.» Keinrstraßr HL Wien, 8. Dezember 1921 Nummer 24 XXXVII. Jahrgang Wiener Kultusgemeinde. Von Zeit zu Zeit leisten «sich «die jüdischnationialen Demagogen in der Talborftraße ohne irgend begreifliche Veranlassung Ausfälle gegen die Wiener israelitische Ge- NMindevepräsentanz, wobei des langen und breiten entwickelt wird, daß die Vorftandsmchrheit 'abgrundschlechte und zur «Führung dies Amtes unfähige Menschen sind,- von deren dunklem Hintergrund umso 'leuchtender sich die Jdöallgestalten der jüdischnationalen Vorstandsmitglieder als Führer und Erlöser der schmachtenden Großstaidtjnden und der zus-ammenbrechenden Gemeinde -abheben. Die Neigung der Jüdischnationälen, die sich gebärden, -als ob man sie gewaltsam am' Rettuingswerke hindern würde, und die alles außerhalb des Kliin-gels'Stehende vemrnglimpfen, verdichtet sich bei der „Morgenzeitung" bis zum Triebhaften, dem sie mitunter auf Kosten der Wahrheit und bloß im Rahmen ihrer Parteipolitik fröhnen muffen. Am 22. v. M. hatten diese Herren wiieder einen ihrer schlimmsten Tage. Sie bekamen es mit der Wahlreform zu tun, und.m einem solchen Falle werden sie immer pathologisch, eines klaren Gedankens und richtigen Ausdruckes unfähig. Am erwähnten Tage hob der Sänger des Wahlkampfes folgendermaßen an: „Nach hartem Kampfe ist es der zionistischen Minorität gelungen, den nicht jüdischnationalen MajoriMsklub zu offener Stellungnahme in der Wählrechtsfrage zu zwingen." Hier stockt der Leser schon, weil er sich der denkwürdigen Borstandssitznrlg („Der Nachtvorstellung zweiter Teil", Nr. 23 der „Wahrheit") erinnert, in welcher sich die jüdischnationalen Herren dem Beschluß, die Wahlreform «einem Ausschuß zu überweisen, wenn auch notgedrungen, anpaßten. Dieser Sieg wäre schon in der ersten Nachtvorstellnng zu erringen gewesen, in der die Vorstanidsmehrheit einen 'gleichen Antrag in „offener Stellungnah-me in der Wahlrechtsfrage" ei-nbvachte.- Bon einem „Zwange" kann sohin in keiner Weise die Rede sein. Das wäre «Merdings nicht «die erste Unrichtigkeit, deren sich die politischen Zionisten in Wort und Schrift, in Versammlungen und Presse bereits schuldig gemacht haben; weshalb es «Mch überflüffig wäre, sich darob auszuregen. Es ist zwar kein schweres Leid, von der „Movgonzeitnng" angegriffen zu werden, sonst «könnten sich die bösen Affimilanten damit trösten, in solchem Leid sehr achtbare Genoffen zu haben. .Mit dem gleichen Federzug, der «die affimÄatorischen Vorstandsmitgliedior vernichten soll, wird zu schweren Streichen gegen die orthodoxen Vertreter P>ap penh eim, Bond y und März ausgehekt, weil sie mit den AssimVanten gegen die Wahlreform gestimmt haben. Und da es schon „in einem Aufwaschen" geht", bekommt auch das Zentralorgan der Orthodoxen, «der Frankfurter „Israelit", seinen Text, weil er irrtümlich die aufreizende Meldung verschuldete, daß die orthodoxen Vorstandsmitglieder geschloffen mit den Zionisten für die Wahlreform stimmten. Es wäre ein schönes Stück gewesen, wenn man es nur auch gespielt hätte. Wir verstehen deshalb den Schmerz der „Morgenzeitung", müssen ihn aber gleichwohl verschärfen durch «di« Mitteilung eines orthodoxen Blattes („Jüdische Presse", Ausgabe Nr. 44), welches zu dieser Angelegenheit eine Aufklärung gibt, Me eigens für die Adreffe der Jüdischnationalen geschrieben ist, daß „vor der Wahlreform dringendere Angelegenheiten der Erledigung harren, da heute die Gemeinde sich iü einer großen Notlage befinde und wohl zuerst finanziell Ordnung zu schaffen sei". Weil nun die Orthodoxen die dringenden Angelegenheiten, insbesondere die «große Notlage der Gemeinde voranstellen, «also von der unfruchtbaren Ideologie abrücken und sich aus realen Boden stellen, muffen sie ein voll-gerüttelt Maß jüdischnationaler Entrüstung über sich ergehen laffen. Sie tragen es «aber mit Anstand und Würde, gleich den verruchten Affimilanten, die so verblendet sind, gangbare Wöge ansznsuchen, auf denen man dem Hunger und Elend der Beamten, Lehrer und jüdischen Wohlsahrtsanstalten abhelfen kann. Und da wir nun einmäl dieses'Thema behandeln, fei unumwunden erklärt, daß die Wiener Kultusgemeinde nahe vor dem Zusammenbruch ist, für welche Katastrophe den Jüdischnationalen Merdings Verständnis - und Empsindung zu fehlen scheinen. Denn keiner ist sich darüber klar, was vom Standpunkt des Judentums im Mgemeinen der Zusammenbruch der größten und ältesten Gemeinde Oesterreichs in seinen Folgewirkungen zu bedeuten hat. Die Jüdischnationalen rücken um kein Haar breit von ihrer verbohrten Parteipolitik und beschuldigen die Gegenpartei, «den Ruin der Gemeinde zu verschulden. Gleichwohl müssen sie sich den Beschlüssen der Vorstandsmehrheit unterordnen iwtib aus diesem stillen oder lauten Krieg der Parteien resultiert der Zerfall der Gemeinde, an dem aber keine der Parteien schuld wagend sein möchte. Von mancher Seite wird auch dem Niedergang der Bearnteneiinfluß, ganz besonders die Tätigkeit des selbstbewußten «Sekretärs Fuchsgelb, als Motiv unterschoben. Ans all diesen Tatsachen resultiert nur «das eine Betrübende, daß man das schreckliche Ende nicht zurückftellen kann, sich aber danrit begnügt, für den Tod des Gemeindewesens die verschiedensten Ursachen glaubhaft zu machen. Und'somit ist es begreiflich und begründet, wenn einer der tüchtigsten und rührigsten im Vorstand der Gemeinde, Herr Vizepräsident I. Glück, von seinem Amte bereits zuvückgetveten ist und das Schreckbild eines Regierungskommiffärs in der Seitenstettengaffe sich der Bildfläche bedrohlich nähert. Bei einem gewissenhaften Zusammen-