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Die Wahrheit · 1921-03-18 · Heft 6 (18.3.1921) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 6 (18.3.1921)
Date
1921-03-18
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Seite 11 §fr. tz Die Wahrheit toeitere Arbeit in dieser Richtung sind bereits genau ausgearbeitete Plane vorhanden, welche demnächst der Verwirklichung zugeführt werden sollen. ÄachKlänge zum Religionslehrerstreik. Wenn ein Schwerkranker, nachdem zahlreiche Aerzte und Spezialisten ihr medizinisches Wissen an ihm versucht haben, trotzdem gesund wird, freut man sich dieses Umstandes, ohne zu fragen, wem er seine Genesung verdankt. So ungefähr verhält es sich mit dem endlich überwundenen Streik der Wiener Religionslehrer, wobei man jedoch mit einer gewissen Einschränkung bemerken muß, daß es sich noch nicht um den Zustanh vollkommener Genesung, sondern vorläufig um eine Rekonvaleszenz handelt, die unter den schwierigen Verhältnissen jeden Augenblick einen verschärften Rückfall in das alle Leiden bringen kann. Anläßlich des letzten Lehrerstreiks haben mir in Nummer 2 unseres Blattes als das Bedauerlichste in dieser Erscheinung die Tatsache verzeichnet, daß die Eltern der vom Religionsunterricht wochenlang ausgeschalteten Kinder die ganze Sache mit einer unbegreiflichen Gleichgültigkeit hinnehmen, und sagten, daß der Grund hiefür vielleicht darin liegt, daß der gegenwärtige Religionslmterricht nicht seinem eigentlichen Zwecke entspricht. Diese Auffassung wurde uns seitens der Religionslehrerschaft, sowie auch' seitens mancher Kultusvorsteher verübelt, obgleich wir uns, wie schon damals festgeftellt wurde, nur zum Sprachrohr jener Eltern gemacht haben, die mit ihren Ansichten sich an unser Blatt gewandt haben. - Heute, nachdem die Angelegenheit mühselig beigelegt erscheint und die Gemüter der streitenden Parteien sich beruhigt haben, glauben wir uns gegen den Vorwurf geschützt, daß unser Blatt eine zu weitgehende Kritik übte, und so wollen wir nun wieder unseren eigenen Standpunkt betonend, die Sache ohne Voreingenommenheit streng objektiv erörtern. In kurzer Zeit fährt sich der Beginn des heftigen Kampfes zwischen Jüdischnationalen und Nicht jüdischnationalen, um die Machtstellung im Kultnsvorstand. Die Personenfrage war damals ausgeschaltet und nur Parteien und deren Anhänger standen einander leidenschaftlich erregt gegenüber. Beide Parteien haben in ihrem Programm der Erziehung der jüdischen Jugend eine ganz besondere Wichtigkeit beigelegt. Die Nichtjüdischnationalen haben den Religionsunterricht betreffend die Forderung aufgestellt: Als Vorbedingung für einen wirksamen und nachhaltfgen Religionsunterricht verlangen wir, daß dieser Unterricht nur von solchen Lehrkräften erteilt werde, welche ihre AusbUdung an einer jüdischen Lehrerbildungsanstalt mit gutem Erfolge vollendet haben und welche einen religiös einwandfreien Lebenswandel führen. Das oberste und wichtigste Ziel «des Religionsunterrichtes soll die Durchdringung.der Jugend mit dem ethischen und moralischen Gehalte und de» sozialen Grundsätzen des Judentums sein. Das Bewußtsein, einer Kulturgeineinschaft mit unvergänglichen Werten anzugehören, soll durch Kenntnis und Vertiefung in die Geschichte unb Literatur des jüdischen Bottes erweckt und .dauernd erhalten werden. Die Jüdischnationalen aber haben — und bas soll keineswegs als ein Vorwurf verstanden werden — die weitgehenden Ansprüche ihrer 'Parteigegner wesentlich überboten. Es muß auch in Erinnerung gebracht werden, daß zum Kapitell des Jugendnnterrichtes von den Nicht- Jüdischnationalen ein nnverbrüchbiches Festhalten an dem Boden der staatlichen Schulgesetzgebung in dem Sinne festgehalten wurde, daß die Religionslehrer die Jugend zu guten Juden und getrauen Bürgern des Staates etlichen. Sie verlangten auch, daß den Inspektoren für den Religionsunterricht ein ans den Clternkreifen gebildeter Beirat zur Seite stehen und die Uebereinstimmnng zwischen Schule und Hans nt .der Pflege jüdischen Geistes hergestellt werden müsse. Wenn wir auch aus Grund alter Erfahrung scststellen können, -daß Parteiprogramme vor den Wahlen in der Absicht eines Wahlerfolges .ausgestellt werden und daß man über sie später als abgetane Sache zur Tagest) vdnunlübergeht, so möchten wir doch angesichts der hohen Be deutung der hier zur Diskussion kommenden Frage beiden Parteien vor Augen halten, daß die Durchführung eines befriedigenden Jugendnnterrichtes und Jugenderziehung das allevwichtigste ist, was die Kultusgemeinde ihren Steuerträgern bieten kann und muß. Dieses Programm muß endlich, nachdem die Jugend fast Vierteljahr vom Religionsunterricht ausgefchaltet war und dessen so ziemlich entwöhnt ist, mit allem Eifer durchgesührt.werden. ' Am Abend. Seh't die Sonne! Wie Hr letztes Grüßen Still herüberwtnkt! Wie sie blutend, doch erhaben scheidet, Eh' sie völlig sinkt. Seh't sie jenen Waldessaum umschmeicheln, Noch ein letztes Mal, Seh't sie scheidend gold'nes Licht verbreiten lieber Berg und Tal. t O, "wie 'sie einst letzte Größe atmen Noch am Hellen Tag, Noch bevor in schonheitstrunk'ner Seele Trüb es werden mag. So wie sie zur Erde niedersinken, Hohesitsvoll und groß! Und wie sie das müde Haupt dann betten In der Mutter Schoß! Dora Bernstein.

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