Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1920
- Issue
- Heft 7 (26.5.1920)
- Date
- 1920-05-26
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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MMeMenM- »ernrtij REDAKTION (^ADMINISTRATION 42-2-16 Wie», 3. «aiser Josesstratze iS Wien, 28. Mai 1920 Rnmmer 7 XXXVI. Jahrgang Leben und Tod. So betitelt sich der SonntagS-Leitartikel der „Wiener Morgenzeitung" vom 16. Mai d. I. Der Name des reichlich mit stärksten Worten und saftigen Ausdrücken ausgestatteten Aufsatzes kommt aus den Schlußausführungen, welche besagen: Die jetzigen Mitglieder des Vorstandes, die keine Juden sind und sich nicht als Juden fühlen, wollen den Tod des Judentums, die Jüdischnationalen aber wollen, daß eS lebe. Die Vorstände wollen eS verneinen und in die Vernichtung führen, die Jüdischnationalen wollen es bejahen und zur Freiheit führen. Die Vorstände wollen, daß das Judentum versklavt, verhöhnt, beschmutzt, entehrt bleibe. Die Jüdischnationalen wollen ihm das Bewußtsein seiner Würde, sein Recht auf freie, ungestörte Entfaltung seiner reichen Kräfte geben. _ Anklagen und Beschuldigungen gegen den Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde von schwerster Art, Verheißungen und Versprechungen von höchster Form! Die Vorstände der Kultusgemeinde sind demnach Mörder und Vernichter des Judentums, die Jüdischnationalen dagegen Heroen, Volksbefreier und Beglücker. DaS Objekt, an dem die Vorstände sündigen, ist das Judentum, daS Objekt, für das die Jüdischnationalen in den Kampf ziehen, ebenfalls das Judentum. Man muß sich diese schweren Anschuldigungen des anonymen Schreibers, der zugleich Schmäher, Rächer und Verkünder ist, in Antithesen auflösen, um zu ermessen, wie tief die Vorstände der Wiener Kultusgemeinde gesunken sind, wie ruchlos sie vorgehen und wie notwendig die Rettung durch die Jüdischnationalen ist. Aber dann fragt man sich, ob das Judentum so schwach ist, daß die jetzt 17 Männer zählenden nicht-jüdischnationalen Vorstände der Wiener israelitischen Kultusgemeinde eS töten, vernichten, versklave«, verhöhnen/beschimpfen können. Und find die Herren Jüdischnationalen so stark, daß sie durch den Besitz der Wiener „Kultusstube" das Judentum retten, erheben, zum Leben bringen können? Ist das Judentum der Wiener Kultusvorstand? Sind die Jüdischnationalen die auSerwählte Schutzwehr des Judentums? Das Judentum ist der Inbegriff religiöser und sozialer Höhe und Würde, des beglückenden Heiles für alle Menschen und es hat diese Miffion der Ethisierung der Menschheit seit Jahrtausenden zu Die gesetzlichen Pflichten der Kuitusgemeinde. § I des Gesetzes vom 21. März 1890 besagt: Aufgabe der Kultusgemeinde ist, innerhalb der durch die Staatsgesetze gesogenen Grenzen für die Befriedigung der religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder zu sorgen und die durch diesen Zweck gebotenen Anstalten zu erhalten und zu fördern. Die Israel. Kultusgemeinde kann und darf daher keine politische Körperschaft sein. t sein. 9 HtHH