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Die Wahrheit · 1921-09-15 · Heft 19 (15.9.1921) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 19 (15.9.1921)
Date
1921-09-15
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Seite 14. . Nr. 19 Dir W ah r h e i 1 Berliner Kaffeehauses gesehen. Manchmal verliert er feine. ParMÄe und der Gegenstand wird ans ein persöw liches Geleise verschoben. Nicht mehr Inden und Deutsche, sondern Karl Kraus gegen Anton Kuh. Publikum entscheide, wer der bessere Mann, Der bessere deutsche Jude oder jüdische Deutsche ist! Auch Heine und Börne, Lass-alle und Walter Rathencm kommen unter das kritische Messer des Verfassers, der unverkennbar vom Geiste Nitzsches und Frank WödMnds beeinflußt ist, nur nicht von deren Klarheit und Stilreinheit. Altliberale und Sozialisten finden keine Gnade vor seinen Augen und von unmöglichen Voraussetzungen muß er notwendig zu absurden Folgerungen gelangen. Er -hat oft. lichte, das heißt nüchterne Momente,. wo er so manchem schönen, wahren Gedanken klare Ausdrucksform gibt, wenn er von dem Kriegsbegeistierungsdamnel der deutschen Juden 1914 sagt: „Das Tapfe^keitskreuz kühlte die Stelle, an der der gelbe Fleck noch brannte.". Mer so oft man glaubt, Kuh werde deutlich bleiben, trübt er wie ein Tintenfisch das Wasser um sich her und entzieht sich, dem Zugriff des vexierten Lesers. Nur zum Schlüsse stttrer forciert geistreichen Abhandlung erinnert er sich, daß er ja Men etwas sagen muß, das alle verstehen können, und das gelingt chm. Er bleibt wenigstens die Pointe der -langen Auseinandersetzungen nicht schuldig. Da können auch die Armen im Geiste mit chm gehen — oder auch nicht — wenn er resümiert: „Der Deutschenhaß — im Bmöde mit den besten Deutschen und gegen das allwirksam Preußische verstanden — ist ein Paradigma der jüdischen Pflicht, durch Gegensatzbewußtsein die Stimme des Blutes zu hören. Es war das Unglück dieses Volkes, daß es so viele Fronten hatte wie die anderen, wo es Nur eine einzige hätte haben dürsen>: die «andern.. Das „die et ubitzue" war sein Verderben. Dadurch aber ging nicht allein die Heimat verloren, sondern die Gemellrschaft, der Völklichkeit bestes Teil. Sie ist ein treuerer stärkerer Boden als alles Ackerland der Erde. Wer auf chm stcht, kann nicht unterliegen. Und wenn ihr ftagt, welcher Wirklichkeit jener Kampf gegen die Erbsitzer eures und des fremden Stammes die Pforten öffnet, so entgegne ich: der Geaneinschcfft. Doch an Stelle dieser Erkenntnis — unmittelbar aus dem Selbschaß folgend, als ihrer organischen Vorbedingung, und aus dem Kriege, als dem Bankerott eines ungewollten Schicksals — welcher neue, teils edle, teils miäder edle Irrtum! Bezahlten die Juden bis dahin die fremde Rechnung, so sühnten sie jetzt die fremden Rechenfehler. Advokaten der Schuld — Advokaten der Sühne. WWer gaben sie «dem Kind «einen falschen Namen und sahen nicht ein, daß es oben «auf dem ricWgen ankomme. Sie begründeten Gesellschaften des Gefftes, das Wort „Geist" zum Verdacht und UMvillender anderen jüdisch durchbeizenD, statt seine Geistesstrrbe vorweg mit Zorn und Gradhert zu «bekennen. Sie n-Wmten sich „Demokraten" und waren für jede Blöße dieses Begriffs haftbar. Was Wunder, daß es ihnen, ewigen Kibitzen an den Spieltischen der Wett, so erging wie diesen, wenn sie, genauer zahlend, und besser schauend als die Spieler, ihre Warnung dreingeben — die Partie geht dennoch Valoren und Pe haben die Maulschelle sitzen, Karl Wilhelm: Jüdische Planwirtschaft in Palästina. Ein gesellschaftliches Gutachten, geh. Mk. 4.—, Welt-Verlag, Berlin N. W. 7, DoroHenstraße 35. In der. Fülle der Palastina-LiteratUr erscheint hier ein Werk, das in weitesten Kreisen die größte Beachtung verdient. Hinter dem Pseudonym Karl Wilhelm verbirgt sich ein Mann, hex sich als Vorkämpfer der Planwirtschaft in Wort und Tat einen Namen von europäischem Ruf errungen hat., Vermischtes Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wie». Dieser Verein veranstaltete Mittwoch. den 14. -September, ün, Feftfaake 'des Hotel Continental einen Vortragsabend, bd dem Rabbiner Dr. Salomon Funk zu dem Kapitel „Anteil der Juden an der Entwicklung des Messewesens" sprach. Wir werdey aus diesen hochinteressanten Vortrag ür der nächsten Nummer unseres Mattes ausffchrlich Mrückkommen._, E^Die^Feu^bestattung^ in" Wie«7 Zur Evlangung von Plänen für die Feuerbestattungsvovlage aus dem Wiener Zentvalftiiedhoife wunde von der Gemeinde Wien ein öffentlicher Wettbewerbs unter den österreichischen und reichsdeutschen Architekten aiusgeschrieiben. Für diesen Wettbewerb sind 70 Entwürfe eingelaufen und wurde der Erbauer des schönen Gotteshauses in dev Pa^manitengasse, Vovstandsmitlgl'öed ArchitM Ignaz Reiser, mit dem dritten Preise von 12.000 Kronen ausgezeichnet. Architekt Reiser hat aus demselben Anlässe den zweiten Preis für die Errichtung eines Krematoriums in Budapest, sowie erst kürzlich bei «einerv Konkürrenzausschre-Ärung der Gemeinde Wien für die künstlevis«che Ausgestlällung des allen katholischen Friedhofes in Wöhrnitz «den ersten Preis erhalten. Israelitische Kultusgemeinde Wien. Die Herstellungsarbeiten an dem durch das Brandunglück vom 17. August 1917 .zerstörten Leopöldstädter Gemeindetempel sind so weit vorgeschritten, daß derselbe für die d i e s j äh r ig en hohen Feiertage benützbar sein wird. Der Vorstand veranstallet ferner anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage auch im Großen Musikvereinssaal, 1. Bez,, Dumbagasse 3, Großen Konzerthaussaal, 3. Bez., Lothringerstraße 20, Sofiensaal, 3. B^., Marxergafse 13, und im Hotel Kontinental, 2. Bez., Taborstraße 4, Gottesdienste. Jene Parteien^ welche auf die im Borjcchre benützten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegen Vorweisung der vorjährigen an der Kavtenkasse der israelitischen Kultusgemeinde, 1. Bez., Seitenstetteng. 4, 1. Stock, in der Zeit vom 15. September 1921 As inklusive 23. September d. I. während der Amtsstunden von 9 bis 12 Uhr vornlittags «beheben. Die allgemeine Kavdemausgabe beginnt am 2b. September 1921. „Das neue Europa", Züüich—Wien—Berlin. Cheifredakteur Dr. Paul Cohn. — Das soeben zur Ausgabe gelangende Auguft-September-Heft enthält unter anderem folgende interessante Büitrüge: „Völkerbund und Repamtivnskommissi-onen" vom ehenmRgen Boffchastor Doktor Dumba, „Das Fiasko dür Revolution in der Volksseele" von Rudolf Jeremias Kvautz, „Der deutsche Pazifismus" von Dr. Gargas, „Paleologues Memoiren" von Dr. Josts Kmiz, „Fvanz Jostfs Umgang mÄ Frauen" von Leopold Wölfling usw. Bestellungen an Verlag Carl K«onegen, Men, I., Opernving 3. ' Heimich Bettelheim s. A. Vor kurzem verblich,' in Bratislava (Preßburg) im Alter von 50 Jahren Herr Heinrich Bet te lh ei m. Als würdiger Sprosse einer der ersten jüdischen Familien Ungarns, die seit einem Jahrhundert ist der Leitung der altehrwürdigcrn Preßburger Kehillah an erster Stelle saß: ein Schüler des Schewet Szaufer, zeichnete er sich durch tiefe Frömmigkeit, Gutherzigkeit und Redlichkeit aus. Sem Haus war ein echt

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