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Die Wahrheit · 1921-09-29 · Heft 20 (29.9.1921) · page 23

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 20 (29.9.1921)
Date
1921-09-29
Page
– (sequence 23)
Language
German
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Nr. 20 Die Wahrh eii Seite Sä s. £ Beweis der Sympathien zu LetraWen ist, deren sich der Bräutigam in diesen Kreisen erfreut. Auch die Ehess der Firma fanden sich zur Hochzeitsfeier ein. — Am seLen Nachmittag fand gleichfalls in diesem Tempel die Trauung des Herrn Ignaz B e ch i n s k y mit .Fräulein Therese Herz, Tochter -des Ehepaares Adolf und Regina Herz, statt. In seiner Ansprache an das junge Paar verwies Herr Rabbiner Dr. Funk , zunächst auf die echt jüdischen Tugenden der Brauteltern, sowie auf das erhebende FamMenleben im Hanse des Bruders und der Schwägerin. Leopold und Johann Her z, welche Vorbilder in das junge Heim zu übernahmen Sr. Ehrwürden wärmstens empfahl. Bei beiden Trauungen fungierte Oberkantor I. Giblichmann.! Kriegswaisenhaus der „Agudas Jisroel" m Bade« hei Wie«.' Herr Bernhard G o Idstein besuchte unsere Anstalt und spendete bei dieser Gelegenheit 40 Bettdecken, wofiir chm auf diesem Wege dich größte Anvr- Werbet Abonnenten für unser Matt! Auf(*uf! Heuer trat das Allgemeine österreichische israelitische Taubstummeninstitut“ in Wien, III.. Juchgasse 22. in sein 77. Schuljahr. Es ist das älteste jüdische Humanitätsinstitut in Wien. Jährlich werden und wurden durchschnittlich neunzig taubstumme Zöglinge beider Geschlechter aufgenojnmen, jährlich traten und treten durchschnittlich fünfzehn Zöglinge aus. um sich einem Berufe zu widmen. Hunderte unserer Zöglinge stehen als Beamte. Meister und Arbeiter Im Leben. Hunderte sind Gründer von Familien Und Erhalter ihrer armen Angehörigen geworden. Was früher Sorge und Kummer ihrer Eltern gewesen ist. wurde durch die erziehliche und unterrichtliche Tätigkeit des Wiener israelitischen Taubstümmeninstituts ein Segen und eine Freude. Aus dem ganzen Osten Europas und selbst aus Palästina strömen die armen taubstummen Kinder dem Wiener israelitischen Taubstummeninstitute zu. Hier lernen sie sprechen und von den Lippen lesen, hier werden sie so ertüchtigt, daß sie als gleichberechtigte Menschen in der Welt wirken und schaffen können. * Vor dem unseligen Kriege war unser Institut durch seine Fonds und Stiftungen von l>s Millionen ein reiches » Institut Jetzt ist es trotz mancher Spenden und Unterstützungen sehr arm geworden. Wir haben jetzt einen Jahresaufwand von mehr als 4 Millionen Kronen und zittern vor der stetig steigenden Teuerung. Die vierundvierzigfache Erhöhung der jährlichen Ausgaben von 90.000 Kronen im. Jahre 1914 auf 4 Millionen im Jahre 1921 ist gegenüber der mehrhundertfachen Steigerung aller Gehalte und Preise sicher niedrig. Wir nehmen jetzt auch von Zöglingen Verpflegsgebühren, aber dreißig Zöglinge, also ein Drittel derselben, zahlt gar nichts, ein Drittel unter und ein Drittel über die Hälfte der festgesetzten, verhältnismäßig nicht großen Jahresgebühr. Das israelitische Taubstummeninstitut steht also vor einer großen, ungedeckten Summe, die fast die Größe unserer Stiftungen ausmacht. In dieser Not und Sorge wenden wir uns in den Tagen der inneren Einkehr, da unsere Glaubensbrüder opfern und spenden, an alle, alle mit der Bitte, daß sie der armen jüdischen Taubstummen des Wiener Instituts mit Gaben gedenken. Der Allmächtige wird die Wohltäter und Gönner unseres Instituts in ihr§n Kindern segnen! Mit vielem Danke für den -Vorstand des Allgemeinen österreichischen israelitischen Taubstummeninstituts“ in Wien, III., Juchgasse 22: Dr. S„ Kronberger. Dr. Moritz Ludwig Weiß. Direktor. Mrttsident. Dank des liebenswürdigen Entgegenkommens deK Herrn Oberstabsarzt Dr. Chajes in Wien konnte der Ausschuß des Kriegswaisenfonds der Llgudas Jsroek durch Herrn Dr. Buttenwiesen fünfzW ukrainische Waisen, die vor kurzem nach Wien gebracht worden waren, ärztlich untersuchen lasten. - v Abgesehen von erheblicher Unterernährung N der Gesundheitszustand ber Kinder' im allgemeinen gut. Entgegen der in manchen Laienkreifen geäußerten Befürchtung über eine Zunahme venerischer Erkrankungen auch bei jüdischen Kindern in Polen und der Ukraine während des Krieges, ergab die Blutuntersuchung, die bei allen vorgenvnrmen wurde, daß sämtliche Kinder, auch in dieser Beziehung gesund sind. Die Blutuntersuchung wurde im Serotherapeutischen Institut Wien ausgeführt. Dr. Buttenwieser beabsichtigt rm November l. I. nach Polen und den polnisch besetzten Gebieten der Ukraine zu fahren, um die gesundheitliche« und hydienischen Verhaltniste an Ort und Stelle zu . 'üfen. . Nach allen Informationen besteht - leider ' kein ^Zweifel, daß die Zahl der ukrainischen Waisen' viele ß Tausende beträgt. Da der Transport dieser Kinder aus Polen mit Schwierigkeiten verbunden ist, bitte« wir die Familien, die in hochherziger Weise sich bereit er* klärt haben, für diese Waisen zu sorgen, sich noch einige Wochen zu gedulden, bis ihre Wünsche erfüllt werden können. Hingegen ist es dringend erwünscht, daß in der Zwischenzeit in allen Ländern, Städten und Dörfern, wo jüdische Gemeinden sich befinden, fleißig Geldmittel, Wäsche, Kleider usw. gesammelt werden, damit der Kriegswaisenfonds beim Eintreffen der Kinder, der großen Aufgabe, die er sich gestellt hat, gewachsen ist. Auch bitten wir weiterhin um Angabe an die Adressen des Kriegswaisenfonds der Aguda Ifrvel Halberstadt und Agudas Israel, Wien, 2t Sßej.; Malzgaste 12a, welche Familien bereit sind, durch Adoption oder Bestreitung der Erzichungsunkosten in Familien oder Waisenhäusern diesen unglücklichen Kindern- Äne Lobensmöglichkert zu gewähren Für die Ernährung der ukrainischen Flüchtlinge und Waisenkinder , wurde vorübergehend durch den Joint gesorgt, dessen weitere -Fürsorge aber bekanntlich in Frage gestellt ist. ' i

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