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Die Wahrheit · 1920-05-12 · Heft 6 (12.5.1920) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1920
Issue
Heft 6 (12.5.1920)
Date
1920-05-12
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 6 Die Wahrheit Seite 11 Die neue Wahlordnung für. die Kultusgeweinde Wien bedarf nur mehr einiger formeller Aenderungen, um die Genehmigungsklausel 5er niederösterreichischen Landesregierung zu erhalten. Diese dürste in kurzer Zeit also einlangen. Die Wahlen aber werden erst im Herbste stattfinden. Die Anfertigung der Wählerliste, ihre Auflegung, das Reklamations- Verfahren und alles, was zur Vorbereitung der Wahlen nötig ist, erfordert viel Zeit. Es sei aber hier schon darauf aufmerksam gemacht, daß nach § 5 der neuen Wahlordnung das aktive Wahlrecht daran geknüpft ist, daß die für das Jahr der Wahl oder für das vorangegangene Kalenderjahr statutengemäß vorgeschriebene Kultussteuer bis zum Ablaufe der Reklamationsfrist entrichte werde. Wir lenken daher die Aufmerksamkeit d--c. einzelnen Kultussteuerträger, wie die der Bezirkswahlkonkmiffionen darauf, daß sie überall eingreifen, um säumige Zahler der Kultussteuer zur Zahlung zu veranlassen.. Ein verunglückter Rufer im Streit. Der „Vorwärts" bringt folgende lustige Erinnerung an eine Antisemitenversammlung: In den guten alten Stöckerversammlungen tat sich hinten stets ein kleiner Mann mit einer piepsigen Stimme als Zwischenrufer im Streite hervor. Die Sache ging so vor sich: Wer hat die Moral unseres Volkes zerstört? Die Juden! Wer ist schuld an all dem Elend des ehrlichen deutschen Gewerbes? Die Juden! Wer bedroht unser geliebtes deutsches Vaterland mit dem Untergange? Die Juden! Aber eines Tages erpiepste es im Zwange der Gewohnheit bei der Schlußfrage: Wer aber wird uns herausführen aus diesem Jammer und herrlichen Zeiten entgegen? Die Juden! Worauf die Karriere des wohlbestallten Rufers für diesen Abend einen plötzlichen Abschluß fand. Man fühlte sich gepackt, gehoben und in hohem Bogen in den Hof bewegt. Die Neuordnung in Palästina. Eine Kundgebung des Wiener Kultusvorstandes. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Wien hat in seiner Plenarsitzung vom 26. April 1920 die nachstehende Kundgebung beschlossen: Eine offiziöse Meldung aus San Remo, dem Sitze der Beratungen der Friedenskonferenz, brachte die Mitteilung, daß die alliierten Mächte beschlossen haben, die noch während des Krieges namens der englischen Regierung abgegebene, als die Balfour-Deklaration bekannte Erklärung, wonach Palästina als nationale Heimstätte für die Juden eingerichtet werden solle, dem Friedensvertrag mit der Türkei zu inkorporieren und das Mandat über Palästina an Großbritannien zu übertragen. Noch sind, die Einzelheiten dieser Neuordnung in Palästina nicht bekannt, aber schon die Tatsache allein, daß die Großmächte, in deren Händen heute das Schicksal Europas liegt, dem in der Zerstreuung lebenden jüdischen Volke Gerechtigkeit widerfahren lassen und den tausenden und abertausenden Juden, die gerade jetzt in den Ländern, in denen sie in großen Massen leben, den heftigsten Verfolgungen und Bedrückungen ausgesetzt sind, eine Zufluchtsstätte eröffnen, wo sie nach ihrer Eigenart unter dem Schutze des Völkerbundes leben und sich entwickeln können, erweckt überall, wo es Juden gibt und wo noch ein Gerechtigkeitsgefühl lebt, das Gefühl aufrichtigster Freude und innigster Genugtuung. Dieser innigen Freude gibt auch der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde, der, im Durchgangstor zwischen Ost und West wirkend, zu allererst die Wirkungen der Pogrome im Osten und des Flüchtlingsstromes nach dem Westen zu fühlen bekommt, aus vollem Herzen Ausdruck. Mögen aber auch die im Zusammenhänge mit der obigen Meldungen laut gewordenen Versicherungen der Großmächte, daß, wie im neuen Palästina die volle und effektive Gleichberechtigung aller Bewohner des heiligen Landes gewährleistet werden solle, auch die bürgerlichen und politischen Rechte der Juden in ihren derzeitigen Wohnländern ungeschmälert erhalten und gewahrt werden sollen, in Erfüllung gehen! Baronin Hirsch Kaiser Jrrbiläuws-Wohl tätigkeitsstiftung. Wie wir vernehmen, hat diese Stiftung während der ganzen Kriegszeit die Verleihung unverzinslicher Darlehen fortgesetzt und dadurch die Erhaltung zahlreicher Existenzen ermöglicht. Da nunmehr die Rückzahlungen in günstiger Weise erfolgen, so ist die Stiftung in der Lage, der gesunkenen Kaufkraft unserer Währung Rechnung zu tragen und den an sie gestellten Ansprüchen in erhöhtem Maße zu genügen. Gesuche von Handwerkern und Gewerbetreibenden werden in erster Reihe berücksichtigt und sind zu richten an die Baronin Hirsch Kaiser Jubiläums- Wohltätigkeitsstiftung, 1. Spiegelgaffe 21. Union-Espanola, der seit kurzerZeit bestehende Verein, welcher segensreich wirkt, hielt Dienstag, den 22. v. M. im Festsaale des Hotels „Continental" einen Festabend ab, welcher zahlreich besucht war. Unter den Ehrengästen bemerkte man den Vertreter der spanischen Botschaft, den Vorstand der türkischen Gemeinde mit dem Vizepräsidenten Lazar Susfin, die Präsidentin des Frauenvereines Frau Johanna Halfon samt Vorstandsdamen, Rechtsanwalt Dr. Eduard Thal er, den Obmann der türkischen Schule Alexander A m a r, den Obmann der Union-Espanola Mosco Gallimir, Chocham Owadja, Oberkantor Jakob Bauer, dessen Stellvertreter I. L ö w i t und viele andere Mitglieder samt ihren Damen. Die artistische Leitung hat Herr I. L ö w i t Übernommen. Das reichhaltige Programm begann mit einer Mendelsohns'schen Ouvertüre, worauf der Obmann und Begründer Mosco Gallimir die Begrüßungsansprache hielt. Dieser folgte „Saludo-Chor", Worte von N. Ovadia, Musik von I. Löwit. Die Festrede hielt Dr. Eduard Thal er, welcher die verdienstvollen Leistungen der „Union-Espanola" würdigte. Das Männerquartett Löwit, Wand, Lazar und Lahis, sowie die Solovorträge der Herren Wand und Lahis wurden mit viel Beifall ausgenommen. Der Klub strebt die * Erwerbung eines eigenen Heims an, zu welchem Zwecke „Bausteine" von seiten der Mitglieder und Gönner in großer Zahl vorgemerkt wurden. Schauturnen. Am 24. April hielt der erste Wiener jüdische Turnverein „Makkabi" in den festlich dekorierten Sofiensälen sein diesjähriges Schauturnen ab, das nach jeder Richtung hin einen glänzenden

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