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Die Wahrheit · 1920-08-04 · Heft 12 (4.8.1920) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 12 (4.8.1920)
Date
1920-08-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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MMe Interessen- Kerurus RE&AKTIQN u ADMINISTRATION 4*frlft VW Wie», t Kaiser Jssesstratze 15 XXXVI. Jahrgang Wien, 4 August 1920 Nummer AL - » 3m 3rrgarten des Zionismus. In Aufsätzen und Notizen dieses Blattes wurde oft und nachdrücklich dem jüdischnationalen Palästinaprogramm entgegengetreten. Für Leute, die nicht lesen können oder wollen, unterscheiden wir genau daS Palästinaprogramm von der Palästinaidee, mit welch letzterer wir uns gleich allen wahrhaften Juden einverstanden erklären, da wir den hohen sittlichen Wert derselben erkennen und propagieren. Wogegen wir aber mit aller Entschiedenheit Stellung nehmen und auch stets Stellung nehmen werden, daist die mißbräuchliche Art, wie eine an sich erhabene Sache von behenden Mandütspolitikern maßlos auSgebeutet wird, und die heillose Verwirrung, die solcherweise in der urteilsunfähigen Masie entsteht. Nach dem denkwürdigen Palästinabeschluß in San Remo und den bald darauf einsetzenden Judenverfolgungen im Heiligen Lande schrieben wir: „Es sind wieder einmal zu große Versprechungen gemacht worden; man hat leider wieder dar glaubensselige jüdische arme Volk mit vagen Hoffnungen erfüllt, es wurde wieder ohne reale politische Unterlage große Politik gemacht und nun folgt die Enttäuschung. Falsche Propheten gab es wieder in Juda." Seit dieser Feststellung hat jeder folgende Tag unsere Ansicht neu bestätigt, haben sich die Konflikte verschärft,, die Gegensätze explosionsgefährlich zugespitzt. In mehreren Städten Palästinas ist jüdisches Märtyrerblut vergossen worden und eS bedurfte der ganzen bedeutenden militärischen Macht Englands als Beschützer der „Heimstätte der jüdischen Nation" diese vor dem Fanatismus der arabischen Judenfeinde zu retten. Die rauhe Wirklichkeit sieht eben ganz anders auS als am grünen Tisch geborene Theorien. Und weil wir, vermöge einer langjährigen Erfahrung und genaueren Kenntnis der Dinge, unsere Anschauungen rückhaltslos vertraten, griffen unsere publizistischen Widersacher in das reiche Arsenal ihrer bei anständigen Kämpfern sonst verpönten Waffen. Aber wie immer hat sich auch diesmal das Rüstzeug der Wahrheit stärker und erfolgreicher erwiesen. Außerdem kam unS aus den Reihen der Gegner unerwarteter Sukkurs. Hören wir einen in allen Lagern gleich hochgeschätzten Sachwalter des (ehrlichen) Zionismus, Dr. Klatzkin, der über den heutigen Kurs im „Israelit", wie folgt, schreibt: „Selbst wenn es England mit uns sehr gut meint — woran ich gewiß nicht zweifle — und wenn es sogar bereit wäre, die Jntereffen seiner arabischen Politik zu unseren Gunsten zu opfern, wäre dieser Gewinn nicht entscheidend — will sagen? nicht von Dauer. Heute entscheidet die Politik überhaupt nicht mehr — sie wird von den Völkern entschieden. Unsere auf diplomatischem Wege errungenen Erfolge hätten nur dann Sinn und Wert, wenn uns England die Möglichkeit geben würde, sofort mit einer großzügigen jüdischen Einwanderung nach Palästina und der Bildung von jüdischen Legionen — ja. Legionen! — zu beginnen. Die Erklärung Balfours hätte dann den hoben Wert eine- Sprungbrettes. Wenn sie unS vorläufig die Hände bindet und für später Versprechungen macht, so hat sie wohl schon für die nächsten paar Jahre keinen größeren Wert als eine Versprechung eines Hermann Müller für das nächste Halbjahr. Auch wenn wir solche diplomatische Neugestaltungen nur als Möglichkeiten bewerteten — für mich sind sie mehr als bloße Eventualttäten —, sollten wir unS davor hüten, das jüdische Volk in beseeligende Hoffnungen einzulullen. Die Leitung hat mithin Grund genug, d e zionistische Oeffentlichkeit vor überspannten Erwartungen geradezu zu warnen. Das hat sie aber nicht getan. Ja, bei aller meiner gewohnten Nachsicht kann ich sie von j der Schuld nicht ganz sreisprecken, daß sie viel dazu! beigetragen hat. die zionistische Denkart aus Momente politischer Sensation einzustellen. Nun ist es klar daß jeder politische Rückj schlag ungeheure Enttäuschungen nach sich zieht, die.

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