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Die Wahrheit · 1921-01-06 · Heft 1 (6.1.1921) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1921
Issue
Heft 1 (6.1.1921)
Date
1921-01-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MMaMLe ZeWM für gtvnvnf 42 216 WMeMeressen- REDAKTlOHirADMlNlSTBATlOH Wir« 2.. Kaiser Jofrfstraß» IS XXXVII/Jahrgang Wie», «. JSnn« ISA Nnmmer! Eine Mahnung an den Jüdischen Nationalrat. Während des letzten Jahrzehnts wurde eine 'beklagenswerte Begriffsverwirrung in die Reihen des Judentums 'getragen. Der ursprüngliche große Gedanke 'des geeinten Volkes, der im Laufe der Zeilen die Kinder Israels über alle Nöte, Drangsale und Verfolgungen siegreich hin-- weggcholsen, er lief Gefahr, zu oerblassen, seitdem eine Gruppe unklarer Führer die Parole der Nationalität hinausgegeben. Wir sprechen von Unklarheit, weil die Führer dieser Bewegung sich von den traurigen Folgen und Wirkungen ihres Tuns offenbar keine Rechenschaft geben konnten und, die Verwirrung voll zu machen, bald das Schlagwort des Zionismus, bald des Jüdischnationaliismus hinauswarfen. Ilm durch eine von maßgebender Seite ausgehende Kundgebung den Wahn zu zerstreuen, als ob die Jüdischnationaleu das Mandat oder auch nur die Erlaubnis erhalten hätten, sich im Namen der deutschösterreichischen Mischen Staatsbürger aufzüspielen, erlich vor kurzem die „Union deutschösterreichischer Juden" (bisher „Oefterreichisch-JsraeMsche Un>ion") folgende Mitteilung, die hier als ernstes Wort in ernster Zeit registriert wird. . „Am 24. November hat eine Sitzung des sogenannten „Jüdischen Nationalrates" stattgefunden, in welcher der Antrag gestellt wurde, zur Schaffung einer legitimen Vertretung der -in Oesterreich lebenden Inden aller Richtungen als Teiles -einer volklichen Gemeinschaft des Judentums der ganzen Welt allgemeine, gleiche und Vevh ältniswahlen für den „Jüdischen Nationalrat" auszuschreiben. Demgegenüber erklären wir: Der sogenannte „Jüdische Nationalrat" ist eine einseitig parteimäßig zusammengesetzte Körperschaft, welcher wir jede Befugnis, im Namen der österreichischen Judenschaft zu sprechen und für dieselbe verbindliche Beschlüsse zu fassen, abs-prechen. Sowohl die im Jänner dieses Jahres «durchgesührten Wahlen in den Wiener Kultusvorstand, wie auch die im Oktober stattgesimdenen Wahlen für die Nationalversammlung haben bewiesen, daß die überwiegende Mehrheit der in Oesterreich lebenden Juden jede Art von nationaler oder politischer Sonderstellung entschi-eden ablehnt. Schon die Bezeichnung „Jüdischer Nationalrat" und einzelner durch diesen geführter Agenden als „Aemter", wie Paläftinaamt, Gewerbeförderungsamt, Unterrichtsamt usw., bedeutet für uns einen Eingriff in staatliche Hoheitsrechte. Es gibt für uns keinen anderen Nationalrat als die gesetzliche parlamentarische Vertretung, und keine anderen Aemter, als die vom Staate für «die Bedürfnisse der Gesamtbevölkerung errichteten Ministerien und ihre Dependenzen. Ihre Beschlüsse und Anordnungen allein sind auch für die jüdische Bevölkerung Oesterreichs rechtsverbindlich. Der sogenannte „Jüdische Nationalrat" vertritt lediglich d-ie Interessen einer Mrndevheitspartei unter den österreichischen Juden und wir bestreiten ihm -daher das Recht, allgemeine Wahlen zur Schaffung einer angeblich legitimen Gefamtvertretung der österreichischen Inden aller Richtungen auszuschreiben. Die überwiegende Mehrheit der österreichischen Jaden, die auf unserem Standpunkt entschlossen steht, kann auch die Rechtskraft des Ergebnisses solcher Wahlen nicht anerkennen. Wir lehnen auch irgendwelche, >aus Grund einer irrigen Auslegung des Artikels 67 des Friedensvertrages von Saint-Gevmain in Anspruch genommene nationale oder politische Minderheitsrechle ab. Wir wollen nichts anderes als vollberechtigte und gleichverpflichtete Bürger dieses Staates sein und werden die uns verfassungsmäßig zustehenden staatsbürgerlichen Rechte nach wie vor im Rahmen der gesamtstaatlichen Einrichtungen zu wahren und auszubauen bestrebt sein." Es erübrigt sich kaum, dieser mannhaften Erklärung etwas hinzrzufügen. Nur über den Jüdischen Nationalrat sei uns eine kurze Glosse gestattet. Wenn man weiß, aus welche Art die Jüdischnationalen ihre Wahlen machen, wird man niäp bezweifeln, daß es bei die'em Nationalrat sozus-agen eine „Wahl in sich" ist. Was die Whilse gegen das Galuthelend anbelangt, mögen die Ansichten der Parteien auseiinandergehen, was aber das nationale Moment betrifft, so kann es hier nur ein Urteil geben, zumal seine Bannerträger am eigenen Leibe die Folgen chrer zwiespältigen TMik -verspürt haben. Wir erinnern uns lau das Ergebnis der letzten politischen Wahlen, die trotz einer mit Hochdruck einfetzenden Agitation ein beschämend armseliges Resultat lieferten. Zahlen beweisen. Sie haben in diesem Falle bewiesen, daß die überwiegende Mehrheit der deutschösterreichischen Juden sich zu den Jüdischnationalen im Gegensatz befindet. Wenn diese nun aus diesem Ergebnis

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