Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1920-10-06 · Heft 16 (6.10.1920) · page 3

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 16 (6.10.1920)
Date
1920-10-06
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3062972-3063928-3063943--11020-3078401
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Fernruf RE&AKTION ^ADMINISTRATION 42216 Wien, 2. «aiscr Zosesstraße 13 Wien, 6. Oktober1S2V Nummer 1« XXXVI. Jahrgang Die Aonstituierung des neuen Aultusvorstandes. Drei Monate nach der Wahl (27. Juni) konnte erst der neugewählte Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde zur Konstituierung schreiten. Zum Präsidenten wurde der Generaloberstabsarzt Universitätsprofessor Dr. Alois Pick, zum ersten Vizepräsidenten Baurat Wilhelm Kempler, zum zweiten Vizepräsidenten Herr Siegmund K a u d e r S gewählt. Der im ersten Wahlgang zum zweiten Vizepräsidenten gewählte Rechtsanwalt Dr. Desider F r i e d m a n n, ein Mitglied ,der jüdischnationalen Partei, hatte die Wahl nicht angenommen. Auch die für das Vertreterkollegium gewählten jüdischnationalen Vorstände, , Nationalrat Stricker, Rechtsanwalt Dr. P l a s ch k e s und Regierungsrat T a u s s i g verzichteten auf das Mandat. Es wurden daher in das Vertreterkollegium nur uicht-jüdischnationale Herren gewählt, deren Namen hier alphabetisch folgen: , Rechtsanwalt Dr. Jakob Engel, Börsenrat Ignatz G l ü ck,' Direktor Dr. S. Krenberger, Rechtsanwalt Dr. Leo Landau, Wolf P a p p e n h e i m (Orthodoxer), Hofrat Dr. Benjamin Rappaport, Rechtsanwalt Dr. Josef Ticho, Bankier Arnold W o r t m a n n. Die Jüdischnationalen hatten in allen Wahlgängen leere Stimmzettel abgegeben. Auch hier begrüßen wir alle diese Herren und insbesondere da» Präsidium aufs herzlichste, indem wir ihnen das Segenswort zurufen: „Gesegnet sei Euer Eingangl" Zu Zeiten des Freudenfestes Sukkoth ziehen sie in die durch die Tradition und fruchtbringende Arbeit geweihten Amtsräume der Kultusgemeinde ein^ bereit und willig, für die Wiener Judenschaft nur Bestes zu leisten. Alle drei Präsidenten betonten ihre Hingabe für die Aufgabe, die Wiener Kultusgemeinde zu festigen, ihre Finanzen in Ordnung zu bringen, die Verwaltung zu reformieren und für Kultus und Wohltätigkeit ersprießlich zu sorgen, Auch die acht Vertreter werden nicht ermangeln, ihre ganze Liebe, ihre ganze Kraft und alle Zeit den großen und verschiedenen Aufgaben der Kultusgemeinde zu widmen. Es ist sehr zu beklagen, daß die Jüdischnationalen nicht ins Präsidium und in das Vertreterkollegium ihre Herren entsandten. Sie wollten die Stelle des ersten Vizepräsidenten und zogen sich in die Aemterlosigkeit zurück, da ihnen.diese Stelle nicht eingeräumt wurde. Sie versprachen wohl Mitarbeiterschaft und stellten große weitgehende Anträge in Bezug auf Unterricht und soziale Fürsorge in Aussicht, indem sie zugleich ein umfassendes Programm auf Erweiterung des Wahlrechteauf alle in Wien lebenden Juden ohne Rücksicht auf die Staatszugehörigkeit, Eintreten für die gesamte Judenfchaft, wo sie leidet, und Mitarbeit an der nationalen Heimstätte in Palästina schwungvoll verkündeten. Wer logisch denkt und mit Ernst und aus innerer Notwendigkeit diese großen Pläne verwirklichen will, der kann das doch nur in solcher Mitarbeit tun, die von einflußreicher Stelle geschehen kann, und indem man selbst so viele Menschen als möglich für die angestrebten Ziele gewinnt und heranzieht. Um die fernen und nahen Ziele der Jüdischnationalen zu erreichen, bedarf es der Propaganda dafür, der Gewinnung von Freunden und Machtmitteln, bedarf es der inneren Arbeit imKultüSvorstand, um dort für seine eigenen Ideen zu überzeugen und durch Mitarbeit um Gesamtinteresfe der Gemeinde auch für die eigenen Jntereffen Teilnahme zu erwecken und Wohlwollen hervorzurufen. Gerade der Ernst einer Arbeit und dringende Notwendigkeit einer Maßnahme müßten alle Bedenken schweigen lassen und die Herren sollten so wirken, daß durch sie die anderen bestimmt werden. Wenn die Herren von der Kultusgemeinde zum Beispiel Mithilfe zum Aufbaufonds für Palästina haben wollen, wenn sie es ernstlich wollen und nicht vielmehr diese Forderung als Agitationsstoff brauchen, dann hätten sie in die Arbeitsgemeinschaft eintreten müssen, um in den eipzelnen Kollegien die Kollegen zu überzeugen und durch die eigene Arbeit mustergebend zu wirken. Propq-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.