Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 16 (4.8.1921)
- Date
- 1921-08-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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REDAKTlONyADMlNlSTBATlQN Mir« H., Arir»ftraK» IS XXXVU. Jahrgang Wie», 4. August IE Nummer iS Das Ende palästinensischer Iilusionspolitik. Bon Dr. Paul Nathan, Berlin. (Schluß.) Winston Churchill hat als kluger englischer Politiker von starkem Einfluß die Illusionen der einen Seite wie der anderen Seite, die Illusionen der Mohammedaner wie der Zionisten zu zerstören versucht. Er tat das, was er tun mußte, als-Minister eines Weltreiches, für das mohammedanische Aspirationen und jüdische Aspirationen nichts sind als einzelne Faktoren, die sich in das große politische Rechenexempel eines „Empire“ wie England einzufügen haben. Und wenn sich -die Zionisten bisher aus die zweideutigen Versprechungen berufen hoben, die ihnen Balfour während des Krieges gegeben hat, so hat Churchill seinerseits diese angeblichen Bindungen, die ich niemals für Bindungen gehalten habe, wie ein Gewebe aus Spinuensäden mit leichter Handbewegung zerrissen. Die Rede, die Churchill bei der oben angeführten Gelegenheit vor der mohammedanischen Deputation gehauen hat, ist nach den verschiedensten Richtungen von hohem Interesse. Ich will nur aus einen einzigen Punßdieser Ausführungen eingehen. Aus die Frage des „National Home“ für die Juden. Chur chi ll interpretierte das Versprechen, das Balfour den Zionisten gegeben hat. Er sagte von der wielversprochenen Aeußerung Balfours das Folgende: „Ho spoke of „The establishment in Palestine of a National Home for the Jews“. He did not say he would make Palestine „The National Home for the Jews“. There is a difference between the two which is of great importance. The fact rhat Palistine sh all oontain a National Home for the Jews does not mean tfeat it will cease to hejjhe National Home of other people, or thast a Jewish Ooveniment will he set up to domiaate the Arab people.“ Auf 'grammatWalische spitzfindige Interpretationen werde ich mich nicht -einlafsen. Es handelt sich nicht um eine Debatte zwischen Grammatikern. und Sprachforschern, sondern um eine Debat t e zwischen Politikern. Und was der Politiker Churchill gesagt hat, ist klar genug Er schließt für die Juden in Palästina jede eximierte Stelüärg pöllitz und zweifelfrei «yrs. Aus der Churchillschen Rede lasten sich noch eine ganze Reihe von Belegstellen anführen, die diese Behauptung jeglichem Parteistreit entrücken. In der Rede von Churchill vor den Mohammedanern befinden sich schließlich sechs Worte, die das Siegel unter meine Behauptung drücken: „Palestine belomgs to all the workL“ (P a l L st in a gehört der ganzen Welt.) Ein christlicher Engländer, der ein hohes Staatsamt in dem britischen Weltreich einnimmt, konnte nicht anders sprechen. Nicht er ist anzuklagen, weil er das sagten was auf Grund historischer Notwendigkeit gesagt werden mußte, sondern jene sind — ich will nicht sagen, anzuklagen, wohl aber zu beklagen, die sich und andere in der Illusion wiegten, daß eine staatsmännische Entscheidung Englands anders lauten konnte, als sie jetzt tatsächlich gelautet hat. Di Juden in Palästina werden Glerchberchtigte unter Gleichberechtigten sein. Sie werden sich wirtschaftlich und geistig frei regen können, in jenen Grenzen, wie das üblich ist im englischen Kolonialreich. Sie werden in P a l astina nicht ein eigenes Staatswesen, aber vielleicht — un d i ch s a ge h o s fent l i ch — eine e ig ena rll ige jüdische Kultur, g es i ch e rt und g l e i ch b e r e ch t ig t n e b en anderen Kulturen, entwickeln k ö n n e n. Di WeltpoMk hat zwangsläufig zu jenen Zielen zurückgeführt, die der Kreis meiner Freunde im Rahmen des „Hilfsvereins der deutschen Juden" stets in Palästina verfolgt hat, und die der Z e n t r a l v e r e i n, dessen Aufgaben auf anderen Gebieten liegen, niemals bekämpft h a t. •* lieber die Zukunft Palästinas kann es heute in bezug auf absehbare politische Gestaltungen Illusionen nicht mehr geben. Der Verstand gebietet im Interesse des Judentums, daß die Zionisten sich von bisherigen politischen Phantasien mit möglichster Schnelligkeit losmachen. Das Mein liegt im Interesse des Gefiamtjudentums. Eine solche Anwendung von alten Hoffnungen wird niemandem leicht. Die einen werden diese Hoffnungen als toten Bakast noch eine Zeitlang durch das Leben mÄschleppen. Die anderen, die energischesten und klarsten Köpfe, werden der WrrKichkeit mit Kühnheit und Klachsü