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Die Wahrheit · 1920-09-01 · Heft 14 (1.9.1920) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 14 (1.9.1920)
Date
1920-09-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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M- XXXVI. Jahrgang . Wien, 1. September 1920 Nummer 14 MMaWMZckGrlst für MMe Interessen- Fernrufj REDAKTION «rADMINlSTR ATION 42 21« Wie». 2. Kaiser Aasefstratze 13 Die Aufgaben des neuen Aultusvorstandes. Unmaßgebliche Betrachtungen von Dir. Dr. S. Krenberger. Der neue Kultusvorstand gleicht einem Kaufmanns, der ein altes Geschäft in seiner Gänze zur erfolgreichen Weiterentwicklung übernimmt. Was tut dieser? Er nimmt die Aktiven und Passiven des Geschäftes auf, prüft sie nach allen Seiten und zwar gründlich, geht dann auf die Quellen zurück, welche das Unternehmen speisen, berechnet deren Stärke und Ergiebigkeit, das heißt er macht sich mit den Warenlieferanten und Warenkäufern, mit den Warenpreisen, den Bezugs- und Absatzorten, mit dem Erzeugungsverfahren und mit den Zoll- und Frachispesen, kurz mit allem bekannt, was zum Handel und zur Erzielung eines Gewinnes gehört, bis er einwandfreie Schlüsse für sein weiteres Vorgehen zu ziehen imstande ist. Eingehendes Studium des übernommenen Geschäftes, des neuen Arbeitsfeldes, ist also das sachliche Moment der ersten Arbeit durch den neuen Unternehmer oder Leiter. Seine eigene Befähigung, Hingabe, Eifer, Liebe sind das notwendige persönliche Moment, damit die Untersuchung des Standes und die Weiterführung des Geschäftes gelingen. Die materiellen Erfolge jeder Arbeit hängen vor allem vom Geiste ab, in dem und mit dem sie geleistet wird. Das Wissen und die Erfahrung, die Intelligenz, das rasche Erfassen der Situationen, die eingehende Denkarbeit und das durch den Besitz von Ideen erwärmte und geleitete Durchdenken jeder Dache bereiten die Erfolge vor, nicht minder das charaktervolle Handeln, welches in dem grundsatztreuen, verläßlichen, von sittlichen Erwägungen immer und überall beeinflußten Tun besteht. Das persönliche Moment ist sowohl ein rein intellektuelles als auch ein sittliches, beide aber sollen in möglichst großer Vollendung vorhanden sein. Von ihnen hängt dann vor allem die Weiterarbeit im Geschäfte ab. Der Geist und Wille des Unternehmers bestimmen die Organisation der Arbeit und können sie zur zweckdienlichsten machen, sie eröffnen dem Unternehmer alle und zwar die besten Mittel zum Betriebe, sie geben Förderung und schalten Widerstände aus. Die Bildung und Intelligenz des Leiters wird kommende Ereigniffe vorausbestimmen, unvorhergesehene rasch in Erwägung ziehen, der treue, feste Charakter auch in den ärgsten Lagen Ausdauer bewahren und nicht abgeschreckt werden. Die sogenannten Imponderabilien, Geschehniffe von unvorhergesehener Art, werden bei solchen Eigenschaften bald und rasch in die Gedankenwelt des Leiters einbezogen. Der neue Kultusvorstand hat auch ein altes Geschäft zur Weiterführung übernommen. Die Arbeit im Kultusvorstand besteht darin, die religiösen, sozialen und kulturellen Bedürfniffe der Wiener Juden zu befriedigen, natürlich möglichst vollkommen, das heißt nach allen Anforderungen und jedesmal ganz, rasch und erschöpfend, ohne viel Aufwand von Geld und Mühe. Die Bedürfniffe sind, um bei unserem Bilde zu bleiben, die Ware, der Gegenstand, mit dem der neue Kultusoorstand zu tun hat. Die Wiener jüdische Bevölkerung liefert diese Bedürfniffe, ihre Befriedigung durch Taten ist das Fertigprodukt des Vorstands und die Zufriedenheit des Einzelnen, aber vor allem die der Gesamtheit der Gewinn der Vorstandsarbeit. Diese Bedürfniffe hat also der neue Kultusvorstand jetzt kennen zu lernen und zu studieren. Sie liegen in den Amtsstuben der Beamten der Kultusgemeinde zur Kenntnisnahme und zur Bearbeitung auf und dort müffen wir sie aufsuchen. Der neue Kultusvorstand hat sie nach ihrem Inhalt und Wert, nach dem ethischen und sachlichen Wert, nach ihrem Ursprung und ihren Folgen für den Einzelnen und für die Gesamtheit und in ihrem Zusammenhänge mit Land und Staat, wie mit den geistigen Ideen der Zeit zu prüfen, also den subjektiven Wert und den allgemein geistigen und notwendigen festzustellen. Es muß untersucht werden, wie jedes Verlangen

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