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Die Wahrheit · 1920-10-20 · Heft 17 (20.10.1920) · page 12

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 17 (20.10.1920)
Date
1920-10-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12.. Die Wahrheit . .. Nr. lf „Ohel Awrohom" war. In formvollendeten, inhaltsreichen Worten schilderte er dir Verdienste, die sich der Verblichene um den genannten Verein und nicht minder um das Wiener Judentum erwarb. Tief gebeugt trauert eine aufopfernde, treue Gattin und eine trostlose, heißgeliebte Tochter um den Hingeschiedenen. Sie waren beide stets bemüht, das Leben deS über alles geliebten Gatten und Vaters bis zu seinem letzten Atemzuge zu erleichtern und zu verschönern. Möge ihnen der Herr in diesen schweren Tagen seinen mächtigen Schutz verleihen, die allvermögende Zeit ihnen Trost und Ruhe, spenden. — d—f * Der „Wiener Frauenverein zum Schutze armer, verlaffener Kinder", früher „Hitzinger Frauenverein", hat wieder einen schmerzlichen Verlust erlitten. Frau Josesine König, geb. Bach rach ist nach kurzem, schweren Leiden ms Jenseits abberufen worden. Seit Gründung deS Frauenvereines gehörte diese grundgütige, und edle Dame dem Vorstände an und mit Warme und Eifer versah sie die Pflichten der Schützerin armer, verlaffener Kinder. Ihre Gebefreudigkeit wer stets groß, nie war sie müde, die Kinder und die Pflegeparteien zu besuchen und von jedem Krnderbesuch kam sie voll der . Eindrücke zurück und sorgte und kümmerte sich um jede Kleinigkeit. MeS im Leben der Kinder war ihr wichtig. Es war eine fromme, reine und innige Seele, die von uns gegangen. Der ».Wiener Frauenoerein zum Schutze armer, verlaffener Kinder" trauert tief um Josefine König. Ihrer Leichenfeier wohnten fast! alle Damen deS Borj^mdeS bei rmd der ehrwürdige Herr Rabbiner Dr. Ta glicht beklagte in bewegten Worten den Heimgang der . Guten. * Am Vorabend des Versöhnungstages ist Hofrat Julius W i n t e r b e r g, der langjährige unermüdliche Präfidmt der Pester Chewra Kadischa, im Alter von 72 Jahren plötzlich verschieden. Winterberg, der semen FamilLmurfpruug auf den berühmten deutschen Rabbi Eleasar Fleckeles zurückführen konnte, war in Mähren geboren und »täte in jüngeren Jahren als Mufikreferent von Prager Blättern und als Mitarbeiter der „Neuen Freien Presse" in Wien. Später kam er nach Budapest, wo er in den Achtzigerjahren Bankdirektor wurde und. auch zahlreiche Mühlen und Jydustrieunternehmungen gründete. Nach einer schweren - Erkrankung seiner Gattin zog- Winterberg sich von der. konnnerziellen Tätigkeit gärylich zurück und widmete feicher feine ganze Tätigkeit der Pester Chewra Kadischa. Seit länger als zwölf Jahren stand er! als Präsident an der Spitze dieser eminent jüdischen Institution. Sein bedeutendes. Vermögen hinterließ Winterberg feinem im Mslande weilenden Sohne; und zur Hälfte. der Pester. Chewra Kadischa, dem. Budapester . jüdischen Gymnasium und sonstigenfÜdischenWohstätig- MSanstalteu. Bei feinem Leichenbegängnis^widmeten die Rabbiner Hevesi, Adler und Fischer,- der Präsident : der RÄgion^emeinde Hosrat Franz Szökely,, derMzeprüfident der Chewra Julws Adler uud deren Sekretär Heinrich Endrei ^dem Verblichenen warme Nachrufe. ♦♦♦♦♦♦ VernnMtrs Schabbat'Kodesch. (Aus. meinem demnächst erscheinenden Kriegstagebuch.) Freitag nachmittags. Ich sitze in der Baracke und gönne mir nach geleistetem Dienste ein wenig Ruhe, Um mich herum nehmen die Dinge den alltäglichen Verlauf des soldatischen Lebens. Heute erwarte ich wohl nicht wie einst die Prinzessin Sabbatbraut, die von Heine so vielbesungene Prinzessin, aber meine Gedanken verweilen bei jenen frohen, erhabenen Stunden verflossenerglücklicherTage. Die schwungvolle Macht der Erinnerung entreißt meinen Geist der so überaus monoton-prosaischen, ich möchte besser sagen, trivialen Wirllichkeit und versetzt ihn in die weihevolle, innerlich beglückende Stimmnng des beginnenden Erew-Schabbat. Ich sehe vor mir den gedeckten Tisch der lieben Heimat, auf dem- Weinbecher und Sabbatleuchter funkeln und schöne ^Challoth" sich bescheiden unter der „Mappe" verstecken und ich sehe den Vater, der majestätisch beim Tische sitzt und „Schirhaschirim" sagt. Es kommt mir in den .Sinn das schöne jüdische Volkslied: Freitag af der Nacht Is jeder Jid a Meilech In jedem Winkale lacht Und dos ganze Haus is freilich. Ja, es war einmal! Inbrünstig flehe ich zu. Gott: Chadesch Jameinu k Kedem. Mozaei Schabbath, Es ist Schabbes nachts. Die Leute sitzen auf den SchläMitschen herum und ich schreibe diesen Brief bei mangelhafter Beleuchtung. „Laj'hudim hajtah'Oroh" kann man bei uns nicht sagen —; eine eigenartige, undefinierbare Stimmung erfüllt mein Herz, ich denke an die einstigen Zeiten und möchte gerne singen: Hamawdil beim Koidesch l' choil, „Wer is in der Heim, dem is woil", „Haomer Aschrei schalosch p'amim bajom usw." heißt's im Talmud. Ich sage fast.jede Minute: „Aschrei joischwei— weisseicho". Jehudah Jizchak' Meilen. Der numvrus elaunus^ Die Vorlage über den numeruo clausus an den ungarffchen Hochschulen wurde von der Nationalversammlung Ungarns nach längerer, oft leidenschaftlicher, -sich vorwiegend-um die ungarische Judenfrage drehender Debatte, mit großer? Stimmenmehrheit angenommen. Dermimeruo clau8U5 hat demnach schon; Gesetzeskraft erlangt. Im Sinne dieseneuen Gesetzes um der Vollstreckungsverordnungen des Unterrichtsministers; -sollen fortab zur juristischen Fakultät nur 300, zur, .medizinischen 400, zurphüosophischen.200 und zu allenanderen Fakultäten der Hochschule , insgesamt 1800 neue; Hörer zugelaffen werden, -von denen, bloß. 6 Prozent Juden fein können. Dies. bedeutet die Verdrängung > von / ungefähr 4000 Hörern jährlich, die sich nun wohl zu überwiegendem Telle anderen Lebensberufen zuwenden müssen oder . ausländische Hochschuley aussuchewmüffey. Unterrichtsminister Stephan H a l l e r hat. exklärt, dass diese Eivschränkungz sich yicht^auf-beMs erworLenL Rechte begeht, daß also die fchon<Mhevfnskribiett gewesenen

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