Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1921
- Issue
- Heft 5 (3.3.1921)
- Date
- 1921-03-03
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. s Seite 13 Die Wahr heit Vermischtes Ein jüdischer Künstler in Elend. Man konnte Hn füglich zu «den Wiener Lieblingen zählen, den kleinen Mar R o ± t, der als Koniiiker und Sänger in seiner Glanzzeit Ibem Publikum viele heitere Stunden bereitete. Der unverwüstliche Vortragssänger und Grotesktänzer ist nun vor einiger Zeit plötzlich von 'der Bühne verschwunden und in Vergessenheit geraten. Jetzt erfährt man, daß er seit langem schon in seiner Wohnung, wo seine Frau ihn pflegt, unheilbar krank darniederliegt und allen Entbehrungen preisgegeben ist. In dieser schweren Zeit wurde das aufgezehrt, was Max Rott in jahrzehntelanger Arbeit erspart hatte. Dem Künstler, der so vielen Tausenden vergnügte Stunden bereitete, geht es jetzt herzlich schlecht, und ist in seiner bedrängten Lage «auf seine Glaubensgenossen umsomehr 'angewiesen, -als -er seinem Beruf infolge geistiger Umnachtung nie wiedergegeben werden kann. Max Rott war stets ein braver, gesinnungstreuer Jude, der sich gerne mit seinem Wirken in den Dienst der jüdischen Humanität gestellt hat und mit eigenen Spenden nicht geizte. Auch aus diesem Grunde hat er es wohl verdient, daß man ihn in seinen schweren Tagen nicht ohne Hilfe lasse. Spenden nimmt die Administration dieses Blattes entgegen und wird dieselben ausweisen. Barurizwahfeier. Samstag, den 12. d. M., fand tm türkischen Tempel die Konfirmationsfeiler des Gymnasiasten. Kurt Schnitzer, - Sohn des Fabrikanten Herrn Karl Schnitzer und seiner Gattin Steffi, geb. Heimann, statt. Rabbiner Dr. G r u n w a l d richtete eine eindrucksvolle Ansprache an den Konfirmanden, in welcher er hervorhob, daß der Sinn fürs Judentum, die Begeisterung für jüdisches Leben und Fühlen traditionell in der Familie sei, daß der Konfirmand diese Begeisterung von Großeltern und Eltern übernommen habe und daß er die edlen Regungen, die er von der Mutter und von seinem unvergeßlichen Großvater, der in unserer Gemeinde so segensreich wirkte, empfing, ins Leben mitnehmen solle. Die Worte des Rabbiners haben großen und tiefen Eindruck gemacht. Ter zur Thora gerufene Vater gedachte vieler Wohltätigkecksanstrlten. Trauungen. Sonntag, den 20. v. M., fand im Pazmanitentempel die Trauuiig des Herrn Viktor Kraus mit Fräulein Elfe Hirschhorn statt. Die große Verehrung, deren sich das Brautpaar und besonders der Bräutigam infolge seiner langjährigen Mitarbeiterschaft bei der Firma Ad. Schrämet erfreut, kam in dem außerordentlich starken Besuch anläßlich der Vermählungsfeier zum Ausdruck, bei der auch die meisten Herren des Tempelvorftandes mit den Herren Ad. W e n g e r und Oskar Schrämet an der Spitze erschienen waren. Rabb. Dr. S. Funk betonte in feiner tiefempfundenen Trauungsrede an den Bräutigam, dem ein trauriges Geschick frühzeitig Vater und Mutter entrissen hatte, daß er zu seinem Tröste im Hause S ch r a m e k Freunde gefunden habe, die an seinem Geschick herzlichft Anteil nehmen. — Vor dieser Trauung fand die des Herrn Ignatz G r a m, eines Neffen des im Bezirke bestbekannten Herrn I. Glücksfeld, mit Fräulein Sarika S t e m m e r statt. Bei beiden Trauungen funktionierte Herr Oberkantor I. G i b l i ch m a n n. Kranke Kinder nach dem Süden. Die Abteilung Wien des „American Joint Distribution Committee''- hat bereits wiederholt Transporte von lupus-, knochentuberkukose- und rhachitiskranken Kindern an das Adriatische Meer, und zwar nach Triest und in die Sanatorien in Valdotra und San Pelagio behufs.Behebung, beziehungsweise Linderung der für die Kinder so furchtbaren Leiden entsendet und wurden in den meisten Fällen zufolge der Einwirkung der Sonne, durch das Baden im Meere, und der guten ärztlichen Behandlung und Pflege, sehr günstige Resultate erzielt, indem ein Teil der Kinder vollkommen geheilt, der andere Teil mit einer wesentlichen Besserung zurückkehrte. Die. Kinder werden auf Kosten der Wiener Abteilung mehrere Monate im Sanatorium gehalten. Diesen Kindertransporten wird jeweils eine entsprechende Anzahl von Fürsorgerinnen, eine Krankenschwester und ein Arzt beigestellt und die erforderlichen Lebensmittelmengen für den Weg mitgegeben. Auch am 16. Februar 1921 abends wurde von der Abteilung Wien des „American Joint Distribution Committee" ein solcher Transport, Inesmal nach San Pelagio abgeschickt. Mit den Kindern verbleibt im Sanatorium eine Fürsorgefchwester der Abteilung des „American Joint Distribution Committee", welche die Anstaltspflegerinnen bei der Behandlung der von der Abteilung Wien des „American Joint Distribution Committee" entsendeten Kinder unterstützt und für die Kinder. aus den ihr zur Verfügung gestellten Mitteln Sonderzuwendungen macht, so daß der Wartung der bedauernswerten kleinen Schützlinge der Abteilung Wien des American Joint Distribution Committee auf disse'Weise erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt wird. * Silberne Hochzeiten. Herr Jacques M a y e r, Inhaber der „Exzes.slor"-Papierwarenfabrik, feierte mit seiner Gattin R e n k a am 16. Februar im engsten Familienkreise das Fest der silbernen Hochzeit. Bei der am 19. v. M. stattgefundenen Tempelfeier würdigte Herr Rabbiner Dr. M. Grün Wald die hohen Tugenden des Jubelpaares im allgemeinen und die hervorragenden Eigenschaften des Herrn I. Mayer auf industriellem und humanitärem Gebiete. Die Arbeiter der Fabrik veranstalteten zu Ehren des Herrn I. M a y e r in der Werkstätte ein großartiges Fest, das unter großer Beteiligung sehr stimmungsvoll verlief. — Mittwoch, den 23. v. M., feierten Herr Moriz Ster n, Kaufmann, 2. Bez., Mbsstraße 38, und seine Gattin R o s a, geborene Bermann, das Fest der silbernen Hochzeit. — Samstag, den 12. März, findet im Pazmanitentempel die silberne Hochzeitsfeier des Herrn Leopold Bermann und seiner wegen ihrer Wohltätigkeit bekanmen Gattin Rudolfine statt. Verlobungen. Frl. Grete Wolf — Herr Zoltan Grünwal d, Gesellschafter der Firma Frankl & Grünwald, Wien, 1. Bezirk, nnd Frl. Lisl Steiner, Wien, 2. Bezirk, — Herr Leo Freund, Gesellschafter der Firma Freund & Fleischmann, Men, 1. Bezirk, empfehlen sich als Verlobte. Oesterreichische Credit-Anftalt für Handel und Gewerbe. Samstag, den 5. März 1921, 1412 Uhr vormittags, findet im Saale des Gremiums der Wiener Kaufmannschaft (4. Bez.. Schwarzenbergplatz 16) eine außerordentliche Generalversammlung der Aktionäre der Oesterreichischen Credit-Anftalt für Handel und Gewerbe statt. Gegenstand der Verhandlung: Antrag auf Erhöhung des Grundkapitals der Gesellschaft von 320 Millionen auf 400 Millionen Kronen durch Ausgabe von 250.000 auf den Nominalbetrag von 320 Kronen lautenden Aktien, auf die Aenderung der damit zusammenhängenden Paragraphe der Statuten und Beschlußfassung über die näheren Bestimmungen der Hmausgabe der Aktien. Ein lustiger Purim-Rachmittag. Unter dem Protektorate des Schriftstellers Josef Grob findet am Sonntag,