Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 17 (20.10.1920)
- Date
- 1920-10-20
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Fernruf tA^Bs kkV/Vi<IlQ«u-^0d1l«!§Nr^Il0tt 42 2-16 V<v^ Wien, 2. Kaiser Josesstratze 13 Rümmer 17 Wien, SO. Oktober 1820 XXXVI. Jahrgang Mißvergnügte Zionisten. Die Zeichen mehren sich und treten mit immer größerer Schärfe in Erscheinung, daß etwaß faul ist im Staate Palästina, daß die Führer - der ideal gedachten und groß angelegten Aktion deutlich empfinden, wie ihnen die Ereignisse über den Kopf wachsen und sie der Lage nicht mehr gewachsen sind. Diese bedauerliche, für das Gesamtjudentum folgenschwere und verhängnisvolle Tatsache haben wir in unserer vorigen Nummer zum Gegenstände des Artikels „Die Lösung der Judenfrage" gemacht, haben nachgewiesen, daß die Frage statt der Lösung der Verwirrung 'zugeführt wird und den „Verantwortlichen" bereits vor sich selbst bange wird. Es ist kontravers, wer die Schuld an diesen trostlosen Zuständen trägt. Die eine Partei will sie der anderen zuschieben. Damit wird aber die Tatsache uicht aus der Welt geschafft, daß der Kernpunkt der Palästinasrage, „ein heimatloses, über den ganzen Erdball wanderndes Volk auf eine gesicherte Heimstätte zu verpflanzen", „die Kraft der jüdischen Jugend an ideale Ziele zu binden", null und nichtig zu werden droht. Wir sagten und halten dies aufrecht: „National -organisieren heißt, das Schicksal von Millionen in die Hand weniger verantwortungsvoller Männer legen; diese Männer tragen unter allen Umständen die Verantwortung fürErfolg undMißerfolg." Gleichgiltig, ob diese Männer in London, New-Iork oder-Jerusalem sitzen und eMer Oberschicht angehören, die einigen Dutzend Personen Positionen verschaffen will. , Man könnte natürlich einwenden, daß diese Aeußerungen in unserem Blatte nicht überraschen, da es sich die Bekämpfung der jüdischnationalen Lösung der Palästinafrage zur Aufgabe gestellt hat. Das wäre aber eine irrige Meinung. Wir bekämpfen nämlich nur die Mißgriffe und Mißbräuche in dieser Angelegenheit und da haben wir unerwarteterweise einen Mitkämpfer gefunden, dem gewiß nicht Voreingenommenheit zum Vorwurf gemacht werden kann. Es ist nämlich das Wiener offizelle Organ der Nationaljuden, die „Jüdische Zeitung", die in ihrer Ausgabe vom 1. Oktober an leitender Stelle mit den Führern der Palästinabefiedlung noch strenger ins Gericht geht, als dies bisher unsererseits geschehen, und anknüpfend an die letzte Jahreskonferenz in London erklärt, daß dort ein arger Widerspruch zwischen, politischen Erfolgen und praktischen Errungenschaften zutage getreten. Die Schwierigkeiten vergrößern sich, bemerkt das bestinformierte Blatt, die Arbeitslosigkeit ist da, es wird immer schwerer, die neuen Ankömmlinge unterzubringen, die Ankunft der Einwanderergruppen findet die zionistischen Behörden unvorbereitet und für eine entsprechende Aufnahme und provisorische Installierung ist nicht gehörig gesorgt. Die Londoner Leitung hat die folgenschwere Weisung erlassen, dieBeförderung der Palästinawanderer zu stoppen und nur solche Elemente zu befördern, welche imstande sind, sich ein Jahr aus eigenem zu erhalten. (Es ist nun schwerlich anzunehmen, daß die vielen durch die noch immer herrschenden Kriegsgreuel um ihre letzte Habe gebrachten Ostjuden, die meist nur das nackte Leben retten konnten, im Besitz solcher Mittel sind, die ihnen ermöglichen, im Lande der Verheißung ein Jahr lang zu privatisieren. D. R.) Die „Jüdische Zeitung" ist, wie begreiflich, auch auf die stark ausposaunte Reformtätigkeit des englischen Oberkommissärs für Palästina, Sir Herbert Samuel, sehr ungnädig zu sprechen und verzeichnet eine starke Mißstimmung, welche den ersten Enthusiasmus rasch abgelöst hat. Und während man von London aus bestrebt ist, fürs erste allen Zuzug sernzuhalten, fordert