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Die Wahrheit · 1921-08-04 · Heft 16 (4.8.1921) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 16 (4.8.1921)
Date
1921-08-04
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Kr. Die Wahrheit 200.000 verLvLppeKerr Mettschen ArbertsmöglichkeiL zu schaffen. Eine aktuelle brennende Frage ist die Wiederherstellung der jüdischen Kolonien im Ehersooer und Pottauer Gouvernement. Die Ortschaften sind total zerstört, man muß die nötigen Werkzeuge hevberschasfen, um den Ackerbau Mieder zu ermöglichen. DaS jüdische Elend erscheint angesichts solcher Schildwungen nicht minder entsetzlich als das allrussische, vielleicht noch entsetzlicher, weil es kein gottgewolltes, sondern von Bestien in Menschengestalt heraufbeschworeires und von der Kulturwelt unbehindertes ist. Diese Tatsache erübrigt die Frage, wo die Hilfe früher emzusetzen hat. . Anglo-amerikanische Autoritäten zur Judenfrage. In einem Gespräch mit «dem Vertreter . eines dedoulenden Blattes äußerte sich H a r d i n g, Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika: Ich befürchte nicht, daß der Fluch des Antisemitismus zu uns herübergrerfen wird, wenn wir alle der nordamerikanischen Weltanschauung Gelmng verschaffen, die «keinen Unterschied -der Menschen kennt. Bernard Shaw, «der geistvolle, unevschroctene Satiriker und freisinnige Dichter, erklärte: Die- Hetzjagd auf Juden, wie sie in gewissen Staaten Dkodesache geworden, ist ein so untrügliches Zeichen der Verrohung der Gesellschaft und bodenloser Dummheit, «daß man gegen diese Erscheinung überhaupt nicht ernst polemisieren kann. Judäo-Slowaken. Durch «die Ländergebietsverschiebung als Folge des Krieges wurden beträchtliche Teile der ehemaligen ungarischen Monarchie der tschecho-slowakischen Republik zugeschlagen. Dieser Umstand ist nicht ohne bedauerliche Wirkungen für die Judenschaft «des politisch neugestalteten Territoriums geblieben. In der jetzigen Slowakei gibt es eine förmliche Mufterkarte jüdischer Parteien. Neben den ausgesprochenen Nationalisten ringen die Orthodoxen nicht nur um Geltung, sondern auch um die Vorherrschaft. Die Verwirrung voll zu machen, hat sich vor kurzem auch eine Jüdisch-stowakische Partei gebildet, die selbstverständlich von den anderen mit jener Leidenschaft angefeindet, wird, die seit jcher ein Erbübel der Juden gewesen. Was den Judäo-Slowaken hauptsächlich vorgeworfen wird, ist der Umstand, daß ihre Angehörigen, ehe es zum Umsturz kam, begeisterte Ungarn waren und sich nunmehr in ebenso begeisterte Slowaken verwandelt haben. Sesonders scharf gcht die jüdische Bolksstimme" ins Zeug, wahrscheinlich als Revanche dafür, daß ihr philomagyariische Tendenz, natürlich soweit es in ihren jüdischnationalen Rahmen paßt, vorgeworfen wird. Sie hätte also das geringste Recht, von einem Manschet zu sprechen, wie das geschmackvolle Wort vom AffimÄanten lautet — direkt für den Mund des Antisemiten geformt. Auch ist es meriwüMg, daß der Minister Mieura in seinem Schreiben an Dr. S p i e r e r, den Begründer der jüdisch-slowakischen Partei, von einer slowakischen Orientierung der dortigen Juden vor dem Unrsttn^e spricht. Entweder hat also die „Jüdische Volksstimme" oder der Minister unrecht. Was aber «bei dieser Gelegenheit wieder einmal erklärt werden kann, ist, «daß, wenn zwei oder drei jüdische Parteien untereinander streiten, die außerhalb dos Judentums Suchenden sich fteuen, weil es offenbar wird, daß die so notwendige Einigkeit, die jetzt mehr denn jemals not tut, ad absurdum geführt wird, der Begriff eines MjudentumS als Chimäre erscheint. Wenn das die Juden aller erdenklichen Schattierungen nicht begreifen wollen, Hann mögen sie wenigstens den Kampf in reinlicher Welfe führen. Minister Vaberß Optionsstandpunkt. In dieser, zu titioit saftigen Skandal ausgewachsenen Sache läßt Seite IS Minister Waber sich die Staatskorreshondenz unter anderem äußern: Der Verwalmngsgerichtshof habe ausgesprochen, daß das Recht auf Option voraussetze, daß der Optant nach Rasse und Srache zur Mehrheit der Bevölkerung gehöre. Wenn «in Merkmal fehle, Raffe oder Sprache, sei nach dem Erkenntnis des Berwaltungsgerichtshofes das Optionsrecht nicht gegeben. Es sei klar, daß di« anstandslose Durchführung jeder allgemeinen Rechtsregel Harten mit sich bringt. — Die Berufung auf „Raffe und Sprache" ist eine aus Gewalt und „Dreh" zusammengesetzte Auskneifevei, mit der Waber letzten Endes kein Glück haben wird. Im Reiche der Dichter und Denker. Die hanoversche Stadt T o st e d t gibt als Notgeld einen 50-Pfennig-Schein heraus, der ein antisemitisches Hetzbild übelster Sorte als „Zierde" enchält. Es ist da als Symbol ein Baum abgebildet, an dem zwei Juden aufgeknüpft sind, wahrend eine Anzcchl Raben sich abseits halten, als scheuten sie sich, diese Leichen anzurühren. Ein Spruch, in dem von „Schiebers" die Rede ist, illustriert diese geistreiche Zeichnung. In einer demokratischen Republik hat jeder Bürger das Recht, so blöd und abgeschmackt zu sein, als ihn die Natur veranlagt hat, aber sobald die perföMche Sicherheit der Nebenmenschen bedroht wird, muß cm Stelle philosophischer Duldung die notwendige Zensur treten. Troppau. Jubiläum des Oberkautors Max Singer» ' mann. 4kn 16. Juli d. I. wurde es 35 Jahre, seit unser allverohrter Oberkantor in «unserer Gemeinde sein Amt übernommen, und ununterbrochen bis heute in voller Frische und Kraft verficht. Während seiner 35jährigen Tätigkeit hat Herr Oberkantor Singermann es verstanden, unseren Gottesdienst stets mustergültig zu gestatten und durch seine hervorragenden kantoralen Leistungen mit seiner warm und innig klingenden Tenor-BaritowStimme die Beter zu ergreifen und zur Andacht zu stimmen. Einen besonderen Vorzug seiner Leistungen bilden die gründlichen Kenntnisse «der alten Chasones, die er als geborener Russe virtuos beherrscht und das er mit dem anderen Kantorat künstlerisch zu verquicken versteht und so dem Gottesdienst ein reizvolles Gepräge verleiht. Der jugendfrische Jubilar, der mit allen Vorzügen eines hervorragenden Fachmannes ausgestattet ist, zählt, wie bekannt, zu den ersten Kantoren unserer Zeit, dessen Name sowohl in Kantoren- und Musikkreisen, wie auch als erfolgreicher Gesangsmeister (dessen Schüler zu sein, ich die Ehre habe) und als Ehrender Theater- und Musikreferent weit Wer die Grenzen unseres Landes bekannt ist und sich des besten Rufes erfteut. Daher die große Verehrung für den verdienstvollen Mann in allen Kreisen unserer Bevölkerung, bre nicht nur in ihm den Künftttr, sondern auch den edlen, vornehmen, stets hilfsbereiten, charaktervollen Menschen, achtet und schätzt. L. E. Neujahrsgratulatio« der Wahrheit". Anläßlich der hohen Feiertage erscheint Ende September eine wesentüch verstärkte Nummer unseres Blattes in der Weich »io i» Borjahre die Neujahrswünsche unserer geehrte» Freund« und Leser in einheitlicher Form «scheinen werde«. Mit Rücksicht daraus, daß im vorigen Jahre infolge verspäteten Sinlangen« fcc «nsträge dieselben keine« Ran» mehr finden könnt«»» —****— mir uns znr Vermeidung eine» solche» unliebsame» NmstavdtS. die höfliche Bitte, die geschätzte« Austtäge schon jetzt zu erteil«^ damit dieselbe» die geeignete Ausnahme und gitzPge Placierung stad» könne«. Der VichhaltnngSpreis betritzt infolge der hch» PlOS» kost»L10a--»

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