Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 17 (20.10.1920)
- Date
- 1920-10-20
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Seite LI I»L' Är. lt Die Wahrheit gedenkt der Vorsitzende in einem warmempfundenen Nachrufe der in letzter Zeit mit dem Tode, abgegangenen Kollegen Stößler, Neu-Rausnitz, und des Rates PH. Kläger, Wien. Er hob die Verdienste der Dahingegangenen um die Hebung des Ansehens des Standes hervor, gedachte besonders der 35 jährigen, erfolgreichen und verdienstlichen Amtsführung des Letzteren und wies darauf hin, daß der Verewigte durch, die von ihm creierte Stiftung für die Witwen und Maisen verstorbener Kantoren sich selbst ein bleibendes und ehrendes Andenken bei der Wiener Kollegenfchaft für alle Zeiten sicherte. Der Nachruf wurde stehend angehört und dem Protokolle angeschlossen. Ueber die Tätigkeit des Vorstandes berichtet der Vorsitzende, daß^die neuen geänderten Statuten und die notwendig gewordene Titeländerung in „Oesterreichischen Kantorenverein" von der Landesregierung bereits genehmigt wurden. $ur Linderung der Notlage aller Kantoren habe sich der Vorstand an die Kollegenschaft nach Amsterdam, New-Aork und London gewendet, aber auch bei dem großen Wiener Philantropen Bernhard 'Gold st ein vorgesprochen, dessen großes jüdisches Herz sich auch in diesem Falle aufs Neue durch eine munifizente Gabe für die notleidenden Mitglieder glänzend bewährte, welche bereits zur Verteilung gelangt sei. Ehrenpräsident Jakob Bauer dankt für die im zuteilgewordene ehrende Begrüßung von Seiten des Vorsitzenden und der Kollegen und gibt hierauf in längerer Rede Anregungen zur Linderung des gegenwärtigen Notstandes. Nicht im Empfange vorübergehender Unterstützungen sieht er das Heil der Kollegen, von Seite der Gemeinde und der Tempelvorstehungen, betont er, müsse für die Kantoren als Beamte ausreichend gesorgt werden. Hieraus gedenkt der Ehrenpräsident in einem stehend angehörten Nachrufe in warmen Worten der verstorbenen ausländischen Kollegen Birnbaum, Königgrätz, Freisinger, Pilsen, und Hermann, Böhm.-Leipa. Den Kollegen Mayerowisch und Morgenstern wird hierauf der Dank der Versammlung für ihre selbstlosen und ersprießlichen Bemühungen zum Zwecke der Linderung des Notstandes der Kollegen ausgesprochen. Erster Kantor M. B. Kaufmann spricht zum aktuellen Thema des Notstandes, meint aber, daß auch die Kantoren endlich, wie fast alle übrigen Stände, aus der schamhaften Zurückhaltung heraustreten und sich an die große Oeffentlichkeit um Hilfe in dieser schweren, sorgenvollen Zeit wenden müssen. Es wird von der Versammlung in diesem Sinne Beschluß gefaßt und diese sodann geschlossen. Todesfälle. Am Schmini Azereth starb nach langem schweren Leiden die Gattin des langjährigen und verdienstvollen Vorstandsmitgliedes des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohom" Hermann Ehrenfeld, Frau Augüsta' Ehrenfeld. Das Leichenbegängnis der durch ihre Wohltätigkeit bekannten und beliebten Frau fand am 7. d. M. unter außerordentlich starker Teilnahme vom Trauerhause 3. Eastellezgasse 16 statt und dann bewegte sich der imposante Zug am Pazmanitentempel vorbei, um dem letzten Wunsche der Verstorbenen Rechnung zu tragen, deren Lebensziel die Beschaffung von „Bausteinen" für dieses prächtige Gotteshaus war. Rabbiner Dr.S.F unk hielt der Verblichenen im Trauerhause, wie auch am Zentralfriedhose einen zu aller Herzen gehenden Nachruf, in welchem er sie als Gattin, Schwester und Wohltäterin würdigte. Die kantoralen Funktionen versah Herr Oberkantor G i b l i ch m a n n, am Grabe stimmte im Namen des Vorstandes, der sich unter Führung seines Obmannes Rat Adolf Weng er vollzählig am Leichenbegängnis beteiligte, 1. Kantor Stift ein ergreifendes El mole rachamim an. Das Gedenken an diese edle Frau wird ein dauerndes und ehrenvolles bleiben. * Donnerstag, den 14. d. M. fand das Leichenbegängnis der dahingeschiedenen Frau Olga Goldenberg unter ungewöhnlich großer Beteiligung statt. Mit Frau Goldenberg schied eine edle Frauengestalt aus dem Leben, eine treue Mutter, eine Frau von Charakterfestigkeit und Herzensgüte. An der Bahre trauern die Sühne Arnold, Karl, Louis" und Hans Goldenberg, sowie die Töchter Sophie Wein, Fanny Maer, Hilde und Rosa Lipowetzky. Die Verblichene bildete den Mittelpunkt einer vornehmen Familie und war die Schwiegermutter des Herrn H. Maer, des angesehenen und allverehrten Vorstandsmitgliedes des Leopoldstädter Tempelvereines „Aeschel Awrohom". Zu ihrem Leichenbegängnisse hatte sich eine große Anzahl von Trauergäften aus allen Gesellschaftskreisen eingesunden. Der Tempelverein war schon bei der Ueberführung der Leiche durch die Vorstandsmitglieder Obmann - Stellvertreter Oskar Schramek, Schriftführer Hirschseld, Chlamtatsch,Gerstl und Wärndorfer vertreten.Von der Firma Boschan war der Chef Herr A. Bofchan anwesend. An der Bahre der Verblichenen hielt Herr Rabbiner Dr. S. Funk eine ergreifende Rede, in welcher er die schönen Tugenden der edlen Frau, ihre Herzensgüte und ihren Wohltätigkeitsfinn schilderte. Nachdem Herr Oberkantor Giblichmann die Trauergesänge in äußerst würdiger Weise vorgetragen hatte, wurde die irdische Hülle der Heimgegangenen ins Grab gesenkt. Alles schied in ttefer Ergriffenheit von dem frischen Grabhügel, der sich über eine wahrhafte „esches chajil" wölbte, über eine „wackere Frau", deren Leben und Wirken mustergültig gewesen/ * Am Freitag, den 1. Oktober starb hier Herr Adolf Schulz im 78. Lebensjahre. Der Verblichene war in der Geschäftswelt eine ebenso bekannte als geschätzte Persönlichkeit und so war auch die Beteiligung an dem Leichenbegängmffe, das am 3. d. — bedeutsamerweise am Haschono raba — stattfand, äußerst zahlreich. 'Der Verblichene, der sich infolge seiner strengen Ehrenhaftigkeit und ünentwegten Rechtlichkeit, seiner vielseittgen Bildung und wahrhaften Religiosität zahllose Freunde erwarb, gehörte noch zu jenen seltenen Glaubensgenossen, die unabänderlich an die Satzungen unserer Religion sesthalten. An der Bahre hielt HerrS. Ko hn, Präsident des Beihausvereines „Ohel Awrohom", dem Verblichenen einen überaus ehrenden Nachruf, in welchem er hervorhob, daß der Entschlafene Mitbegründer de- Tempelvereines