Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 11 (26.5.1921)
- Date
- 1921-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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MlMeMeEu REDAKTION vf ADMINISTRATION Mirn 8.» itiwfhml* 13 XXXVII. Jahrgang Wien, 26. Mai 1981 Nnnnner 11 Die Rückkehr zur religiösen Erziehung. Von Wolf RapPaport., Przemysl. Me Zeitungen melden Massenaustriitte aus dem Judentums und eine allgemeine Richtung gegen die Konfession wind durch Darlegungen noch unterstützt, daß Religion Bildung und Wissenschaft ausschließe. Diese tendenziöse MiiteÄungen sind vollständig ilnrichtig, (belehrte aller Völker und KonseMonen haben ldie Religion beschützt und verehrt und es ist. «bekannt, daß der berühmte Forscher Pasteur mit dem Bekenntnis seiner Religion starb. In Deutschland gab es ei-ne religiöse Romantik und der Theosoph und deutsche Dichter Novalis, der Schöpfer des „Heinrich von Osteridingen" hat ein mystisch religiöses Gefühlsleben in Volk und Schrifttum hineing etragen.. Der Weltkrieg, der bekanntlich ans wirtschaftlichen und maltlMellen Gründen geführt wurde, hat die religiöse Bewegung keineswegs gehemmt, sondern im Gegenteile gefördert. Eine Rückkehr zum Idealismus, eine Verinnerlichung Hai nachdem Weltkriege platzgegriffen; man sehnte sich nach einer, Stille, bei der man sein eigenes Ich endlich hören, möchte. Ueberall, insbesondere in Deutschland, entstanden starke mystische und religiöse Bewegungen. Um nun speziell auf das Judentum zurückzukommen, so muß gesagt werden, daß nur das thoratreue Judentum die richtige sheligionsfonn ist, obgleich die Modernen gegen die Orchodoxie einen heftigen Feldzug eröffnet haben. Die Modernen haben die Behauptung gestellt, daß der Ritus das religiöse Gesetz für die Gegenwart ein unhaltbarer Anachronismus sei. Allein der Ritus hat jedoch einen tieferen und höheren Sinn, er hat mystische itnb symbolische Bedeutung und kann daher nicht au irgend eine Zeitform gebunden werden. S. R. Hirsch schreibt: „Das religiöse Gesetz erscheint den Modernen als wertlos; zwecklos die moderne Jugenderziehung, weil selbe des Gesetzes unkundig sind. Mit den Gesetzen Gottes verhält es sich wie mit denen der Natur. Sind doch die Gesetze Gottes wie seine Werke. Auch den Naturnnkundigsten erfreut der Anblick des Himmels und der Erde, . erhebt der Glanz des gestirnten Himmels, entzückt der Schmelz der B'nmcn, der Dust der Blüten, das Regen und Walten der Schar der Lebendigen, auch selbst den Unkundigen tut ein gedankenloser Wandel in Gottes herrlicher Natur segnend toohl. Allein ganz anders wird dein Entzücken, wenn du auch nur mit dem Namen einige der Sterne zu nennen weißt, die dich am Himmel grüßen, ganz anders, wenn du nur einige Kunde von den Gesetzen hast, die wir in ihren Gängen ahnen. Mit ganz anderem hohen Entzücken siehst du dann die Blume, die Blüte, «das Tier. Ganz anders, wenn Dir der Gedanke vertrauc ist, der in ihren Formen, ihren Gestalten, ihren Teilen, ihren Gliederungen, ihren Gefäßen, ihren Säften, ihren Kräften und ihrer Daseinsentwicklung sich ausprägt, Denkend wandelst du da in der großen Werkstatt Gottes, Gedanken des Meisters grüßen dich überall, da ist nichts unbedeutend, nichts wertlos, nichts zwecklos, nichts kleinlich, nichts klein; ja gerade im Kleinsten bewunderst du die hohe Meisterschaft, die sich selbst in den Atomen der Faser nicht verseng net. Also auch die Gesetze Gottes (in der Religion). Auch dem Unkundigsten ist ihre Erfüllung von reinstem Segen. Ein Baum des Lebens sind sie jedem, der an ihnen hält. Allein je mehr du sinnend bei ihnen verweilst, je mehr du dich mi dein Gedanken vertrant machst, die Gott selber von ihnen ausgesprochen, je mehr du' die Beziehungen ihrer Ordnung, ihrer Teile, ihrer Bestimmungen dir klar werden, umsomehr werden sie dir eine unversiegbare Quelle der Belehrung uird Beselignng, umsomehr spricht auch zu dir aus der kleinsten Bestimmung der Mund der höchsten Lebensweisheit lind du erkennst bald, daß auch im ldipsem.Gattesreiche .es nichts wertloses, nicht zweckloses, nichts kleinliches mrd nichts kleines gibt. Und wenn uns im Gesetze oder Ritus etwas als zwecklos, kleinlich oder klein dünkt, dies nur air uns liegt. Weil wir die Thora nicht gelernt haben, weil wir uns die Mühe nicht gegeben haben ernzndringen in das Wesen de): Gesetze und deshalb erklärt es sich, warum die alten Gesetzeskundigen es waren, die stets das Gesetz und die Vorschrift bis in ihre peinlichsten Details behütet haben. Die richtige jüdische R e l i g i o n s f o r m ist die der Thoratreue. Die Haskalah, die Vorläuferin der Reform hat zwar den jüdischen Geist befruchtet, dis jüdische Wissenschaft gs-