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Die Wahrheit · 1920-07-21 · Heft 11 (21.7.1920) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 11 (21.7.1920)
Date
1920-07-21
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 11 Seite 11 -Ll. Die Wahrheit Ordnung und geregelte Verhältnisse in die Kultusgemeinde zu bringen. Es ist viel Schutt wegzuräumen und die Arbeit ist nicht leicht. A. B. Overkantor Ferdinand Jura, früher in Eger (Erlau) funktionierend, wurde in der gleichen Eigenschaft nach Kattowitz an Stelle des scheidenden Oberkantors Singer berufen. Eger. Vor kurzem beging Herr Leopold Schlesinger, Chef der Kohlengroßsirma Schlesinger & Co. in Eger, im engsten Familienkreise das 60. Geburtsfest. In der großen Bescheidenheit des Jubilars erfuhr die Oeffentlichkeit kein Wort darüber, aber umsomehr die Wohlfahrt. Bei einer Thoraspende widmete der Obgenannte 1000 Kr. für die Institutionen der Kultusgemeinde; er überwies dem jüdischen Natiönalfond 100 Kr. und den gleichen Betrag dem Bürgermeisteramt für die Ortsarmen. Bei der Austeilung der Kultussteuer erhöhte er seine Quote um mehr als das Doppelte. Seine Gemahlin, Frau Serafine geb. Sachs, spendete eine herrlich gestickte Schulchandecke für unsern Tempel, wofür ihr ein Dankschreiben seitens des Kultusoorstandcs schmeichelhaften Inhalts zukam. Während der Kriegszeit spendete Herr Schlesinger für die Flüchtlinge Egers und der umliegenden Ortschaften unzählige Waggons Kohle und erfreuen sich unsere Ortsarmen auch dieser Kohlenspende bis aus den heutigen Tag. — Möge Herr Leopold Schlesinger, dessen größte Genugtuung das Geben mit vollen Händen und stets im stillen — mattan beseser — ist, noch viele, viele Jahre der darbenden Menschheit erhalten bleiben: ad meo schonim! Eine bedeutsame Knndgebung. Der Vorstand des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, Berlin, gibt folgende Erklärung: „Die politischen Vereinbarungen in San Remo über Palästina haben an der Stellung der überwiegenden Mehrheit der deutschen Juden im und zum deutschen Vaterlande nichts geändert, sie fühlen sich staatsbürgerlich, kulturell und national wie bisher als Glieder des deutschen Volkes. Diese Tatsache hindert sie nicht, aus Juden- und Menschenpflicht an allen Bestrebungen mitzuarbeiten, die darauf abzielen, normale, menschenwürdige Daseinsbedingungen allerorten und insbesondere in Palästina für alle diejenigen Glaubensgenossen zu schaffen, die in ihren gegenwärtigen Verhältnissen nicht leben können". Es ist derselbe Standpunkt, denn unsere staattreuen und staatklugen Juden angesichts der gegebenen Verhältniffe einnehmen und verfechten. Jndenüberfülle ttisb Thoraschändung in Kowel. Dem „Tag" wird aus Kowel telegraphiert: Samstag, den 12. Juni drang während des Gebetes eine Gruppe Bewaffneter in das Koweler Beth-Hamidrasch, schleppte die Juden heraus, schor ihnen den Bart ab und schlug sie blutig. Zehn Juden wurden schwer verwundet. Dann riß die Bande einige Thorarollen aus der Lade und zerfetzte sie vor den Augen der entsetzten Beter. Der Bürgermeister von Kowel hat der jüdischen Gemeinde sein Bedauern über den traurigen Vorfall ausgedrückt und sich an das Militärkommando gewendet, damit dieses einer Wiederholung solcher Geschehnisse vorbeuge. ♦♦♦♦♦♦♦ ♦♦♦♦♦♦♦ Literatur Vergessen. Sonntag ist's; ein prächtiger, in voller Blüte stehender Frühlingstag. Sanfte, schwermütige Stille ruht auf allem. Sachte liebkost ein feiner Wind die zu frischem Leben erwachte Natur. Düstere Wintergedanken bestürmen meine Seele. Vor meinem Geiste tauchen Menschen auf, vom Lebensfrühling „vergessen". Ich höre sie leis'^u meiner Seele sprechen: „Du kannst Menschenleiden verstehen, du kannst sie begreifen, deshalb zieht es unsere Seelen zu Deiner. Sieh diesen blühenden Tag! Alles eilet, alles freuet sich, alles jauchzet! Und wir Armen, vom irdischen Glück Vergessenen und dazu vom Ehrgeiz Besessenen sitzen fluchend in unseren armseligen Behausungen. Oede ziehen unsere Tage dahin, ohne Freude, ohne Hoffnung! Und von einem wüsten, peinigenden, vernichtenden Haßgefühle ist unser Herz durchtränkt. Nach Gleichheit, nach Gerechtigkeit schreit eine zermalmende Stimme in unserem Innern."-Meinen Lippen entringen sich die Worte: „O grausames Leben, birgst du nicht genug Leiden, wozu noch die Bürde der Armut???-Während ich so sinnend saß, meine Seele all die anklagenden Menschenstimmen vernahm, mein Geist all die traurigen, von Leiden gezeichneten Gesichter sich ausmalte, war wieder ein Tag gestorben und dunkle Nacht umgab mich. S. H. Vermischtes Krrrrr Bad Orb, Am Samstag, den 36. Juni d. I. feierte die hiesige jüdische Gemeinde das fünfzigjährige Jubiläum der Synagoge. Aus diesem Anlaß fand ein besonderer Festgottesdienst statt. Nachdem die Thorarollen, getragen von den Aeltesten der Gemeinde, in die neue hergerichtete Synagoge unter Chorgesang gebracht wurden, sang der Kantor das Ma towah. Hierauf folgte die Festpredigt des Herrn Lehrer Seelig. Im Anschluß daran betonte der Redner, daß es nicht allein auf die Schönheit des Gotteshauses ankäme, sondern auf den Geist der darin Betenden und ermahnte zur Gottesfurcht. Todesfall. Die irdische Hülle des bekannten Historikers Dr. Heinrich Friedjung wurde am 16. d. M. unter stattlicher Beteiligung weiter Kreise auf dem Zentralfriedhofe bestattet. Nach Vollziehung der Trauergesänge durch Oberkantor M. B. Kaufmann unter großer Assistenz hielt Rabbiner Dr. Taglicht einen tiefempfundenen Nachruf, in dem ec die Vorzüge und Tugenden des Hingeschiedenen würdigte. Für die Akademie der Wissenschaften sprach Präsident Hofrat Professor Dr. Oswald Redlich, für die „Concordia" Präsident Dr. Wengraf, dann Professor Dr. Anton Bettelheim im Nämen der Weggenossen, Minister a. D. Dr. Red lich für die Gesellschaft der Geschichtsfreunde, General Hoen für das Kriegsarchiv und Prof. Dr. K ö n i g st e i n für den engeren Freundeskreis.;,W

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