Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 15 (21.7.1921)
- Date
- 1921-07-21
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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MaWMM ZeWM für MMeMeressen- REDAKTION vADMINISTRATION Mir« 8., HrirustraAe LS XXXVII. Jahrgang Wie», 21. Jnli 1921 Nummer 15 Das Ende palästinensischer Jllusionspolitik. Bon Dr. Paul N a t H a u, Berlin. (Fortsetzung) An Wettevzeichen hat es in Palästina nicht gefehlt. Ein besonders beAeichuendes Ereignis war der Empfang, den "der englische Staatssekretär für die Kolonien, Herr Wmston Churchil l, -am 28. März einem mohammedanischen Komitee gewährte, an -dessen Spitze M u s a Kazim Pascha El Hufs ein» stand. Dieses Komitee war von einem mohammedanischen Kongreß in Haifa eingesetzt worden und übergab Churchill ein langes Memorandum, das schließlich die Anträge der Mohammedaner und -ihre Beschwerden gegen die Juden iit fünf Punkten zusammenfaßte. Es genügt, Punkt 1 und 2 zur ChaMkteriftik des heutigen Standpunktes der Mohammedaner anzuführen. Die beiden Forderungen lauten: „1. Der Grundsatz eines „N a t i o n a 1 ff o m e" für die Juden muß b e s e i t i g t werden. 2. Es muß ein „National Oovernment" geschaffen werden, das 'einem Parlament verantwortlich ist. Und dieses Parlament soll von jener p a l ä st i n e n s i s ch e n Bevölkerung gtzwählt werden, die vor dem Kriege in Palästina vorhanden -gewesen ist." Diese beiden Forderungen, von absolut einseitigem, arabi-sch-nationalistischem Standpunkt aus gestellt, sind in ihren Absichten völlig eindeutig. Die erste Forderung zerschlägt für die Zionisten jegliche Hoffnung auf das „Nationale Heim". Me zweite Ford er-mra schiebt auch einen Ritzgel vor die Zukunft; eine starke Emwanderung der Juden in der Zukunft soll unmöglich gemacht oder doch erschwert werden. Die politischen Verhältnisse in Palästina sollen in der Weise festgesetzt werden, daß die jüdische Minorität des h e u t i g e n Tages auch .in kommenden Tagen eine Minorität gegenüber den Arabern bleiben muß. Diese zwei Forderungen zeigen bereits, mit welcher Schroffheit heute Mohammedaner und Juden einander g-egenÄberstehen und diese Entwicklung ist auf das tiefste zu bedauern; denn Mohammedaner und Juden sind darauf angewiesen, sich in Palästina friedvoll zu ergänzen. Die schwere Landarbeit auf den Aeckevn werden europäische Juden in, absehbarer Zeit, d. h. bevor nicht in Generationen eine völlige Akklimatisiieuung stattgesuuden hat, gewiß nicht zu leisten vermögen; wie die Araber auch ihrerseits auf absehbarer Zeit nicht imstande sind, die Grundlagen und den Aufbau für eine moderne Kulturarbeit in Palästina aus eigenem zu bestreiten. Endlich verdient eine Tatsache besondere Beachtung. Aus dem Streit haben sich die Christen bisher durchaus ferngehalten. Es ist augenscheinlich der überlegenen Klugheit maßgebender katholischer Kreise zuzuschreiben, daß das Christentum sich in die Gegensätze in keiner Weise eingemischt -hat. Ich weiß, daß miau. in Rom den Zionismus, -der sich selbst so stark überschätzt hat, nie ernst genommen hat, und die weitere Folge war, daß man Moh ammed anismus und Zionismus in ihren Streitigkeiten allein gelassen hat, in der festen Zuversicht, daß die Zukunft des Landes weder von^ dieser Seite, noch von jener Seite endgültig bestimmt werden würde. Die Voraussicht des BatiLans war auch in diesem Fall die Voraussicht weitdenkender Politiker. Weit-denkende jüdische Politiker hätten ihrerseits nur eine Ueberzeuguug hegen dürfen, daß nämlich der Zionismus, der einen nur -schlecht verhüllten Gegensatz zu Christentum und Mohammodismus in jedem Falle darstellen mußte, zu -nnterMegen bestimmt war. Rtur in maßvollen Grenzen könnt« eine jüdische Politik zu einem Erfolge führen; eine Politik, die nichts wollte, als gesicherte Gleichberechtigung von Juden, Mohammedanern und Christen in Palästina. Wer mehr verlangte und erstrebte, den jüdisch-palästinensischen Staat, in dem freilich auch Christen und Mohammedaner leben sollten, der gefährdete mit seinen weitreichenden Ansprüchen zugleich das Näherliegende, das Erreichbare. Das ückklare, verdunkelnde Wort vom „dlatloo-U Isame" bedeutet natürlich für die Zionisten, wie für die feindlichen Mohammedaner nichts arweres und kann nichts anderes bedeuten, als den „jüdischen Nationalstaat", als einen Staat, »der von den in Palästina wohnenden Juden das Gepräge erhälten soll und in dem die palästinensischen Juden in dieser oder jener Form ihr staatliches Ideal zu verkörpern gewillt sind. Daboi bleibt es eine völlig offene Frage, ob dieses zionistische Staatsideal nicht auch Christen und Mohammedanern die nötige Bewegungsfreiheit für Betätigung und ihre Entwicklung gewährt. Me weitblickenden Zionisten haben solche Ausgeftaltuug gewiß angestrebt, und nur die Zeloten uird Kurzsichtigen erstrebten eine möglichst weitgehende Zurückdrängung -aller Nichtjuden. Aber es nmtz. ausgesprochen werden, daß die weitsichtigen Zionisten keineswegs immer, und keineswegs in entscheidenden Augenblicken, die beschränkten Fanatiker im Zügel zu halten vermochten. Meine Freunde und ich — obgleich Juden —, «wir haben es am -eigenen Leib verspürt. (Schluß folgt.)