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Die Wahrheit · 1920-07-07 · Heft 10 (7.7.1920) · page 13

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 10 (7.7.1920)
Date
1920-07-07
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 10 Die Wahrheit Seite 13 Höhungen -er Bezüge, die Zuschüsse an das Personal, wie auch die Renovierungsarbeiten im Bethause begründen die Steigerung der Ausgaben. Namens der Revisoren berichtet Herr Markus Fried, daß die Buchführung und Kassagebarung bei den jeireiligen Ueberprüfungen in musterhafter Weise vorgefunden wurden. Herr Markus Schlesinger schließt sich diesen Ausführungen an, worauf nach vorausgegangener, stellenweise erregter' Debatte beide Berichte von der Generalversammlung genehmigt und unter anerkennenden Worten für die erfolgreiche Tätigkeit des Vereinsausschusses über Antrag des Herrn Adolf Fürst demselben einstimmig das Absolutorium erteilt wird. Ein Antrag des Vorstandes, die Gründer des Vereines, Herrn Bcthausvorstand David W a l d m a n n und den Vereinskasiier Herr Jos. Goldberger, für die außerordentlichen hevorragendeu Verdienste, die sich dieselben um den Verein erworben haben, zu Ehrenmitglieder zu ernennen, findet einhellige Annahme. Ebenso wird einem Antrag auf Erhöhung der Mitgliedsbetträge stattgegeben. Bei der hierauf vorgenommenen Wahl von 8 Mitgliedern des Ausschusses werden die Herren Jonas Jmbermann, Moritz Kraus und Josef Teller wieder, die Herren Max Vieler, Samuel Donbth, Samuel Rotner, Moritz Scharr und Mathias Silber neu gewählt. Zu Revisoren werden die Herren Barlfeld und Fürst einstimmig ernannt. Der Verlauf dieser Versammlung läßt erwarten, daß die bisherigen und neugewählten Mitglieder des Vorstandes ungestört §)on allen der Vereinstätigkeit hindernden und störenden Nörgeleien die sich gesteckten Ziele, das ist Förderung des Tempelbaues, sowie das gesamte Interesse des Vereines, zum Wähle desselben mit Entschlossenheit und Beharrlichkeit weiter werden verfolgen können. Die Notwendigkeit einer solchen ungestörten, fruchtbringenden, ohne schädigende Einflüsse fortgesetzten Tätigkeit der Vereinsleitung wurde in der Generalversammlung vom Vorsitzenden besonders betont und es ist zu erhoffen, daß diese Mahnrufe ihre Früchte für den Verein tragen werden. Mit Dankesworten an die Erschienenen und Gönner des Vereines, auch in Hinkunft ihre Unterstützung demselben angedeihen zu lassen, fand die so bewegte, ' mitunter stürmische Generalversammlung ihren Abschluß. Literatur^ ♦mm Chajim Bloch, Die Gemeinde der Chassidim, Wien-Berlin 1920, Benjamin Harz-Verlag. Dieses geschmackvoll ausgestattete Buch verdient in jeder jüdischen Hausbücherei einen Platz neben den Blütenlesen aus Talmud und Midrasch. Zu einer unbefangenen Beurteilung des Chassidums, das uns nicht allein literarisch, sondern hier in Wien auch räumlich seit dem Kriege um so vieles nähergerückt ist, bietet diese schöne Arbeit Blochs eine denkenswerte Handhabe. Einer Kultur, die auf einer solchen' religiössittlichen Höhe steht, kann keiner Achtung versagen. Mit Bloch selbst ist freilich zu bedauern, daß der Chassidismus sich nicht überall auf dieser Höhe erhalten hat. Die Strenge, mit dem manche chassidische^ Gruppe sich gegen andere abschließt, wird durch den Ausspruch eines Rabbis (S. 253) beleuchtet: ..Wenn ich einmal über ihn (einen anderen Rabbi) ein tadelndes Wort fallen lasse, so geschieht dies nur deshalb, um die Engel, die ihn beneiden, zu beschwichtigen!" Das Buch macht dem Verfasser, der unter den denkbar schwierigsten Verhältnissen unser Schrifttum mit einer wertvollen Gabe nach der anderen bereichert, alle Ehre. Er verdient in seinem Schaffen jede Förderung. Dr. G. Josef Grobs gesammelte Schriften, Wie» 1920. Vor uns liegt ein Bilderbuch ohne Bilder. Josef Grob ist ein glänzender Beobachter; nicht nur die Hand, sondern auch das Auge und daS Herz führten des Autors Feder und beteiligten sich in gleichem Maße an der Entstehung der kaleidoskopisch zusammengewürfelten Skizzen und Novellen, deren Stoff mit wenigen Ausnahmen dem Alltagsleben der jüngsten Vergangenheit entnommen ist. Düstere, traurige Bilder aus der Kriegszeit, aus dem Wiener Flüchtkingselend bilden die überwiegende Mehrheit der Sammlung. Daneben finden wir einige lustige Skizzen, Erinnerungen des Verfassers aus seiner Jugendzeit; Gestalten ziehen an uns vorüber, Golustypen, die, wie etwa „Pejfie der Weltchasan" humoristisch hingezeichnet, uns einen Augenblick lang die düstere Note des Ganzen vergessen lassen. — Kann denn ein Jude fröhlich sein? „Habt ihr, selbst in guten Zeiten, eine jüdische Freude ohne Tränen gesehen" fragt der Verfasser und so begegnen wir beinahe in sämtlichen Skizzen jenem Mollakord, der die meisten von ihnen durchzieht und in den fast jede ausklingt. Grob kennt sein Volk, seine Brüder, ihr Leid und Elend und „wer den Dichter will verstehen, muß in seine Lande gehen". — Dieses Land, der Golus, das Ghettogäßchen gaben ihm den Stoff, den er mit dem eigenen Herzensblute zu Papier brachte. * A. Esd. Sam. Krariß, Die Wiener Geserah vom Jahre 1421.*) Wien und Leipzig, Wilh. Braumüller, 1920. Am 12. März 1421 wurden, auf Befehl Albrechts V. in Erdberg bei Wien 92 Juden und 120 Jüdinnen öffentlich verbrannt. Dem Andenken dieser Blutzeugen widmet zur 500 Wiederkehr ihres Todestages der Verfaffer die vorliegende Schrift. Mühsam, man merkt es, sind die Farben zusammengctragen, über die seine reichhaltige Palette verfügt. Sie dienen zu einer überraschend anschaulichen Darstellung des schaurigen Ereignisses, seiner.Vorgeschichte und des Hintergrundes. Die Wiener Judenbrand von 1421 tritt als Exponent einer ganzen Kulturepoche in die Erscheinung. Sorgsam wird vom Verfasser auch selbst den Ueberlebenden aus jener Untergangszeit der ältesten Wiener Judengemeinde, selbst den verschleppten Büchern nachgespürt. Von besonderem Reiz ist die Schilderung des inneren Lebens der jüdischen Zeitgenossen der Hussitenkriege, die auch aus das Wiene? Ghetto einen so großen Schatten geworfen haben. Diese Männer und Frauen, in denen die Außenwelt nur die gierigen Schachersekten sah, wie *) Siehe den gleichbetitelten Aufsatz in der vorliegenden Nummer der „Wahrheit". ivxsf*\r':T.T.

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