Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 13 (23.6.1921)
- Date
- 1921-06-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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^3H5S3B535SS5 Nr. 18 Die Wahrheit Seite LK 'i.> Literatur tlllllllU Sammlung preisgekrönter Märchen und Sagen. Loewes Verlag Ferd. Carl, Stuttgart. Preis Mk. 16.—. Soeben erschien die Zweite Auslage, die trotz der Papiernot in prächtiger. Weise ausgestattet ist. Seit Erscheinen der ersten Auslage sind Zwar viele jüdische Märchensammlungen ausgetaucht, doch keine hat den Ton für unsere Fugend so gut getroffen wie die vorliegende. Die Juden in Abessinien. Bon Dr. Karl Rathjens. W. Genie, wissenschaftlicher Verlag, Hamburg. Mk. 12.—. Der Verfasser, am Geographischen Seminar der Hamburgischsn Universität wirkend, gibt in seiner Schrift interessante und' zum Teil überraschende Aufschlüsse über das bisher noch wenig erforschte Volk der Falaschen, der Juden Abessiniens. Auf Grund eigener, auf einer Forschungsreise gewonnener Eindrücke und der Berichte anderer Forscher entwirft er ein anschauliches Bild von dem geheimnisvollen Werden und von der Entwicklung einer unbekannten Kultur, die im Wechsel der Jahrtausende dis zum -heutigen Tage ans die Geschichte eines großen Reiches von Einfluß gewesen ist. Da die abessinischen Juden seit den letzten vorchristlichen Jahrhunderten völlig von der Verbindung mit der anderen Judenschaft adgetrennt waren, so ist ihre Kultur für die Kenntnis des alten Judentums von großer Bedeutung. Das Werk wird daher nicht nur für die gelehrte Welt, sondern zumal durch seine Schilderung der Sitten urck> Gebrauche der heutigen Falaschen, für jedermann von Interesse sein. Wenn Rathjens auch nicht-das schwere Problem lösen konnte, ob die abessinischen Christen oder die jüdische Bevölkerung von höherem historischen Alter sind, so verweist er, auf Grund gewissenhafter teftftellungen, die Berichte älterer Abessinienfovscher in das ebiet der Fehlerquellen und die Zusammenhänge zwischen der christlichen Religion mit jener der Falaschen werden klar. Die höhere Kultur der letzteren geht aus manchen Stellen der wertvollen Schrift hervor. So aus Seite 67: Das Familienleben ist bei den Falaschen wenig kompliziert und im allgemeinen gegenüber dem des christlichen Abessinien vorbildlich sittenrein. Diese strenge Auffassung hat das Gute, daß «bei den Falaschen Geschlechtskrankheiten, die bei dem verlotterten Sittenleben der Abessinier häufig sind, kaum Vorkommen. Eigentümlich und grundverschieden von den übrigen, namentlich europäischen Juden sind die gottesdienstlichen Gebräuche, die Sabbath¬ und Festtagsfeiern der Falaschen, die sich weder der Defillrm, noch des Talles bedienen und sogar ohne Kenntnis der hebräischen Sprache sind. Den Falaschen wesensverwandt find die Kamanten, Judenchristen, die in schwerer Berfolgungsnot die Taufe genommen haben, wie einst die Mariannen des alten Spaniens. 6. Gumtau Lotte: Die fremde Erde. Mk. 15. —. K Dhienömanns Verlag, Stuttgart. In ferne Zeiten führt dieses Buch die Leser, in die Zeit der ägyptischen Knechtschaft und Erlösung des hebräischen Volkes. Also ein historischer Roman? Ja und nein. Historisch sind Stoff, Inhalt und Form der Erzählung. - Mit greifbarer Lebendigkeit tritt die Zeit Mosis vor den Leser. Mer mit den Mitteln des historischen Romans gibt die Verfasserin ein höchst modernes Buch. In dem Bild des niedergetretenen, geknechteten und in Hoffnungslosigkeit versunkenen Volkes - erblicken wir uns selbst. Und die Verheißung der Erlösung klmgt uns aus ihm entgegen. Das Buch ist besonders für die reifere Fugend sehr empfehlenswert. Ifigl Vermischtes Familienfest. Vor Schluß des Mattes erhalten wir Nachricht von der Silbernen Hochzeit des ersten Vizepräsidenten des Hietzinger Tempelveremes, Hermann K u n e r und seiner Gemahlin Regine, die am 19. d. M. stattfrnd. Am selben Tage heiratete die Tochter des beliebten Ehepaares, Fräulein Hilda Kuner, Herrin Dr. Friedrich Kisser. Aus diesen beiden Anlässen wurde bei der Tempelfeier der Familie zahlreiche Ehrungen Anteil. Herr Direktor Dr. S. Krenberger führte die Deputationen des Hietzinger Tempelveremes, des Frauenvereines sowie des Vereines „Einheit", und sprach dem Ehepaare den Dank dieser Vereine für die segensreiche Tätigkeit in denselben aus. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Taglicht hielt eine zu Herzen gchende Ansprache und Oberkantor Schleifer versah die kantovalen Funktionen. Der Jubilar, an den der Tempelverein Hietzig eine Adresse richtete, spendete namhafte Beträge für wohltätige Zwecke. Wir schließen uns der großen Schar der Gratulanten gerne an. Goldene Hochzeit. Der im 5. Bezirke beftbekannte Privatier Heinrich Abel es, b:r einer bedeutenden Rabbiners amilie entstammt, feierte mit seiner Gattin Betti, geborenen Neuspiel, am 28. v. M. im Tempel in der Erdbergstraße das Fest der goldenen Hochzeck. Die Beliebtheit des Jubelpaares äußerte sich in dem zahlreichen Tempelbefuche. Den Höhepunkt der Feier bildete ibde gedankentiefe und wirkungsvolle Ansprache des Rabbiners Doktor Templer. Herr Dir. Dr. S. Krenbevger als Vertreter der Kultusgemeinde brachte in einer inhaltsreichen kernigen Rede die Wünsche des Präsidenten. Tiefen Eindruck übten die wahrhaft innigen Worte des Bethausvorstehers Adolt U n g e r, mit welchen er 'den Jubilar, der seit 47 Jahren ununterbrochen dem Borstande angehört, feierte. Am Schlüsse dankte Herr Abeles mit tranenerstickier Stimme für die Ehrenbezeigungen in einer Rede, die beredtes Zeugnis für seine Gerstesfrische 'ablegte. Dr. Josef Winternitz f. A. Schlicht wie sein Leben war letztwilliger Anordnung zufolge das am 15. d. abgehaltene Leichenbegängnis dieses bescheidenen Mannes, der Jahrzehnte lang dem Wöhle seiner Glaubensgeiwssen und den Pflichten, die ihm feine Mitbürger durch Bertrauensftellen übertragen hatten, wirkte. Wer was cm Einsachheck 'der Zeremonien dieses Leichenbegängnis anszeichnete, das wurde «durch die große Teilnahme der engeren Bezirksbevölöerung und von Persönlichkeiten in hervorragender Stellung zur größten Bedeutung erhoben. Diesen Gesichtspunkt vertrat auch Rabbiner Dr. Grunwald m seiner zu aller Herzen gehenden Leichenrede, die er dem Verewigten hielt, dessen Verdienste um den Bezrrk er ganz besonders betonte. Als zweiter Redner besprach Rabbiner Dr. Bach die rühmenswerten Vorzüge des Hingeschiedenen in seiner Eigenschaft als Gatte, Familienvater, Menschenfreund und wirksamer Anwalt für die Interessen seiner Glaubensgenossen. ' Mit tiefempfundenen Worten dankte der Präsident der Kuldusgemeinde Professor Dr. Pick «dem Verblichenen für dessen hingebungsvolle Arbeit im Dienste der Kultusgemeinde während eines Bierteljahvhunderts und versicherte, 'daß die Gemeinde solche hervorragende Leistungen stets in ehrenvoller Erinnerung 'behalten werde. Bezirksrat H. P l a s ch k e s als Obmannstellvertreter der Bezirkskommission LeopoldstNdt widmete dem verewigten Obmann warme Worte der Anerkennung für sein konziliantes Wesen, das es stets verz „./*