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Die Wahrheit · 1921-02-17 · Heft 4 (17.2.1921) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 4 (17.2.1921)
Date
1921-02-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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V gtvnntf. WssrtzeMeressen- REDAKTION u ADMINISTRATION Mir« 2m Kaiser Josefstraße 13 XXXVII. Jahrgang Wien, 17. Februar 1931 Nnrrrmer 4 Die neuen Reichen. Eure drr betäubendsten Erscheinungen der Kultnrverwilderliug als Folge des unglückseligen Weltkrieges sind jene neuen Reichen, die allerorten wie Giftpilze nach dem Regen üppig wuchern. Diese Sorte Menschen gelten die flammenden Worte Paul S a n d o r s: Halten wir Einkehr, meine jüdischen Bruder! Hüten wir uns, zu Haß und Neid Grund zu geben. Es gibt auch unter uns Schuldige und ich halte hauptsächlich jene für schuldig, die sich dem Altar des Golde n e n Kalbes z u g e w e n d e t haben. Die Gel d g i e r, die Sucht nach Geld h a t e i n i g e die j ü d i s che t h ische B a s i s, die R e l i g i o n sm or a l der jüdischen Vergangenheit, die Weis e n Lehren der g e l ä u t e r t e n j ü d i s ch e n M o r a l v e r g e s s e n lassen! .glaube das Recht zu besitzen, in solcher Form hier die Wahrheit zu sagen, mögen die Jrregegangenen daraus Belehrung schöpfen! Nur mit der Erkennung der Wahrheit vermögen wir die Uebel auszumerzen, nur so, auf gesellschaftlichem Wege können wir auf jene einen Druck ausüben, die mit ihren Handlungeil und Unterhaiumgen unseren Feinden Waffen in die Haiid geben. Paul Sandor hat die Auswüchse des Judeniunis auf ungarischem Boden im Auge. Aber nirgendwo ist chr Hervortreten, ihr ganzes Gehaben so ärgerniserregend, aufreizend wie in der Hauptstadt des verelendeten Deutschösterreichs, diesem Schauplatz der grauenvollen Gegensätze, wie sie sich von dem schwarzen Hintergründe unbeschreiblicher Verelendung abhebeu. Dem buntschillernden Troß der maßlos Besitzenden ist es nicht zum Bewußtsein gelangt, daß außer der Vornehmheit auch der Reichtum verpflichtet, daß von dem Ueberfluß dem Bedürftigen der entsprechende Tribut entrichtet werden soll. Nicht der Besitz, sondern der Gebrauch des Geldes ist es, der in der Menge Stimmungen und Gefühle auslöst und wir dürfen uns darüber nicht wundern, wenn dieser Oberschicht der hauptstädtischen Gesellschaft mit dumpfem Groll Haß lind Erbitterung begegiiet wird. Wir müssen diese allgemeinen Betrachtungen dahin spezialisieren, daß unter den Reichen sich leider ein Großteil unserer Glaubensgenossen befindet, und von dem berechtigten Unwillen, den sie heraufbeschworen, unverdienterweise auch die arme, um ihr Dasein hart und redlich kämpseilde Judenschaft getroffen wird. Leidenschaft und Erbitterung sind außerstande, zwischen Schuldigen und Unschuldigen zu differenzieren. Es genügt der demagogische Ruf, „der Jud hat das Geld", um das urteillose Volk Schieber, Betrüger, Preistreiber mit ehrlichen Brotverdienern iiiosarschen Glaubensbekennttlisies in einen Topf zu tverfen. So muß der Gerechte für den Sünder leiden. Es ist leider beschämende und tiefbeklagenswerte Tatsache, daß bei den Razzias in gewissen Kaffeehäuser und Nobelspelnnken unter den Vorgefundenen Träger jüdischer Namen oft die Mehrheit bilden. Aber auch dort, wo das Auge des Gesetzes nicht hinblickt, wo die Polizeiorgane keinen Anlaß zu Amtshandlungen haben, ereignet sich genug des Aergerniserregenden und des Schmählichen, das untilgbare Flecken auf das Ansehen der Juden wirst. Ist es doch festgestellte Tatsache, daß die neuen Reichen unseres Stammes ihre fragwürdig erworbenen Millionen sinnlos vergeuden. Tatsache, daß diese Auswüchse der Gesellschaft sich für zu gut dünkten, um bei allgemeine Silvesterbelustignngen mitzutun, sich im protzig überladenen Heim Sonderabende leisteten, die Sterne der darstellenden Kunst heranzogen' und dafür Honorare zahlten, die einst von fürstlichen Personen nicht geboten wurden. Tatsache ist auch, daß für den Besuch der Opernredonte, des bösen Buben-Balles und ähnlicher Exzesse der Verschwendungssucht Zehntausendkronennoten mit vollen Händen hingeworfen wurden. Von dem Luxus der Toiletten aus solchen Anläßen zu schweigen. Wer dieselben neuen Reichen haben, wenn es sich um Beitragsleistungen für Notstandsaktionen, zur Hilfe oder Rettung armer Juden handelt, verschlossene Herzen und verschlossene Brieftaschen, oder geben unter moralischem Zwang eine geringe Spende, die zur Höhe ihres Vermögens in himmelschreiendem Kontrast steht. Wie ganz anders jene, unserer reichen Glaubensgenossen bodenständiger Herkunft und angeborenen, wahrhaft jüdischen Empfindens, die überall gefunden werden, wo der Ruf zur Hilfe vernommen wird. Wir können diese Feststellung nicht ohne eine sachgemäße Reflexion schließen. Nachdem Jakob, die Rache seines ergrimmten Bruders fürchtend, die Flucht ergriffen hatte, erfuhr sein innerer Mensch eine bedeutende Wandlung. Der verweichlichte „Zeltbewohner", der gehätschelte Lieblingssohn Rebekkas, mußte, auf sich selbst gestellt, den vollen Ernst des Lebens

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