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Die Wahrheit · 1920-12-15 · Heft 21 (15.12.1920) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 21 (15.12.1920)
Date
1920-12-15
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Rr. 21 Die Wahrheit Seite 18 ixxxxxi Literatur Ixxxxxi Israel- Leiden und Freuden. Es liegen uns im Druck zwei Predigten Sr. Ehrwürden de- Herrn Rabbiner Dr. Bernhard Templer vor, die im vorigen Jahre gehalten wurden und dieses Thema in einer schwungvollen, .vom Gemüt und Gelehrsamkeit zeugenden Weise lichtvoll behandeln, sowie eine erbauliche Ansprache an wahrhaft Gläubige bilden. Die beiden Predigten, die im Selbstverlag des Herrn Rabbiner Dr. Templer erschienen find, verdienen schon wegen des hochbeachtenSwerten Umstandes, daß ihr Reinerträgnis wohltätigen Zwecken gewidmet ist, die weiteste Verbreitung in allen Kreisen der Juden. Bei dieser Gelegenheit sei auch der hochinteressanten Studie „Die Unsterblichkeitslehredesselben Autorgedacht, durch die er fich nicht nur im Inlands, sondern auch bei hervorragenden Autoritäten -des weiteren Auslandes die gebührende Anerkennung verschaffte, der fich kein Leser dieser Schrift verschließen wird können. Denn fie gehört wirklich zu den besten, die über das schwierige Thema jemals von rabbinischer Seite geschrieben wurden. O. H. Samson Rafael Hirsch, Neunzehn Briefe über Judentum. Dritte unveränderte Auflage nebst einer Einführung von S. Ehrmann. Verlag Sänger, Frankfurt am Main, 1920. Die erste Auflage dieser Merkwürdigen Schrift des weltberühmten Verfassers ist im Jahre 1836 erschienen und das Merkchen ist noch nach 84 Jahren aktuell. Man lese z. B. die Stellen über den jüdischen Nationalismus (8. Brief), über die jüdische Schule und über die Spräche deS T'nach (18. Brief). lieber den Eindruckden das Werk bei seinem ersten Erscheinen auf die. strenggläubigen Juden machte, schreibt Rabbi Salomon Spitzer s. A.: „Hirsch hat die Reinheit des jüdischen Glaubens in den 19 Briefen so vor den Augen aller dargestellt, daß jeher der fie las, fich vorkam, als hätte er das jüdische Gesetz nicht so gekannt wie jetzt" (Tikkum Schlaumach). Mit tiefer Bewunderung schrieben Wortführer auch andere religiösen Strömungen, wie der radikale Reformprediger Stern in seiner „Geschichte des Judentums" (242), über dasselbe. Es mußte aber dennoch 84 Jahre auf die dritte Auflage warten, die von der Hirsch-Kommission der Agudas Jisroel herausgegeben wurde. Es ist darum begreiflich, daß der Herausgeber die Freunde und Verehrer des DerfasserS an das bekannte Dichterwort erinnert: „Weniger loben und mehr lesen!" Sie bedürften dieser Erinnerung nicht, wenn fie wüßten, welch reiche Gedankenschätze dieses kleine Büchlein in den paar Briefen birgt! Dr.F. Friedrich Jodl, Kritik de- Jdeali-m«-. Leipzig 1920, Akadem. Verlagsgesellschaft, 20 Mk. Carl Siegel und W. Schmied-Kowarzik haben fich mit der Bearbeitung und Herausgabe dieses wertvollen Buches den Dank aller vorurteilsfreien Gottsucher verdient. Ar scharfsinniger und" geistvoller Weise wird der philosophische Idealismus ad absurdum geführt. Der Tenor des Ganzen lautet: Gott läßt sich nicht als PriuS vor allem seienden im Natur- oder Weltgeschehen finden. Er lebt nur als Ideal in uns. Er war nicht und ist, er soll in uns «erden. Die Welt ist nicht sein Werk; sie soll sein Ebenbild werden durch unser Werk. DaS Ideal in uns und der Glaube an die Verwirklichung deS Ideals durch uns: daS ist di« Formel der neuen Religion. Wo wir Gesetzmäßigkeit in der realen Welt suchen, herrscht in Wahrheit der Zufall. Alle grpßen Gottsucher der Menschheit konnten Gott nirgends finden als im tiefsten Grunde ihres eigenen Wesens; alle diese Gottsucher find in Wahrheft Gottgestalter. Die Welt war und blieb trotz ihrer gottlos wie zuvor; aber die Idee, die sie aus der Tiefe ihres Gemütes geschöpft, wurde eine Sonne, die in diese Welt hineinzuleuchten begann. Langsamsehr langsam wird dieses Ideal, das ganz ein Wirklichkeitsfeind war, zur Wirklichkeit : der Glaube an ein Land der Zukunft, eine Verheißung ein Ideal für unser Wollen und Tun. Diese Sätze klinge» unverkennbar an die Worte unserer Propheten an. Der Kern des Judentums scheint darin ausgesprochen. Rur mit einem grundsätzlichen Unterschiede: Das Judentum proiziert gewiß auch den Himmet auf Erden in eine ferne Zukunft. Die Gottheit ist chm aber das Primum, der Schöpfer, der dem Menschen das Ideal eingepflanzt und als Stoff zu dessen Berwirkichung die Umwelt bereitet hat. Gott schuf den Menschen in seinem Ebenbilde; er schuf die Wett Ja* affst", daß sie die in fie gelegten Keime entsatte nach einer Gesetzmäßigkeit, die in der Natur gegeben ist, während fie im Wollen und Tun des Menschen erzielt werden soll. Was Jodl Zufall nennt, ist dem Juden das Watten Gottes. Fortschreitende Erkenntnis wird ihm immer deutlicher gesetzmäßigen Zusammenhang erblicken. Nicht der Zufall ist blind, sondern wir find es nach dem heutigen Stand unseres Wissen-. So wett aber auch die jüdische Wettauffaffung von der Jodt's prinzipiell absteht, deckt sie sich doch im einzelnen vielfach mtt seinen Anschauungen. Zur Klärung und Vertiefung religiöser Ansichten leistet sein Buch vortreMche Dienste. Dr. G. DisAxkxxft der Judo». Ei» Mahnruf an Zionisten undAssimilanten. Bon Dr. Mehemed Emin Efendi. Verlag von I. Kaufs mann, Frankfurt a. M. 1920. Preis Mk. 2.35 plus Sortimenterzuschlag. Seinem Verspreche» gemäß bringt der pseudooyme Verfasser der Broschüre „Die Zukunft Palästinas" diesmal einen, wenn auch nicht ganz neuen Vorschlag zur Bekämpfung deS Antisemitismus, der aber, wie er selbst behauptet, absolut keine Lösung der Judenfrage bedeutet. Zugleich soll eine Basis geschaffen werden, auf der sich Zionist-n und Afiimilanten begegnen und verständigen konnten. Der Plan, einen jüdische» Staat aber auch nur eine „öffentlich-rechtliche Heimstätte" für die Juden in Palästina zu schaffen, wird als ein „unter den gegenwärtigen Verhältnissen, ja sogar auf absehbare Zeit verkehrte», nicht nur gefährliches, sondern mtt unfehlbarer Notwendigkett zum greulichen Verderben führendes Unternehmen" dargestellt. Denn erstens hat da» kaltblütig berechnende England nur aü» GefchästSpolitik das „Mandat" über Palästina üb rnomwen, um zur Unterstützung seiner Machtstellung die Juden zu Kriegsdiensten, womöglich gegen andere semitische oder wenigsten» semüifierte (arabifierte) Völker zu mißbrauchen, zweiten» ist eS ein Wagnis, Erklärungen, Verpflichtungen. Eidschwüre europäisch-christlicher Staaten als Sicherhett (sogar al» Sicherhett für alle Z e i t l) zu erachten, wenn fie fick jetzt auch unter dem Namen „Völkerbund" vereinige». Und nun kommt der, wie gesagt, nicht absolut originelle Gegenvorschlag Dr. Mehemed Emin Efendis, der da behauptet, daß wir die Gelegenheit zu einer Arbeit suchen müssen-, „die möglichst große Menschenmassen beschäftigt und die von den anderen gemieden wird, wo fich alß» die Juden unentbehrlich machen können und nicht al» kästrge Konkurrenten empfunden werden". Als solche Arbett empfiehlt der Verfasser die landwirtschaftliche, deren Wichtigkeit aber auch von den Zionisten, wenn auch aus anderen Gründen erkannt wurde (Chaluzim) Die Gründe de« Berifasser» aber sind auch sehr stichhältig, denn: „Der Jungbrunnen eine» Volkes ist die landwirtschaftliche arbeitende Masse — und daran fehlt e» un» Juden seit fast zwei Jahrtausenden l" I. St.

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