Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 21 (27.10.1921)
- Date
- 1921-10-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Mit i Rr. *1 Hll g«ti|«U affimilimtischer Seite, unseres Wissens, nie geschehe«, wohl aber wird die Deklaration verschiede!» interpretiert. D. Red.) Die Frage des Gegenwertes aber ist es, die jetzt anstaucht: was hat der Zionistenkongreß als Vertreter des zionistisch organisierten Teiles des jüdischen Volkes dem -britrschen Weltreich als Gegcnlristtrng für die in Palästina versprochenen Bolksrechte zu bieten? ES hieße, sich müßigen Mutmaßungen hinzugeben, wollte man am Anfänge des Karlsbader Kongresses sich bereits Prophezeih ungen über seinen Enderfolg (oder Mißerfolg) hingeben. Die nächsten Tage werden «inen jeden, der an der Judenfrage und ihrer Äsung unmittelbar oder mittelbar Interesse hat, darüber belehren. Eine amtliche Kundgebung der britischen Regierung wird bei der Eröffnung des Kongresses erwartet. Die Frage, ob Professor CH. Weizmann, der jetzige Präsident der Weltorganisation, oder Lord Rothschild, der englische Geldfürst, den Vorsitz sichren werden, oder beide, wird gleich anfangs entschieden werden. Eine merkwürdige Frage, jedenfalls, die sich kaum in einem modernen Parlamente der Welt wiederholen dürste. Hat schon jemand Hugo. Stinnes, den deutschen Milliardär, zum Präsidenten -des deutschen Reichstages vorgeschlagen? Oder John D. Rocke'-'.ller zum Sprecher des Kvngtesses in Washington? Das zeigt immer noch sine verhältnismäßige Anbetung des Geldreichtums bei den Nachkommen derer, die umS goldene Kalb tanzten, während der große Gesetzgeber im heiligen Zorne die Tafeln deS Gesetzes zerbrach.... UeberdieS ist auch Präsident W e i zmanns Anspruch auf die Führerschaft strittig, Professor O. Wa-rburg aus Berlin war der letzte rechtmäßig vom Kongresse in Wien erwählte Präsident der Organisation. ES wäre viel besser gewesen, den weltberühmten Pariser Schriftsteller Dr. Max Nordau mit der Eröffnung dieses wichtigsten aller Zionisten-Kongreffe zu betrauen. Dr. Nordau hat seit dem Tode des großen Begründers der Zionistischen Bewegung, Dr. Theodor Herzl, alle Kongresse bis zum zehnten, geleitet. Seit damals ist er aber offiziell nur selten mehr als Zionistenführer hervorgetreten (weil er sich mit den Zielen der neuen Führung, die nur wenig vom Geiste Herzls durchdrungen ist, nicheinverstanden erklärt. D. Red.). Darnach Ware es seitens der Leitung apolitisch klüger gewesen, der Außenwelt eine«, klaffenden Riß in den festgefügten Mauern der Weltorganisation nicht vor die Augen zu führen. , Und dieser Riß ist nicht der einzige. Der jüngste Besuch Professor Weiz^anns in den Bereinigten Staaten hat auch die amerikanische Zionistenorgamsatio» in zwei Gruppen gespalten,, von denen die einstmals vorherrschende, unter der Führung des Bundesrichters Brandeis, zu denen Männer, wie Richter Julien W. Mack, Professor Felix Frankfurter, Anwalt Philipp P. Pregstone und qndere wichtige Personen im amerikanischen. öffenÄichen Loben gehören, die Beteiligung am Karlsbader Kongreß mtschisden abgelehnt hat. Diese Partei hat eine neue Organisativn „Association of Paleftine", begründet, welche unabhängig von der amerikanischen Zionistmorganisatio» ihre Arbeit in Palästina führen wird. So zeigt sich am Vorabende des Karlsbader Zwniftenkongresses eine bedenkliche Spaltung in den Reihen der einst einigen Streitkräste. - Epilog. Der XII. Zionistenkongreß bot zur Ganze ebr B8d beklagenswerter Zerfahrenheit. Das erlassene Manifest ist eigentlich ein Hilferuf in schwerer Rot aus denn immer stellen, und lud den Graveur nach StMowitz, um sein oberhalb des Schloßtovos befindliches große Wappen getreu zu zeichnen und darnach den bestellten Siegel zu gravieren. Herr Stemgraber machte einen Spaziergang nach dem nahen Sdablowitz und zeichnete 'den Wappen tadellos ins Notizbuch üin. Der Baron lud bei dieser Gelegenheit Herrn Sterngrober zur Besichtigung seines prachtvollen Gartens ein und Überraschend wirkte die mannigfaltige Vegetation des bekannt schönen Parkes auf Stemgraber. Besonders entzückte ihn der schöne Palmenhain, in welchem hohe Lülows m verschiedenen Größen den Besucher grüßten. Herr Stemgraber konnte sich von dieser Gruppe nicht trennen, was auch dem Baron auffiel. Er fvuy seinen Gast, weshalb er sich so sehr zu diesen Palmen hingezogen fühle. ,Ha, hochgeehrter Herr Baron, die Palme spielt zur Zeit unseres jüdischen Laubhüttenfestes eine bedeutende Rolle in den jüdischen Gotteshäusern. Die Palme symbolisiert mit ihrer Spitze, empor zu Gott unser Vertrauen, unsere Hoffnung zu setzen und gleich der tiefliegenden festen PalmenwurnÄ den angestammten Glauben zu wahren." . Diese Erläuterung wirkte mächtig auf das Gemüt des Barons. , „Sie haben rocht, lMer Freund, jeder halte treu zu feinem angestammten Glauben. Nun, Herr Stekngraber. Sie sollen die schönste Palme meines Gartens haben; mein Gärtner wird zur Zeit wo Ihre Palnvmfeste beginnen, dieselbe schneiden und aus meiner Hand werden S« diese Palme empfangen." Stolz, ob dieser zugeidachten Schenkung, kehrte Steintzvaber nach Haust. Vierzehn Tage vor Rosch-Haschonu war die. Troppauer Herbstmesse; Wollhändler und Woll-- käufer von vi-elen Ländern kamen nach der schlesischen Landeshauptstadt, die rituell spenden Juden waren als Gäste in der Restauration Stemgraber am Mittagstische versammelt, die von Biala-Bielitz, Leipnik, Bag-Ujhely und änderen jüdischen Gemeinden kamen. - Zu jener Zeit war noch jüdffche Lehr« und jüdifcheT Leben in unserer Mitte vorherrschend. Es faßen m Tisch Männer v^rch iüdischen Wissens. Es wurden Gesprächs Über jüdische Angelegenheiten und Gedanken ausgetauschk und hiebei bemerkt, daß in diesem Jahre in Ehsrvqim eine Mißernte war, demzufolge solche sehr schwer erhältlich find. Herr Steingraber, welcher bereits einen schönen Lulow gesichert hatte, wurde besorgt um die Beschaffung eines fehlerfreien Chsrogs für die junge krsierto Jsraelitengememde Trovpau. Zwei vornehme Gäste, die einige-Jahre hindurch äA Gesellschafter ein Wollgeschäst in einer ungarischen Stadt betrieben, trösteten Herrn Steingraber, tnfbcm sie sich erbötig machten, gelegentlich der Brunner Messe, welche nur einige Tage später stattfand, einen schonen Ehsrog der Gemeinde Trovpau zu besorgen. Wohltätig wirkte die Zusicherung aus Sttingrabers Herz. Diese zwei Herren erfüllten ihre Zusage, sie kaufte» in Brün» -für 60 Gulden Konv.-Müntze einen schöiren Ehsrog; sorgsam in Wolle und -in einem passende« Kästchm eingevackt, nahmen sie dieses teure Produkt mit nach ihrem Heimatsort. Herbst» iude wehten, die Sukkostage näherten sich der Baron in Stablowitz ließ vom Gärtner die schönste Palme schneiden, . entnahm, da bereits kalkt wurde, der Garderobe den Seidentalles, den er gleich einem Ober»